Mike Hoeffel

Mike Hoeffel (links) hat im Moment allen Grund, mit Jack Combs und Mike Moore zu jubeln.

Foto: Scheer

Bremerhaven

Ein Erdhörnchen wird flügge

Von Mareike Scheer
17. Januar 2017 // 20:00

Ein knapp 90 Zentimeter großer einjähriger Junge steht in North Oaks mit Schlittschuhen auf der Eisfläche. Wagt die ersten Schritte. Gerade mit dem Laufen begonnen, steht Pinguins-Neuzugang Mike Hoeffel auch schon auf dem Eis. Kein Wunder, in einer Stadt im US-Bundesstaat Minnesota kommt man am Pucksport einfach nicht vorbei. Dennoch ist Hoeffel der erste in seiner Familie, der sich dem Eishockeysport verschrieb und nun sein Glück mit Bremerhaven in der Deutschen Eishockey-Liga sucht. Knapp 4500 Menschen zählt die Stadt nur rund 16 Meilen von Minneapolis entfernt. „Es ist bei uns zu Hause immer sehr kalt und Eishockey ist eigentlich allgegenwärtig, jeder liebt es. Ich bin damit aufgewachsen“, erklärt „Hoeff“, wie der Angreifer von seinen Teamkollegen genannt wird. Seine Familie wurde indes erst mit dem Umzug nach North Oaks infiziert, unterstützte ihn fortan jedoch bei jedem Spiel. Praktisch, dass sich der Jungspund für die University of Minnesota direkt um die Ecke entschied, wo er einen Abschluss in Wirtschaftsmarketing gemacht hat. „Da bin ich sehr froh drüber, dass ich das durchgezogen habe. Damit kann ich nach meiner Eishockey-Karriere vielleicht zurück in Minneapolis einen guten Job finden“, erklärt der Linksschütze.

Stürmer mit Gardemaß

Doch das eigentliche Hauptaugenmerk lag natürlich auf der Weiterentwicklung bei den Gophers (auf Deutsch: Erdhörnchen), dem Eishockey-Team der Universität. Mit Erfolg. 2007 wurde der heute 27-Jährige in der zweiten Runde an Position 57 vom NHL-Club New Jersey Devils gedraftet. Zwar kam es nie zu einem Engagement in der besten Pucksport-Liga der Welt, dennoch zeugt es von den Fähigkeiten des Stürmers, der mit 1,93 Meter und 95 Kilogramm Gardemaß mitbringt.

Gophers in der DEL

Und er ist wahrlich nicht der erste Gopher, den es in die Deutsche Eishockey-Liga verschlägt. 2008/09 wagte bereits Evan Kaufmann direkt nach seiner Uni-Zeit den Sprung zur Düsseldorfer EG und reifte bei den Rheinländern in vier Spielzeiten gar zum deutschen Nationalspieler. Die Vorfahren des Juden waren einst nach Amerika geflohen. 2010/11 ging er in Düsseldorf sogar gemeinsam mit Kumpel Ben Gordon auf Torejagd, mit dem er 2008 gemeinsam seinen Abschluss gemacht hatte. „Beide sind gute Freunde von mir. Ich habe mit Evan auch gesprochen, bevor ich nach Deutschland gegangen bin. Sie waren eine Saison meine Mitspieler in Minnesota“, erklärt Hoeffel. Und sollte er in die DEL-Fußstapfen seiner Kumpels treten können, werden die Pinguins noch viel Freude an dem Flügelstürmer haben.

Seit drei Monaten Deutsch-Unterricht

Eine Tradition führt er indes bereits fort. Bereits vor seinem Wechsel nach Bremerhaven hat er während seines Engagements bei Zweitligist Crimmitschau Deutsch-Unterricht genommen und einmal in der Woche gepaukt – wie einst auch Kaufmann. „Ich möchte die Leute verstehen und dadurch auch die Kultur besser kennenlernen. Ich will gerne noch lange bleiben und fühle mich hier einfach pudelwohl.“ Erste Sätze sind nach nur drei Monaten bereits in Fleisch und Blut übergegangen: „Wie geht es dir“, ruft er Teammanager Alfred Prey ins Büro. Der US-Amerikaner mit deutschem Pass ist einfach stark interessiert, die Heimat seiner Vorfahren kennenzulernen – vielleicht sogar gemeinsam mit der ganzen Familie will er nach der Saison in die Nähe von Leipzig reisen. „Vielleicht wohnen dort sogar noch Verwandte von meinem Vater. Ich will das auf jeden Fall auskundschaften“, so Hoeffel.

Mit dem Hund in die Natur

Aktuell verbringt er seine Freizeit am liebten mit seinem Hund, einem Shepherd-Mix, in der Natur mit langen Spaziergängen in den Parks der Stadt – oder auf dem Tennisplatz. „Wenn ich kein Eishockey-Spieler geworden wäre, wäre ich Tennis-Profi. Ich habe bis zum College gespielt, aber Hockey hat mein Leben dann doch dominiert.“ Gut für die Pinguins, die durch ihn nicht nur Tiefe in den Kader bekommen haben, sondern denen ein Angreifer ins Netz gegangen ist, der das Potenzial zum Leistungsträger hat.

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