In Bremerhaven bleiben auch nachts viele Ampeln in Betrieb.

In Bremerhaven bleiben auch nachts viele Ampeln in Betrieb.

Foto: Gerten/dpa

Bremerhaven

Ein Neubürger fragt: Warum treibt die Ampelschaltung die Bremerhavener in den Wahnsinn?

Von Christoph Käfer
6. Dezember 2016 // 10:00

Christoph Käfer ist der Neue. Kürzlich ist er von Flensburg nach Bremerhaven gezogen und arbeitet seitdem in der Onlineredaktion. Als Neubürger fallen ihm ständig Eigenarten in der Stadt auf, bei denen er sich fragt: Warum ist das eigentlich so? Denen geht er auf den Grund und schreibt jeden Dienstag auf nord24 darüber. Heute: Warum treibt die Ampelschaltung die Bremerhavener in den Wahnsinn?

Anderer Mensch im Straßenverkehr

Eigenlob stinkt, das ist bekannt. Doch an dieser Stelle will ich aus gegebenem Anlass einmal betonen, dass mich meine Familie und Freunde als sehr ausgeglichen und besonnen beschreiben. Zumindest solange, wie sie mich nicht im Straßenverkehr erlebt haben.

Nur am Fluchen und Schimpfen

Dann bin ich ein anderer Mensch: Ständig am Schimpfen, Fluchen und Kopfschütteln. Und das bei weitem nicht nur über andere Verkehrsteilnehmer, denn bekanntlich hält sich ja jeder Auto- und Radfahrer für den besten seiner Art auf diesem Planeten.

Häufig keine grüne Welle

Nein, viel schlimmer finde ich die Ampelschaltungen in Bremerhaven. Von grüner Welle ist nur selten etwas zu spüren, gerade als Radfahrer hat man in der Seestadt regelmäßig das Nachsehen, da die Ampeltaktungen augenscheinlich auf den motorisierten Verkehr abgestimmt sind.

Autofahrer beklagt sich

Natürlich ist das kein Bremerhavener Phänomen, in fast jeder deutschen Stadt regen sich zuhauf Verkehrsteilnehmer über Ampeltaktungen auf. Auch in Bremerhaven. Dass ich damit gewiss keinen Einzelfall darstelle, weiß ich aus Gesprächen und Nachrichten von anderen Bremerhavenern. Einer davon ist Rene Thiele. Er schrieb uns: "Es ist nicht möglich, die Georgstraße in einem Stück zu durchqueren, ohne dass man an jeder Ampel stehen muss. Aber was ich auch ziemlich nervig finde, ist, dass dasselbe Ampelprogramm, was in der Woche läuft, auch am Sonntag abgespielt wird - und da kann es dann vorkommen, dass man ganz alleine an einer Ampel steht wie beispielsweise an der Kreuzung Elbestraße bei der Marine. Da stehst du vier Minuten völlig ohne Grund und ohne Autos weit und breit."

(Zu) wenige Ampelschaltungen in der Nacht?

Solch krasse Erfahrungen habe ich hier zwar noch nicht gemacht, aber auch ich empfinde die Ampelschaltungen an vielen Stellen als nerviger als andernorts - gerade in den Abendstunden. Dann werden ab 21 Uhr zwar einige Ampeln im Stadtgebiet abgeschaltet, da das Verkehrsaufkommen deutlich geringer ist als tagsüber.

Viele Ampeln im Dauerbetrieb

Für meine Begriffe könnten jedoch deutlich mehr Ampeln ab dem späten Abend abgeschaltet werden, zumal es gerade dann besonders nervig und ärgerlich ist, an einer roten Ampel halten zu müssen, obwohl weit und breit kein Auto, Radfahrer oder Fußgänger in Sichtweite ist. Im Vergleich zu anderen deutschen Städten mit vergleichbarer Größe bleiben in Bremerhaven sehr viele Ampeln dauerhaft in Betrieb.

Stadt erklärt sich

Aber warum ist das so? Gibt es einen Zusammenhang mit den vielen Rasern in Bremerhaven, die gerade in den Abendstunden aktiv sind und denen möglichst viele abgeschaltete Ampeln in die Karten spielen? Die Stadt hält sich auf Nachfrage bedeckt. Wörtlich heißt es: "Es werden in Bremerhaven die Lichtsignalanlagen (LSA) an den verkehrswichtigen Knotenpunkten nachts weder abgeschaltet noch auf Bedarfsbetrieb umgestellt. Die Nichtabschaltung in der Nacht dient der Verkehrssicherheit." Pressesprecher Helmut Stapel betont jedoch: "Grundsätzlich werden jedoch auch nachts die LSA verkehrsabhängig geschaltet."

Umrüstung wäre teuer

Eine Abweichung von den Taktungen an Werktagen, so wie von Rene Thiele angeregt, ist allerdings kaum durchsetzbar. Dazu sagt Stapel: "Ein Bedarfsbetrieb ist bei der derzeitigen Verkehrsrechnersteuerung nicht möglich. Hierzu müssten sämtliche LSA mit Detektoren ausgerüstet werden und der Verkehrsrechner umgerüstet werden. Um dieses zu veranlassen sind entsprechende politische Beschlüsse erforderlich und es müssten Haushaltsmittel zur Verfügung gestellt werden."

Schwieriger Job

Und es ist nicht nur unverschämt teuer, die Ampeltaktungen zu ändern, sondern auch unheimlich komplex, die vielen Ampelanlagen aufeinander abzustimmen. Ganz ehrlich: Mit diesem Job wäre ich und sicherlich die meisten Bremerhavener hoffnungslos überfordert.

Positiv-Beispiel aus Hamburg

Doch trotzdem müssen rote Wellen auf den Straßen nicht immer die logische Folge sein. Das zeigt beispielsweise die Kieler Straße in Hamburg: Sie zählt mit Sicherheit nicht zu den kleinsten Straßen in der Hansestadt, trotzdem ist es der Stadt gelungen, die Grün- und Rotphasen der zahlreichen Ampeln so aufeinander abzustimmen, dass entweder grüne Welle herrscht oder (nahezu) alle Ampeln gleichzeitig rot sind. Vielleicht ist so etwas ja zumindest auch auf den wichtigsten Straßen in Bremerhaven möglich.

Ein Neubürger fragt: Warum treibt die Ampelschaltung die Bremerhavener in den Wahnsinn?

Christoph Käfer ist ein Neubürger in Bremerhaven. Und einige Dinge kommen ihm komisch vor. Für nord24.de hat er nachgefragt, warum manches so ist, wie es ist.

Foto: Gerten/dpa

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