Lungenfacharzt Dr. Hans Jörg Baumann informiert in einer siebten Klasse über die Gefahren des Rauchens.

Lungenfacharzt Dr. Hans Jörg Baumann informiert in einer siebten Klasse über die Gefahren des Rauchens.

Foto:

Bremerhaven

Einsatz gegen den blauen Zigarettenqualm

Von Yvonne Gotthardt
1. Januar 2017 // 11:00

Scarlett Johannsen, die kokett eine Zigarette hält, James Dean mit Kippe im Mundwinkel und Helmut Schmidt, fleischgewordene Rechtfertigung für jede Zigarette: Beispiele für Raucher, die signalisieren, dass der blaue Dunst cool ist und im Fall vom verstorbenen Altkanzler sogar kettenrauchend ein Alter von 96 Jahren erreicht werden kann. „Rauchen ist aber eine schlechte Idee“, sagt der Bremerhavener Lungenfacharzt Dr. Hans Jörg Baumann. Der Mediziner des Bremerhavener Ameos Klinikums Am Bürgerpark hat die drei Prominenten ausgesucht, um falschen Vorbildern Gesichter zu geben, die bei den Jugendlichen einer siebten Klasse der Johann-Gutenberg-Schule ankommen. Somit bringt Baumann den Schülern nicht nur die Gefahren des Rauchens näher, sondern gleich das Wissen um einen deutschen Politiker, der viel für die Zigarettenindustrie getan hat – seiner fatalen Botschaft wegen. „Dann kann ich das ja auch machen, wenn sogar ein kluger Mensch wie Helmut Schmidt raucht“, sagt Baumann, was in manchen Köpfen von Rauchern vorgeht.

Immer weniger Jugendliche rauchen

Die Jugendlichen nicken verständig. Sie verstehen, worauf Baumann hinaus will. Bei ihnen muss er keine so dicken Bretter bohren. Nur wenige Finger heben sich auf die Frage, wer denn schon mal eine Zigarette in der Hand gehalten hat. Das angewiderte Rümpfen der Nase ist verbreiteter. Damit liegt die Klasse im Trend: Das Thema Rauchen ist bei Jugendlichen zwar regelmäßig auf Achterbahnfahrt, allerdings lässt sich seit geraumer Zeit ausmachen, dass immer weniger Jugendliche zum Glimmstängel greifen. Baumann hat Zahlen dabei, die diese Tendenz untermauern. 1997 rauchten noch etwas über 27 Prozent der Jungen und fast 29 Prozent der Mädchen. Aktuelle Zahlen belegten hingegen, dass lediglich nur noch 7,7 Prozent der Jungen und 7,8 Prozent der Mädchen rauchten.

Süchtig nach der positiven Stimmung

Für eine Raucherkarriere ist der Einstieg schnell gelegt: „Drei bis vier Wochen reichen für eine Abhängigkeit“, klärt Baumann die Schüler auf, wie schnell Menschen in eine Nikotin-Sucht verfallen können. „Wer dann versucht, vom Rauchen loszukommen, hat schlechte Laune und Konzentrationsschwierigkeiten“, erläutert Baumann. Wenn dann geraucht werde, erreiche der Suchtstoff in zehn Sekunden das Gehirn und verursache Wohlbefinden. „Schneller als eine Spritze“, so Baumann. Das Nikotin erzeuge eine positive Stimmung, nach der die Raucher süchtig seien.

Mediziner: Rattengift, Aceton und Ammoniak steckt in Zigaretten

Um sicherzugehen, dass den Schülern die Lust auf etwaige Zigaretten nachhaltig vergeht, zählt der Mediziner die Erkrankungen auf, die mit dem Rauchen in direktem Zusammenhang stehen. Da wären unter anderem Blindheit, Thrombosen, Ohren- aber auch diverse Krebserkrankungen, die auf das Konto des Zigarettenkonsums gingen. Die Stoffe, die in den Zigaretten enthalten sind, verschweigt er ebenso wenig: Rattengift, Aceton, Benzol, Ammoniak, Teer, Formaldehyd, Blei, Zink und Cadmium stecken in den Zigaretten. „Und Radioaktivität“, sagt Baumann, der damit bei den Jugendlichen Wirkung erzielt.

"Ich werde nicht arbeitslos"

Aber es gebe bei einem Rauchstopp die Möglichkeit für Raucher, die Risiken über die Jahre wieder zu minimieren, erfahren die Schüler anhand eines Schaubildes. Aber auch, wenn die Jugendlichen Zigaretten inzwischen häufig verschmähten – „Ich kann den Geruch nicht ab“, sagt eine Schülerin aus der ersten Reihe – ist sich Dr. Hans Jörg Baumann sicher: „Ich werde nicht arbeitslos.“

Immer informiert via Messenger
Wie soll das Waranen-Pärchen aus dem Klimahaus heißen?
647 abgegebene Stimmen
Folge den Pinguins via Messenger