Eine Gafferin filmt Rettungskräfte beim Einsatz am Unfallort. Nachgestellte Szene.

Filmen statt helfen: Gaffer werden für die Rettungskräfte immer mehr zum Problem - wie hier in der nachgestellten Szene.

Foto: Lothar Scheschonka

Bremerhaven

Feuerwehrmann: So dreist sind Gaffer in Bremerhaven

24. November 2022 // 18:40

„Mit Gaffern haben wir tagtäglich zu tun.“ Zwei Männer von der Feuerwehr Bremerhaven berichten hier über ihre Erfahrungen.

Einsatz am vergangenen Sonnabend

Tobias Grotheer, Brandinspektor bei der Feuerwehr Bremerhaven, macht das Verhalten der Gaffer wütend, zum Beispiel, wenn er an einen Rettungseinsatz am vergangenen Sonnabend in Bremerhaven denkt: Ein Patient musste beatmet und aus dem dritten Stock über eine Drehleiter aus dem Fenster transportiert werden. „Wir mussten den Patienten an den anderen Fenstern vorbei bewegen, und dann steht da eine junge Mutter mit Kindern und filmt das. Obwohl der Patient auf Augenhöhe ist, ist ihr das egal.“

Schüsse am Lloyd Gymnasium

Dass Betroffene und Angehörige durch die sozialen Medien von Ereignissen erfahren würden, noch bevor sie offiziell informiert werden könnten, sei keine Seltenheit. Über soziale Medien wie Facebook oder Whatsapp-Gruppen verbreiteten sich Videos vom Unfallort, Rettungseinsatz oder der Brandstelle rasant. Auch bei den Schüssen am Lloyd Gymnasium im Mai hätten die Eltern zunächst aus dem Internet von dem Amoklauf erfahren, sagt Frank Klaeßen, Brandoberamtsrat und Teamleiter Grundsatz bei der Feuerwehr.

Gaffer fühlen sich ertappt

Die meisten Gaffer fühlten sich bei Ansprache ertappt. „Großen Erfolg hat man, wenn man sie persönlich anspricht“, sagt Grotheer. Um filmende Menschen zurückzudrängen, müsse direkt die erste Ansprache freundlich-bestimmt sein. Beim zweiten Mal helfe nur noch schreien.

Handy in der Tasche lassen

Hilfreich könne es sein, den Menschen vor Augen zu führen, ob sie auch fotografieren und filmen würden, wenn ein Familienmitglied am Boden läge. Man müsse differenzieren: „Nur wenn ich gucke, heißt das ja nicht, dass ich gaffe“, betonen Grotheer und Klaeßen. Einen Blick zu riskieren, ob man Erste Hilfe leisten könne, sei sogar wichtig. Aber das Handy muss in der Tasche bleiben.

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