Zimmerermeister Jörn Krech zeigt Ibrahim Mohamedali Hassen, Abdusamad Abdoulmaula, Siamand Hassen, Schavgar Jendi und Mohamed Dolovan im Haus des Handwerks Zimmerertechniken.

Zimmerermeister Jörn Krech zeigt Ibrahim Mohamedali Hassen, Abdusamad Abdoulmaula, Siamand Hassen, Schavgar Jendi und Mohamed Dolovan im Haus des Handwerks Zimmerertechniken.

Foto: Gotthardt

Bremerhaven

Flüchtlinge: Verwirrt von deutscher Arbeitswelt

Von Yvonne Gotthardt
14. August 2016 // 11:00

Wie wird Holz bearbeitet? Damit setzen sich derzeit junge Flüchtlinge in einem Projekt der Inco Train Hilfe für Flüchtlinge mit Studienplänen im Haus des Handwerks in Bremerhaven auseinander. Ein Nagel wird in Eritrea, im Sudan oder in Syrien wohl ebenso eingeschlagen wie in Deutschland. Aber dafür ist hierzulande so einiges anders, als in den Heimatländern der Teilnehmer. Es gibt in Deutschland strenge Arbeitsschutzbestimmungen, ein Sozialversicherungssystem und geregelte Ausbildungswege. Ein von den Flüchtlingen als starr empfundenes System, das Stoff für Diskussionen bietet.

Die einfache Frage "Warum?"

Warum? Eine einfache Frage, mit der sich alles hinterfragen lässt. Eine Frage, die Siamand Hassen häufig über die Zunge geht. Der 23-jährige Syrer möchte vorankommen und sich einbringen in die Arbeitswelt. Derzeit lernt der junge Mann mit den wachen Augen mit den anderen Teilnehmern verschiedene Gewerke des Handwerks kenne, Metall und Holz etwa, aber auch Hauswirtschaft steht auf dem Programm.

Fremde Gepflogenheiten

Dabei stoßen er und die anderen Flüchtlinge auf Gegeben- oder Gepflogenheiten, die für sie nicht so ohne Weiteres zu verstehen sind. „Warum kann jemand, der in Syrien bereits Berufserfahrung hat, hier nicht schneller einen Ausbildungsabschluss erhalten?“, fragt der junge Mann und unterstreicht mit behenden Bewegungen seine Frage. Eine Frage, auf die er Antwort bekommt. Etwa von Zimmerermeister Jörn Krech, ein Mann aus Schrot und Korn, der mit den jungen Männern umgehen kann und ihnen Schritt für Schritt Teile dessen erklärt, was Josef Solscheid, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, als „hochregulierten Arbeitsmarkt“ bezeichnet.

Fragen direkt beantworten

Dabei ist es kein einfaches Unterfangen, einen Begriff wie „Gewährleistung“ zu erklären. Zu erläutern, dass deutsche Handwerker sich auf Jahre für ihre geleistete Arbeit verbürgen. „Ein Chef muss sich darauf verlassen können, dass seine Mitarbeiter gute Arbeit leisten“, sagt Krech und weist auf die Brücke, die er gemeinsam mit den Flüchtlingen gebaut hat. „Sie muss halten“, so Krech. Verständnis keimt auf bei den Teilnehmern. Josef Solscheid hat sich von der Idee verabschiedet, sich bei dem Projekt an strikte Abläufe zu halten. „Es ist ein bisschen chaotisch“, gibt er zu. Aber es habe sich gezeigt, dass es sich lohne, Fragen direkt zu beantworten. Die Arbeit werde dann für eine Gesprächsrunde unterbrochen.

"Auch wir können etwas lernen"

Josef Solscheid ist bewusst geworden, wie groß die kulturellen Unterschiede sind und was sie den Flüchtlingen abverlangten. „Aber auch wir können lernen“, sagt Solscheid. Fröhlichkeit etwa. „Ich fuhr morgens mit dem Auto zur Arbeit, als ich eine Gruppe unserer Teilnehmer entdeckte“, erzählt er. „Sie haben gesungen“, sagt er.

Handyfotos von der Heimat

Aber sie können auch ganz ernst sein: Etwa, wenn sie Bilder auf ihrem Handy zeigen. „Bilder, die man mitunter gar nicht sehen möchte“, sagt Jörn Krech über Fotografien aus den Kriegsgebieten, von Waffen und Elend. Und die Geschichten, die, sich nur schwer anhören lassen.

Teilnehmer wünschen sich eine Perspektive

Was sie sich die jungen Männer wünschen, ist ganz klar: Eine Perspektive. Siamand Hassen möchte Elektriker werden oder KFZ-Mechaniker, der Eritreer Ibrahim Mohamedali Hassen könnte sich Lagerlogistik vorstellen, der 18-jährige Schavgar Jendi wünscht sich eine kleine bezahlbare Wohnung. „Mitunter habe ich keine Lust etwas zu tun“, sagt Abdusamad Abdoulmaula. Der 24-jährige Sudanese fühlt sich in einer Hängepartie gefangen. „Es dauert so lange mit dem Asylantrag“, sagt er und wünscht sich Gewissheit. Darüber, ob er bleiben kann, um sich ein Leben aufzubauen oder ob er woanders noch einmal wieder ganz von vorne anfangen muss.

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