Henning Venske und Frank Grischek

„Im Land herrscht eine Stimmung wie vor einer Wirtshausschlägerei“: Mit stoischer Miene arbeitet sich Henning Venske (links) an den politischen Ereignissen ab. Und Frank Grischek sagt kein einziges Wort.

Foto: Ahrens

Bremerhaven
Kultur

Henning Venskes bissiger Jahresrückblick

Von nord24
1. Februar 2016 // 13:10

„Das war’s! War’s das?“ Unter diesem Titel blickte Henning Venske im ausverkauften Capitol auf das vergangene Jahr zurück. Respektlos, scharfzüngig, und wie man es von ihm kennt, doch nicht ohne eine Portion hintergründigem Humors. Mitgebracht hatte er einmal mehr den Akkordeonisten Frank Grischek.

Kein Wort gesagt

Dieser überzeugte wieder mit großartiger Musik, brachte es aber fertig, während des gesamten Abends keine Miene zu verziehen und kein Wort zu sprechen, obwohl er dauernd vom Chef angepflaumt wurde. Venske wiederum trugt seine Texte ganz nüchtern vor – gehört er doch nicht zu den Kabarettisten, die ihre eigenen Pointen besonders witzig finden. Gelacht wurde dafür im Zuschauerraum um so mehr.

"Das Wetter  selbst gestalten"

Dabei nahm sich Venske harte Themen vor. Vom Anschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ und den jahrelangen Krieg in Syrien kam er zum Weltklimagipfel: „Man will schließlich das Wetter selbst gestalten. Was daraus wird, haben wir gerade heute wieder erlebt.“

Die Russen sind an allem schuld

Dass für alle Missstände die Russen verantwortlich sind, sei eine klare Sache. „VW-Betrug? So was macht der Deutsche nicht.“ Auch beim ADAC-, beim DFB- und beim FIFA-Skandal habe Putin seine Hände im Spiel gehabt.

Betroffenheitsfloskeln

Eine kurze echte Gefühlsregung zeigte Venske, als er die „ekelhafte Ausschlachtung“ der Germanwings-Katastrophe beschrieb. Die Vertreter aus der Politik seien eilig zum Unglücksort gereist und hätten mit dem Abspulen von Betroffenheitsfloskeln nur die Aufräumungsarbeiten behindert.

Inzucht führt zu Pegida

Auch beim Thema Pegida erregte er sich: Dass die in Sachsen und Thüringen so erfolgreich sei, liege wohl auch daran, dass dort durch Inzucht der Genpool völlig erschöpft sei. Zum Durchatmen gab Frank Grischek ein brillantes Beispiel seines Könnens. Venske fragte: „Haben Sie das selbst komponiert“, Grischek nickte. „Damit hätten Sie in der Stadlshow keine Chance. Die nehmen keine Musiker.“

Wie vor einer Wirtshausschlägerei

Nach all den verbalen Rundumschlägen kam Venske zu dem Fazit, dass im Lande eine Stimmung herrsche „wie vor einer Wirtshausschlägerei“. Anders dagegen im Capitol, da gab es reichlich verdienten Beifall, worauf sich sogar Herr Grischek ein gequältes Lächeln abrang. Er wird am 5. März auch noch mal allein dorthin kommen. Und dann sicher endlich den Mund aufmachen. (ens)

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