Eine bulgarisch-deutsche Delegation zu Gast bei der Bremerhavener Polizei (von links): Polizeichef Harry Götze, Iliya Pulov (Vertreter des bulgarischen Innenministeriums), Radi Futekov (Vertreter des bulgarischen Arbeits- und Sozialministeriums) und Rainer Kann (Bundesinnenministerium).

Eine bulgarisch-deutsche Delegation zu Gast bei der Bremerhavener Polizei (von links): Polizeichef Harry Götze, Iliya Pulov (Vertreter des bulgarischen Innenministeriums), Radi Futekov (Vertreter des bulgarischen Arbeits- und Sozialministeriums) und Rainer Kann (Bundesinnenministerium).

Foto: Heske

Bremerhaven

Mehr Zusammenarbeit mit bulgarischen Behörden

Von Christian Heske
10. März 2018 // 19:30

Seit 2007 ist Bulgarien Teil der Europäischen Union. Dass bulgarische Staatsbürger in der Bremerhavener Kriminalstatistik obere Plätze belegen, sorgt jedoch nicht nur in Deutschland, sondern auch in ihrem Heimatland für Stirnrunzeln. Eine bulgarische Delegation besuchte jetzt die Seestadt. Ziel des Treffens: Eine engere länderübergreifende Zusammenarbeit von Polizei- und Sozialbehörden.

Opfer und Täter gleichzeitig

Ausgangspunkt der Reise sei ein Gespräch von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) mit seinem bulgarischen Kollegen, erläuterte Lutz Müller, Polizeipräsident in Bremen und Leiter der Abteilung Öffentliche Sicherheit in der Bremer Innenbehörde. „Es geht um vermehrte Kriminalität, aber auch um Unordnungserscheinungen in Quartieren, in denen viele Bulgaren leben“, erläuterte er. Mit Blick auf unwürdige Wohn- und ausbeuterische Arbeitsverhältnisse sowie Sozialbetrug seien die Bulgaren oftmals beides gleichzeitig: Opfer und Täter.

Netzwerke knüpfen

Vor allem der massive Sozialbetrug führte dazu, dass 2016 eine extrem hohe Zahl von 952 tatverdächtigen Bulgaren in der Bremerhavener Kriminalstatistik auftauchte. Im vergangenen Jahr sank diese Zahl zwar auf 166 Tatverdächtige, doch bleibt der Anteil der Bulgaren im Verhältnis zum Bevölkerungsanteil überproportional hoch. „Nach den Erfahrungen mit den Sozialbetrugsfällen sehen wir uns in der Pflicht, Netzwerke zu knüpfen“, begrüßte Polizeichef Harry Götze die Delegation, zu der Botschaftsvertreter des bulgarischen Innen- und Sozialministeriums, des Bundesinnenministeriums, des Landes und der Stadtverwaltung gehörten.

Prävention in Herkunftsregionen

Zwar sei das Treffen der erste Schritt einer Zusammenarbeit. Die deutschen und bulgarischen Behörden vereinbarten aber bereits enge Kontakte zur Verhinderung von Sozialbetrug. Zugleich soll es Präventions- und Informationsmaßnahmen in den Herkunftsregionen in Bulgarien geben. Außerdem möchten die Bulgaren mehrmals jährlich Polizeibeamte zum Erfahrungsaustausch nach Bremerhaven und Bremen entsenden, um den deutschen Kollegen den Zugang zum Milieu zu erleichtern.

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