Um während der Hypnose in Trance zu fallen, soll man sich unter anderem einen Strandspaziergang vorstellen, von dem man ganz müde wird.

Um während der Hypnose in Trance zu fallen, soll man sich unter anderem einen Strandspaziergang vorstellen, von dem man ganz müde wird.

Foto: Colourbox

Bremerhaven

Mein erstes Mal...unter Hypnose

Von nord24
22. März 2017 // 14:05

Irgendwann ist immer das erste Mal. Für alles. Oder zumindest für fast alles, denn manches macht man auch nie. Aus Angst, Scham, Vorurteilen, Unwissenheit oder weil man es eben aus Prinzip einfach nicht tut. Damit ihr aber nicht alles selbst ausprobieren müsst, berichtet unser nord24-Reporter Felix Filke wöchentlich in der Kolumne "Mein erstes Mal..." von Selbstversuchen, die lustig, peinlich, interessant oder einfach nur schmerzhaft sind. Heute: Mein erstes Mal...bei einem Hypnotiseur.

Völlig willenlos

Ich gebe es ja zu: So ganz geheuer ist mir die Sache nicht. Zu viele Geschichten habe ich gehört und zu viele Videos gesehen, in denen die Hypnotisierten völlig willenlos alles gemacht haben, was die Hypnotiseure wollten. Und die wollten, dass sich die "Opfer" komplett zum Obst machen. Und das haben sie dann auch.

Nicht mit mir!

Andererseits bin ich mir ziemlich sicher, dass man das mit mir nicht machen kann. Ich verliere die Kontrolle ganz bestimmt nicht - ich nicht! Aber ich werde mir Mühe geben, werde jede Anweisung befolgen - schon allein um mal zu wissen, wie das so ist.

Angst vor Spinnen? Kein Problem!

Gewichtsprobleme, Stressmanagement, Ängste, Belastungsstörungen, Zwänge - es gibt viele Gründe, weshalb sich Menschen einem Hypnotiseur anvertrauen. Gerade konkrete Phobien wie die vor Spinnen sollen sich durch Hypnose ganz gut behandeln lassen, bei abstrakten Ängsten ist das dann schon schwieriger.

Hans-Jürgen soll mich in Trance quatschen

Der Hypnotherapeut, den ich mir ausgesucht habe, wurde mir von einem Kollegen empfohlen - der war starker Raucher und vor einem Dreivierteljahr zur Hypnose dort. Seitdem hat er keine Zigarette mehr angerührt. Ich habe zwar kein solches Laster und auch keine Angststörung, will mich aber einfach mal in Trance quatschen lassen. Das kriegt er hin, sagt der Fachmann, der Hans-Jürgen heißt. Na dann mal los.

Dem Körper ein Schnippchen schlagen

Es geht mit einer sogenannten Wach-Suggestionsübung los. Ich stelle mich hin, strecke einen Arm aus und drehe den Oberkörper so weit rum, wie ich schaffe. Ich bin nicht der Gelenkigste und nach etwas mehr als einer halben Umdrehung ist Schluss. Dann soll ich die Augen schließen und mir fest einreden, dass ich beim nächsten Versuch weiterkomme. Fest dran glauben und das Unterbewusstsein überzeugen, sagt Hans-Jürgen.

Mehr als eine halbe Umdrehung

Und es klappt. Beim zweiten Mal soll ich die Augen schließen und erneut drehen - und ich komme deutlich weiter rum. Wenn wir das Unterbewusstsein auf unsere Seite ziehen, können wir viel mehr, als wir glauben, sagt Hans-Jürgen. Das glaube ich gerne. Aber mit Hypnose hatte das ja aber wohl noch nicht so viel zu tun.

Einfach mal fallen lassen

Weil ich anscheinend etwas ungeduldig wirke, kommt sogleich Stufe zwei. Hans-Jürgen stellt sich hinter mich und hält mir einen Finger vor die Stirn. Auf den soll ich starren. Seine Hand kommt näher und immer näher, ich muss schon fast schielen. Als sein Finger meine Stirn berührt, soll ich mich fallen lassen - und dann schon in einer leichten Trance sein.

Blitzhypnose geht in die Hose

Das klappt aber nicht. Ich falle zwar nach hinten, aber nicht in Trance. Hans-Jürgen findet das seltsam: "85 Prozent der Menschen kriege ich mit dieser Blitzhypnose." Das wiederum finde ich seltsam und lege mich für Stufe drei auf die berühmte Liege.

Von Trance keine Spur

An Blumenwiesen soll ich denken und an warmen Sand, über den ich laufe und in den meine Füße immer tiefer einsinken. Ganz nett, was Hans-Jürgen da vorliest. Ich sehe Schmetterlinge um mich herum flattern und spüre die Sonne auf meinem Gesicht. Aber ich werde nicht müde, meine Glieder nicht schwer und überhaupt: von Trance keine Spur.

Ich kenne meinen Namen

Irgendwann fängt Hans-Jürgen an zu zählen und am Ende der Reihe soll ich meinen Namen vergessen haben. Im Ernst!? Ja, im Ernst. "So, jetzt kannst du deinen Namen nicht mehr aussprechen", sagt er. Ich beweise ihm das Gegenteil. Also noch mal Wiesen und Sand, wieder Ruhe, Sonne und Entspannung, wieder das Zählen. Und wieder habe ich kein Problem damit, mich meines Namens zu entsinnen. Mal ehrlich, das wär ja auch noch schöner.

Mangel an Intelligenz?

Vier bis sechs Prozent der Weltbevölkerung sind nicht hypnotisierbar, sagt Hans-Jürgen etwas angeschlagen. Weil ihnen ganz einfach die notwendige Intelligenz dafür fehle. Kurz überlege ich, ob mir das zu Denken geben sollte, entscheide mich dann aber dagegen. Und auch mein Hypnotiseur gibt mir recht: "Du bist etwas ganz Besonderes." Aha. Ist also doch ein richtig Guter seines Fachs, der Hans-Jürgen.

Tschakka, du schaffst das!

Und mitgenommen habe ich ja auf jeden Fall was. Dass man viel mehr kann, als man glaubt, wenn man sich nur selbst vertraut und sein Unterbewusstsein einfach mal machen lässt. Dann ist alles möglich. Außer vielleicht, hypnotisiert zu werden. Aber das wiederum finde ich, irgendwie, ganz beruhigend.

Mein erstes Mal...unter Hypnose

Es gibt viele Dinge, die Felix Filke noch nie gemacht hat. Für nord24.de holt er so einiges nach.

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Mein erstes Mal...unter Hypnose

Mit Pendeln vor dem Gesicht hat Hypnose übrigens nichts zu tun.

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