Gabriele Beck, Wolfgang und Cornelia Rönnefahrt sehen gemeinsam die Reportage über die Kinderwohnung Sonnenblume in Bremerhaven bei Stern TV. Dort ist Comedy-Star Ilka Bessin zu Besuch, bekannt als "Cindy von Marzahn".

Gabriele Beck, Wolfgang und Cornelia Rönnefahrt sehen gemeinsam die Reportage über die Kinderwohnung Sonnenblume in Bremerhaven bei Stern TV. Dort ist Comedy-Star Ilka Bessin zu Besuch, bekannt als "Cindy von Marzahn".

Foto: Adebahr

Bremerhaven

Nach RTL-Dreh in Bremerhaven: "Kinderarmut hat nicht nur mit Geld zu tun"

Von Susanne Schwan
10. August 2017 // 20:00

Statistisch lebt in Bremerhaven jedes zweite bis dritte Kind von Sozialleistungen. Die Arbeitslosigkeit ist hoch. Doch es gibt Initiativen, die betroffenen Kindern helfen, das Leben zu meistern. Eine, die Kinderwohnung "Sonnenblume", hat ein RTL-Fernsehteam in einer Stern-TV-Reportage gezeigt. Die Ausstrahlung am Mittwochabend haben die Sonnenblumen-Betreuer mit Spannung angesehen. Und auch mit Kritik reagiert.

Zu viel Schulunterricht muss ausfallen wegen Lehrermangel

"Kinderarmut hat nicht nur mit Hartz IV zu tun", betont Erzieherin Gabi Beck. Das sagte sie auch vor laufender Kamera in der Sendung. "Es fängt an mit Unterricht, der viel zu oft ausfällt, weil wir viel zuwenig Lehrer haben."  Elternhäuser, in denen den Kindern kaum Zeit gewidmet wird, oder jene, in denen Alkohol die Sorgen wegspülen soll, gehören auch zu den Alltagserfahrungen in der Sonnenblume.

Sonnenblume steht Kindern aller Schichten täglich offen

"Wir stehen allen Kindern aller Schichten offen, wir machen keine Unterschiede", betont Vereinsgründerin Cornelia Rönnefahrt im Interview mit Stern-TV-Reporterin Ilka Bessin. Die ist der Fernsehnation seit Jahren bekannt als Comedy-Star "Cindy von Marzahn". Ganz privat als Mensch aber kam die 45-Jährige mit dem RTL-Team zu Besuch nach Leherheide, um nachzuforschen, wie es dem Verein gelingt, den Kindern zu helfen. Und das ohne jeden öffentlichen Zuschuss.

Zuhause fehlt es oft an Zuwendung und Zuhören

Während Ilka Bessin mit den Kindern malt, bastelt, spricht und kocht, gibt Erzieherin Gabi Beck das Erfolgsrezept der weitgehend ehrenamtlichen Betreuer preis: "Armut kann auch ein Mangel an zuhören zuhause sein. Oder eine geistige Armut. Wir versuchen das bei uns aufzufangen." Wenn Kinder von einst ihr stolz den Ausbildungsvertrag zeigen, wisse das Team, "wir machen das nicht umsonst."

Leherheider sauer über Gammelfotos aus Lehe

Geärgert hat die Leherheider, dass der Fernsehbeitrag auch mit Bildern aus Lehe illustriert wurde:  Schrottimmobilien, Müllhaufen, verödete Straßen. "Das bedient nur wieder das alte Klischee, unser Leherheide ist so nicht", regt sich Rönnefahrt auf. Der Film zeige einen Teil der Realität aus ganz Bremerhaven, erklärt die Stern-TV-Redaktion. Ein Milieu, in dem sich die ehrenamtliche Arbeit des Vereins "Rückenwind für Leher Kinder" abspielt. Doch diese Initiative hatte Dreharbeiten bei sich abgelehnt.

143.000 Aufrufe des Beitrags auf Facebook

Am Donnerstag wird die Sendung auch auf Facebook diskutiert und gut 143.000 Mal aufgerufen. Ist es möglich, den Teufelskreis aus Arbeitslosigkeit, Armut, weiter vererbter Sozialhilfe zu durchbrechen, fragt Moderator Steffen Hallaschka. Gabi Beck: "Ja, diese Erfahrung machen wir. Ilka Bessin hat recht zu sagen, dass wir alle die Verpflichtung haben, uns um die Kinder zu kümmern. Denn die sind unsere Zukunft."

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