Patrick Reimer

Nürnbergs Patrick Reimer wollte seine Profi-Karriere in Bremerhaven starten – mittlerweile gehört der 34-Jährige zu den besten deutschen Spielern und ist der beste DEL-Torschütze aller Zeiten.

Foto: Karmann/dpa

Bremerhaven

Patrick Reimer: Für 24 Stunden ein Pinguin

Von Mareike Scheer
5. Januar 2017 // 14:41

Zum ersten Heimspiel der Fischtown Pinguins im Jahr 2017 reisen keine Geringeren als die Nürnberg Ice Tigers an, die aktuell auf dem zweiten Tabellenplatz rangieren – und mit im Gepäck der aktuell beste Torjäger aller Zeiten in der Deutschen Eishockey-Liga: Patrick Reimer. Ein Stürmer, der vor 14 Jahren seine Profi-Karriere in Bremerhaven beginnen wollte, ehe nur ein Jahr nach dem Zweitliga-Titelgewinn für die Seestädter der bittere Oberliga-Abstieg dazwischenkam. Es ist Frühjahr 2003. Als amtierender Zweitliga-Meister haben sich die Bremerhavener die Rechte an einem der wohl größten deutschen Eishockey-Talente gesichert. Patrick Reimer sollte vom Kellerkind ESV Kaufbeuren an die Weser wechseln und zugleich bei Kooperationspartner Hannover Scorpions erste Meriten in der DEL erwerben.

Furchner als Fürsprecher

„Genau diese Möglichkeit hatte mich von einem Wechsel nach Bremerhaven überzeugt, ebenso wie die durchweg positiven Worte von Sebastian Furchner, der zuvor mit den Pinguins die Meisterschaft gewonnen hatte. Damals waren Kooperationen mit der zweiten Liga für die DEL-Vereine noch nicht vorgeschrieben, daher war es eine super Chance für mich“, erinnert sich der heute 34-jährige Angreifer zurück. „Ich war bereits für 24 Stunden da, habe mit Bastian Steingroß und Björn Bombis zwei Spieler getroffen, die bereits zum Sommertraining da waren und habe meine Wohnung in Empfang genommen. Die war im Erdgeschoss und mir wurde gesagt, dass die Leute, wenn sie nachts nach Hause kommen, gerne gegen die Fenster klopfen – da hatte ich mich schon auf was eingestellt.“

Abstieg gegen Crimmitschau

Doch es sollte alles anders kommen, eine weitere Nacht in Bremerhaven sollte es nicht mehr geben. Die Fischtown Pinguins kämpften nach dem sportlichen Abstieg durch eine 1:3-Serienniederlage in den Playdowns gegen die Eispiraten Crimmitschau vergeblich bis in den Sommer um einen Verbleib in der 2. Liga. So entschied sich der damalige Youngster schließlich, bei seinem Heimatverein in Kaufbeuren zu bleiben – mit der Vorgabe, ihm eine Förderlizenz bei einem DEL-Club zu beschaffen, um den nächsten Karriereschritt im Auge zu behalten.

Glückliche Fügung

Den Pinguins entwischte somit ein Shootingstar, doch für den gebürtigen Mindelheimer war es rückblickend „eine glückliche Fügung“. Der Kaufbeurer und ehemalige DEG-Stürmer Didi Hegen stellte den Kontakt zur Düsseldorfer EG her und nur ein Jahr später fand sich Reimer in der DEL wieder, reifte bei den Rheinländern in den nächsten acht Jahren zu einem der besten deutschen Spieler heran. Aktuell hat er mit 291 Toren so viele Tore markiert wie noch kein anderer DEL-Spieler vor ihm.

Bremerhaven ist ein Top-Standort

„Bremerhaven wäre damals jedoch sicher eine gute Erfahrung gewesen, denn es ist bis heute ein Top-Standort, an dem die Leute mit sehr viel Leidenschaft zu Werke gehen. Das sieht man auch dieses Jahr an der Tabelle, wo der Club mit dem kleinsten Etat großartig mitspielt“, erklärt der 1,79 Meter große Offensivspieler, „aber ich kann mich nicht beschweren, wie es nun gelaufen ist“.

Zweimal Spieler des Jahres

Nachdem die DEG 2012 kurz vor dem finanziellen Aus stand, entschied sich der Rechtsschütze zu einem Wechsel nach Nürnberg, wo er seither als Kapitän die Fäden in der Hand hält und mittlerweile zweimal DEL-Spieler des Jahres (2014/2016) wurde. Eine Ehre, die zuvor nur Sergej Berezin (1995/1996) und Pat Lebeau (2004/2005) zuteil wurde. Mit 64 Scorerpunkten wurde Reimer vergangene Saison außerdem zum ersten Mal Top-Scorer der DEL. Seine 38 Vorlagen bedeuteten zugleich eine neue Karriere-Bestmarke in einer DEL-Hauptrunde. Das Einzige, was in der Vita des Nationalspielers noch fehlt, ist der deutsche Meistertitel.

Pinguins siegten in bisherigen zwei Duellen

Die ist nun das große Ziel mit den Ice Tigers, daher will der Torjäger trotz aller Sympathien für die Pinguins am Freitag (19.30 Uhr, Eisarena) den nächsten Sieg mit den Franken einspielen. Was auch mit Patrick Reimer in den Reihen gegen das Überraschungsteam der Saison alles andere als ein Selbstläufer wird, denn die bisherigen zwei Duelle gingen an die Bremerhavener.

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