Migranten prägen den deutschen Arbeitsmarkt immer stärker. Einer der Hauptgründe hierfür ist die Zuwanderungen infolge der Arbeitnehmerfreizügigkeit für die neuen osteuropäischen Mitgliedstaaten der Europäischen Union.

Migranten prägen den deutschen Arbeitsmarkt immer stärker. Einer der Hauptgründe hierfür ist die Zuwanderungen infolge der Arbeitnehmerfreizügigkeit für die neuen osteuropäischen Mitgliedstaaten der Europäischen Union.

Foto: Foto: Pleul/dpa

Bremerhaven
Wirtschaft

Von Osteuropa in die Ausbeutung

Von Susanne van Veenendaal
9. Dezember 2017 // 18:30

Sie stammen aus Osteuropa, aus Polen, Bulgarien und Rumänien sind sie nach Bremerhaven gekommen, um Geld zu verdienen. Sie arbeiten auf dem Bau, als Reinigungskraft oder als Schlachter. Das Gehalt ist nicht üppig, manchmal bleibt es ganz aus. Sich gegen den Chef zu wehren, trauen sich die wenigsten. Kaum einer kennt seine Rechte. Genau diesen Menschen soll die Beratungsstelle Moba helfen. Willkürliche Arbeitszeiten, unterschlagener Lohn, kein Urlaub und keine Krankenversicherung – Caren Emmenecker weiß, womit Opfer von Arbeitsausbeutung es zu tun haben. Die Mitarbeiterin der Bildungseinrichtung Arbeit und Leben leitet die Beratungsstelle für mobile Beschäftigte (Moba). Standorte gibt es in Bremen und Bremerhaven.

Kostenlos und anonym

Seit April gibt es die Adresse in der Seestadt: im Gewerkschaftshaus in der Hinrich-Schmalfeld-Straße 31b. Zweimal in der Woche sind zwei Mitarbeiterinnen vor Ort. Das Besondere an ihnen: Agnieszka Lason und Ognyana Ivanova sprechen die Sprachen der Arbeitsmigranten: Polnisch, Russisch, Bulgarisch, Serbisch und Kroatisch. Zudem gibt es einen Beratungsbus, mit dem Lason und Ivanova unterwegs sind. Die Hilfe ist kostenlos, alles bleibt anonym.

Auch die Wohnung steht auf dem Spiel

Beide Beraterinnen kennen die Verhältnisse, in denen die osteuropäischen Arbeiter nicht selten gefangen sind. Abgesehen von der finanziellen, gibt es zunehmend eine weitere Abhängigkeit: „Der Arbeitgeber ist oft gleichzeitig der Vermieter“, berichtet Ognyana Ivanova. „Die Leute haben Angst, etwas zu sagen, weil sie ihre Wohnung nicht verlieren wollen. Deshalb lassen sich viele auf die Ausbeutung ein“, meint sie. Wer in die Beratung komme, dem versuche man auf vielfältige Weise zu helfen, erläutert Agnieszka Lason.

Isenberg: Schlechte Verhältnisse auch Wettbewerbsvorteil

Abgesehen von der Situation der Zuwanderer dürfe ein Aspekt ebenfalls nicht vergessen werden, meint Caspar Isenberg, Referatsleiter beim Senator für Wirtschaft und Arbeit: Wenn Zuwanderer sich mit weniger Geld und Absicherung zufrieden geben, haben sie einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den anderen Arbeitnehmern. „Wir müssen die Erosion deutscher Standards verhindern“, sagt er. Schon allein deshalb sei es wichtig, dass die Arbeitsmigranten ihre Rechte einfordern.

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