Fundbüro: Der Container der Verzweiflung und der Freude

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Deichbrand

Fundbüro: Der Container der Verzweiflung und der Freude

Von Lili Maffiotte
24. Juli 2016 // 16:50

Tränen der Verzweiflung und Freudentränen - beides kennt Denise. Sie ist die Chefin des Fundbüros und erlebt in den Tagen des Deichbrands die ganze Gefühlspalette. Es ist ihr sechstes Deichbrand-Festival. Und es gibt nichts, was noch nicht in ihrem Container gelandet ist.

Geldbörsen und Handys

"Ich bin schon erstaunt, wenn Besucher einzelne Flipflops abgeben", sagt sie lachend. Aber am häufigsten landen bei ihr Geldbörsen und Handys. "Darüber freuen wir uns immer besonders, weil in manchen Portemonnaies echt viel Geld ist. Es gibt sie noch, die ehrlichen Finder." Auch Autoschlüssel sind ein beliebtes Utensil, das verloren wird.

Der "klingende" Karton

Alles landet in einem Schrank. Zuvor werden die Gegenstände registriert. Unzählige Zettel hängen an de Wänden. Beispielsweise Personalausweise mit Namen. "Damit es schneller geht", sagt Denise. Denn Zulauf hat sie an allen Tagen. Ein Karton für Autoschlüssel, einer für Geldbörsen. Und der "klingelnde Karton". In dem sind die Handys.

Ortungsdienste aktivieren

Wenn es möglich ist, werden die Handys entsperrt. "Damit wir die Ortungsdienste aktivieren können", sagt Denise. Auch die Kontakte schaut sie sich mit ihren Mitarbeitern an und telefoniert sie ab. "Wir haben das schon sehr professionalisiert." Im. Fundbüro wird als alles mögliche ausprobiert, damit die Handys wieder zu ihren Besitzern finden. Wenn der Besitzer nicht zum Container kommt, dann hilft nur noch der umgekehrte Weg.

Weinende Mädels

Die meisten würden sofort merken, wenn das Geld weg ist. Oder das Handy. "Besonders die Mädels brechen dann hier in Tränen aus." So die Erfahrung. Eike ist da anders. Er ist zwar grummelig, weil er sein IPhone6 weg ist. Ärgert sich aber noch mehr über die blöden Sprüche seiner Freunde. Sein Kumpel Sönke zum Beispiel hat eine andere Option gewählt. Er hat ein Schließfach für alle Tage gemietet. "Gut investiertes Geld", sagt er lachend.

Schließfächer im Container

BigBox aus Berlin. Ein Container mit 792 Schließfächern. "Wir arbeiten noch am Konzept", sagt Erfinder Steffen Tröger. Und nach jedem Festival hat er eine Liste mit Dingen, die sie bei dem nächsten Schließfach-Container besser machen wollen.

Steckdose im Fach

Aber eigentlich ist er sehr zufrieden. In jedem Schließfach findet sich auch eine Steckdose, zum Aufladen von Handys oder Kameraakkus. "Für den doppelten Nutzwert", sagt Tröger. Dass er mit seinen zwei Containern auf dem Festviival-Gelände ist, merken die Mitarbeiter aus dem Fundbüro. "Dadurch werden bei uns nicht mehr so viele abgegeben", sagt Denise.

Klappspaten und Gaskartusche

Nichtsdestotrotz hat sie an allen Tagen regen Zulauf. Auch Manuel steht in der Reihe. Er freut sich allerdings. Denn er weiß ganz genau, dass er gleich zwei Dinge wiederbekommt - den Klappspaten und seine Gaskartusche. "Das hat die Security mitgenommen", sagt der Bremer. Die Kartusche war zu groß, der Klappspaten als Waffe einsetzbar. Als beide Gegenstände eingezogen worden sind, "war ich natürlich nicht so glücklich. Aber jetzt um so mehr."

Kerzenständer und Pokal

"Dinge, die nicht abgeholt werden, gehen zum Fundbüro nach Nordholz. "Ich schätze mal, das sind ungefähr 15 Prozent der Fundstücke, die auch bei uns abgegeben worden sind." Das Kuriosteste, was sie bisher in ihrem Container hatte, ist ein Kezenständer und ein Pokal. Die blieben auch bis zum Festivalende. Dafür fand sich keiner mehr.

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Denise aus dem Fundbüro hat alles im Griff.

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Steffen Tröger aus Berlin hat den Schließfach-Container erfunden.

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Ein glücklicher Manuel: Er hat seinen Klappspaten und seine Kartusche wieder.

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