Teures Premium-Fleisch findet in Deutschland immer mehr Käufer: Der Geschäftsführer des Fleischhandels "Meat Market", Georg Sotmann, grillt in der Küche seines Lokals ein Steak.

Teures Premium-Fleisch findet in Deutschland immer mehr Käufer: Der Geschäftsführer des Fleischhandels "Meat Market", Georg Sotmann, grillt in der Küche seines Lokals ein Steak.

Foto: Heimken/dpa

Der Norden

689 Euro für ein Steak: "Fleisch-Boutiquen" in Hamburg

Von nord24
3. Dezember 2016 // 21:13

Beim Fleischkauf ist für immer weniger Deutsche Geiz geil. Dafür wollen sie für Fleisch von glücklicheren Tieren mehr bezahlen. Auch teureres Premium-Fleisch findet immer mehr Käufer.

"100 Prozent Gras" gefressen

Teile von ihm sind jetzt rot und vakuumverpackt. Einst lebte das Hereford-Rind aber auf grünen Wiesen in Irland und fraß zu "100 Prozent Gras". Am 1. November wurde es geschlachtet, reifte anschließend drei Wochen lang in einem Trockenkühlschrank, dann wurde es zerlegt. So soll sein Fleisch besonders schmackhaft sein. Der Preis: 140 Euro - pro Kilo. All diese Infos erhält der Kunde, wenn er in Hamburgs neu eröffneten exklusiven Fleischhandel "Meat Market" sein Handy zückt und den QR-Code auf der Verpackung scannt.

Transparenz, Rückverfolgbarkeit und Tierschutz

"Viele haben von der schlechten Nutztierhaltung und den Fleischskandalen, etwa Pferdefleisch, das als Rind verkauft wurde, genug", sagt Geschäftsführer Oliver Winter. "Sie wollen wissen, was auf ihren Teller kommt", fügt sein Geschäftspartner Georg Sotmann an. Sie wollen Geld verdienen mit den Schlagworten Transparenz, Rückverfolgbarkeit und Tierschutz. Die Tiere würden "stressfrei" sterben. Einzeln. Durch einen Schlag auf den Kopf. "So zack."

Trendy Atmosphäre

Eine ähnlich trendy Atmosphäre will das im Oktober eröffnete "Beef Excellence"-Geschäft schaffen. Ihr Gründer Alexander Gründel nennt es "Fleisch-Boutique" und verkauft exklusives Fleisch vom täglich massierten Kobe-Rind für 689 Euro pro Kilo in Schmuckvitrinen. Rindswürste gibt es ab 7,75 Euro. "Die Produkte sind alle bio - mit oder ohne Zertifikat", sagt Gründel.

Geiz ungeachtet des Tierwohls

Günstige Fleisch-Sonderangebote würden immer weniger Schnäppchenjäger in Discounter locken, fand auch Achim Spiller, Professor für Marketing für Lebensmittel und Agrarprodukte an der Georg-August-Universität Göttingen in einer repräsentativen Studie heraus. Für nur noch sieben Prozent der Deutschen sei demnach Geiz ungeachtet des Tierwohls geil. Jeder Dritte sei hingegen bereit, für qualitativ hochwertigere Produkte einen gewissen Aufpreis zu bezahlen.

 

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