Symbolbild: Acht-Stunden-Schichten in voller Schutzausrüstung sei schon jetzt eine extreme Belastung für Beschäftigte in der Pflege, sagt Pflegekammer-Präsidentin Nadya Klarmann.

Symbolbild: Acht-Stunden-Schichten in voller Schutzausrüstung sei schon jetzt eine extreme Belastung für Beschäftigte in der Pflege, sagt Pflegekammer-Präsidentin Nadya Klarmann.

Foto: dpa

Der Norden

Pflege: Wochenarbeitszeit auf 60 Stunden angehoben

Von nord24
4. November 2020 // 09:45

Im Kampf gegen die zweite Welle der Corona-Krise hat Niedersachsen die Höchstarbeitszeit für Pflegekräfte erneut auf bis zu 60 Stunden pro Woche erhöht. Niedersachsens Sozialministerin Carola Reimann (SPD) verteidigt das Vorgehen.

Keine Verpflichtung für Mehrarbeit

„Mit der getroffenen Regelung ermöglichen wir, dass in Berufsgruppen, die unmittelbar mit der Bekämpfung der Pandemie beschäftigt sind, zeitlich flexible Lösungen im Einklang mit dem Arbeitszeitgesetz gefunden werden können“, sagte Reimann. „Diese Allgemeinverfügung löst aber keine Verpflichtung aus, 60 Stunden pro Woche zu arbeiten.“

Regelung soll Flexibilität bei Corona-Ausbruch sichern

In der Praxis könnten beispielsweise Mehrschichtensysteme oder Arbeitsblöcke ermöglicht werden. Dies könne erforderlich werden, wenn es zu Covid-Ausbrüchen in einer Einrichtung wie einem Heim oder einer Klinik kommt und Personal in Quarantäne gehen muss. „Die Regelung kann aber auch für Beschäftigte von Not- und Rettungsdiensten oder von Behörden angewandt werden, wenn die Lage vor Ort dies erfordert“, so Reimann.


Befristet bis Mai 2021

Die Maßnahme, die eine tägliche Arbeitszeit von bis zu 12 Stunden vorsieht, gilt befristet bis Ende Mai kommenden Jahres, teilte das Sozialministerium in Hannover mit. Beim Ausbruch der Epidemie war die Arbeitszeit bereits einmal auf 60 Wochenstunden erhöht worden. Die Pflegekammer Niedersachsen kritisierte die Entscheidung auf das Schärfste.

Pflegekräfte sollen „Situation retten“

„Monatelang hat das Land verschlafen, die medizinischen Einrichtungen auf die zweite Welle der Corona-Pandemie vorzubereiten“, sagte Pflegekammer-Präsidentin Nadya Klarmann. „Jetzt sollen wieder die Beschäftigten in den systemrelevanten Berufen unter Einsatz ihrer eigenen Gesundheit die Situation retten.“ Pflegevertreter seien im Vorfeld nicht in die Entscheidung einbezogen worden, bemängelte Klarmann zudem.

Mitarbeiter werden verheizt

„Die Landesregierung macht nicht nur eine Politik vorbei an den Interessen der Pflegenden, sie torpediert sogar das jahrelange Bemühen, Pflegeberufe attraktiver sowohl für die derzeit Beschäftigten als auch den dringend benötigten Nachwuchs zu machen.“ Das Gesundheitssystem werde nicht zusammenbrechen, weil Betten oder Beatmungsgeräte fehlen, sondern weil die Pflegefachpersonen in einer nie zuvor da gewesenen Art und Weise verheizt werden, kritisierte die Kammerpräsidentin.

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