Nicht jeder eingeschriebene Student will an der Uni tatsächlich einen Abschluss machen. Viele studieren nur zum Schein - um Kosten einzusparen.

Nicht jeder eingeschriebene Student will an der Uni tatsächlich einen Abschluss machen. Viele studieren nur zum Schein - um Kosten einzusparen.

Foto: Pförtner/dpa

Der Norden
Wirtschaft

Scheinstudenten: Wenn das Studium nur zum Geldsparen da ist

Von nord24
2. Mai 2016 // 12:45

Wenn Marco davon erzählt, was er macht, hat er kein schlechtes Gewissen. "Obwohl ich eigentlich weiß, dass das Betrug ist, fühlt es sich nicht so an", sagt er. Marco nennt es Fake-Studium. Sich selbst bezeichnet er als Scheinstudent.

Er ist eingeschrieben, will aber gar nicht studieren

Der 28-Jährige, der seinen richtigen Namen nicht veröffentlichen möchte, ist für einen Studiengang an einer niedersächsischen Hochschule eingeschrieben, obwohl er bereits ein abgeschlossenes Studium hat. Einen zweiten Abschluss plant er nicht.

Günstige Verkehrstickets, geringere Krankenkassenbeiträge

Marco ist keine Ausnahme, denn ein Scheinstudium lohnt sich: Günstige Verkehrstickets, Anspruch auf Kindergeld, reduzierte Tarife bei den Krankenkassen und oft verbilligte Eintrittspreise locken. Für all das müssen Studenten lediglich einen Semesterbeitrag bezahlen, der je nach Uni unterschiedlich hoch ist. An der TU Braunschweig kostet das Semester gut 300 Euro.

Die Höhe des angerichteten Schadens ist nicht bekannt

"Nach der Abschaffung der Studiengebühren kann sich so etwas schon lohnen", meint Carsten Sievers, Sprecher der Krankenkasse AOK in Niedersachsen. Welchen finanziellen Schaden es bei der Krankenkasse anrichtet und um wie viele Studenten es sich tatsächlich handelt, ist unklar. "Wir können das nicht beziffern", sagt Sievers.

Die Minderheit der Physik-Studenten geht tatsächlich zu den Seminaren

Dabei gibt es Zahlen, die durchaus auf ein Problem hinweisen: Im Bachelorstudiengang Physik belegte in Deutschland nach aktuellen Zahlen von 2014 rund ein Drittel der Studenten im ersten Semester keine Kurse. Im Sommersemester 2014 waren die Zahlen noch deutlicher: Gerade einmal 29 Prozent der neu Immatrikulierten nahmen an Lehrveranstaltungen teil.

Unternehmen bekommen so billige Praktikanten

Bei Marco hat sich die Uni nie gemeldet, um zu fragen, wo er ist. Würden sie ihn anrufen, säße Marco vermutlich gerade auf der Arbeit. Er ist Praktikant bei einem großen Konzern. Dort später zu arbeiten wäre sein Traum. Ohne Praktikum sei es aber fast unmöglich, sagt er. Und ohne Immatrikulationsbescheinigung ist es wiederum schwer, einen Praktikumsplatz zu bekommen. Die Unternehmen profitieren vom Studentenstatus, weil sie dann weniger Sozialabgaben zahlen müssen. (dpa)

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