Die Arbeitsplätze der Tönnies-Mitarbeiter sind jetzt durch Plexiglasscheiben voneinander getrennt. Am Donnerstag wurden die ersten 8000 Schweine geschlachtet.

Die Arbeitsplätze der Tönnies-Mitarbeiter sind jetzt durch Plexiglasscheiben voneinander getrennt. Am Donnerstag wurden die ersten 8000 Schweine geschlachtet.

Foto: Tönnies/dpa

Der Norden

Schlachtkonzern Tönnies will Lohnerstattung durchsetzen

Von Bettina Grönewald
19. Juli 2020 // 20:30

Nach dem Corona-Ausbruch in seinem Stammwerk steht der Fleischproduzent Tönnies an vielen Fronten unter Beschuss - ist sich aber keiner Schuld bewusst.

Unternehmen geht notfalls vor Gericht

Trotz heftiger Kritik will Fleischproduzent Clemens Tönnies eine Lohnkostenerstattung wegen der behördlichen Schließung seines Hauptwerks durchsetzen. Notfalls will der Chef des größten deutschen Schlachtkonzerns das juristisch durchfechten. „Darüber wird im Zweifelsfall auch Recht gesprochen werden“, sagte er dem „Westfalen-Blatt“ am Samstag.

Erfolg dürfte fraglich sein

Tönnies und mehrere Subunternehmer hatten bereits vor einiger Zeit Anträge auf Erstattung von Lohnkosten durch das Land Nordrhein-Westfalen gestellt. Unter anderem hatte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) dieses Vorgehen kritisiert. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) geht davon aus, dass Tönnies keinen Regress für die vierwöchige Zwangspause nach massenhaften Corona-Infektionen im Stammwerk in Rheda-Wiedenbrück geltend machen kann.

Einsicht und Gespür fehlen

Die SPD-Bundestagsfraktionsvize Katja Mast sagte der dpa, Tönnies fehlten Einsicht und Gespür für Anstand und Verantwortung. „Was Tönnies macht, unterstreicht einmal mehr: Gesetzesverschärfungen sind dringend nötig und müssen kommen. Und das werden sie.“

1400 Mitarbeiter von Corona betroffen

Bei Tönnies hatten sich rund 1400 Arbeiter nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. Vorübergehend waren deshalb, neben der inzwischen aufgehobenen Betriebsschließung in Rheda-Wiedenbrück, weitgehende Corona-Einschränkungen in den nordrhein-westfälischen Kreisen Gütersloh und Warendorf verhängt worden.

Zustände sollen sich ändern

Dennoch wolle er sich künftig um die Lage seiner osteuropäischen Beschäftigten kümmern: „Wir wollen, dass 30 Prozent der Mitarbeiter, die heute nicht privat wohnen, zu einem vorgegebenen Standard wohnen können.“ Bis September werde er zudem „in einem ersten Schritt“ 1000 bisherige Werkvertragsarbeitnehmer fest anstellen, kündigte Tönnies an. Rücktrittsforderungen wies der 64-Jährige zurück: „Nein, der Kapitän gehört bei rauer See auf die Brücke, nicht in die Koje.“

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