Screenshot aus einem Video des Seglers Boris Herrmann an Bord seiner in seiner Rennyacht "Seaexplorer – Yacht Club de Monaco"

Endlich am Ziel: Boris Herrmann.

Foto: dpa/Team-Malizia.com/Boris Herrmann

Der Norden

Vendée Globe: Boris Herrmann nach 80 Tagen im Ziel

Von Tatjana Pokorny und Claas Henning
28. Januar 2021 // 12:55

Nach dem Drama kurz vor dem Ende seiner Hatz über die Weltmeere hat Solo-Segler Boris Herrmann das Ziel bei der Vendée Globe erreicht.

Herrmann wird auf dem vierten Rang geführt

Einige Stunden nach der Kollision mit einem Fischtrawler kreuzte der Hamburger am Donnerstagvormittag mit seiner stark beschädigten Jacht „Seaexplorer - Yacht Club de Monaco“ als Fünfter der Regatta die Ziellinie vor dem französischen Les Sables-d’Olonne. Herrmann winkte den Menschen zu, die ihm auf Beibooten entgegen gefahren waren. Wegen einer Zeitgutschrift von sechs Stunden wurde der 39-Jährige vorerst auf dem hervorragenden vierten Rang geführt.

Kollision mit dem Trawler „der schlimmste Alptraum“

Als erster deutscher Segler hatte er seit dem 8. November das Abenteuer Vendée Globe gewagt. Am Abend vor seiner Zielankunft waren seine Hoffnungen auf den Sieg vor den letzten etwa 90 der insgesamt über 28.000 Seemeilen an dem spanischen Trawler Hermanos Bustos zerschellt. „Das war der schlimmste Alptraum“, hatte er einige Stunden nach der unheilvollen Begegnung berichtet. Er war durch den Zusammenstoß mit dem Trawler aus dem Schlaf gerissen worden. „Ich habe an einer riesigen Wand hochgeschaut“, schilderte Herrmann die bangen Momente. Unter anderem verfing sich ein Vorsegel in den Kränen des Trawlers, eines seiner Foils (Tragflügel) brach. Dazu hörte er seinen Ausleger mehrfach in die Bordwand des anderen Bootes hämmern. „Es waren echte Schockmomente“, erzählte er. Zu seinem Glück schob sich seine Jacht am Trawler vorbei und der Mast blieb stehen. Warum Herrmanns bis zum Mittwochabend gut funktionierende Alarmsysteme versagten und ihn nicht rechtzeitig warnten, konnte er sich zunächst nicht erklären.

Weiterfahrt mit reduzierter Geschwindigkeit

Herrmann und die Besatzung des anderen Schiffes blieben unverletzt. Doch statt Historisches zu schaffen und bei der neunten Auflage des Rennens als Erster in die Sieg-Phalanx der Franzosen einzubrechen, musste er wegen der erheblichen Schäden an seiner Jacht mit reduzierter Geschwindigkeit seine Reise fortsetzen. „Ich habe in den Tagen zuvor wie ein Löwe gekämpft. Vielleicht komme ich nie wieder so dicht an einen Podiumsplatz heran?“, fragte der neue deutsche Segel-Star und machte sich und seinem Team Mut für das letzte Stück. „Es ist ziemlich herzzerreißend, aber wir werden es schaffen.“ (mb)

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