Schwerbewaffnete Polizeibeamte haben am Donnerstag den Eingangsbereich zum Oberlandesgericht Celle bewacht, während das Urteil gegen Safia S. verkündet wurde.

Schwerbewaffnete Polizeibeamte haben am Donnerstag den Eingangsbereich zum Oberlandesgericht Celle bewacht, während das Urteil gegen Safia S. verkündet wurde.

Foto: Hollemann/dpa

Der Norden

Nach Messerattacke: 16-jährige IS-Sympathisantin muss lange ins Gefängnis

Von nord24
26. Januar 2017 // 13:27

Die 16-jährige Safia S. ist als erste IS-Sympathisantin wegen einer Terrorattacke in Deutschland zu einer Haftstrafe verurteilt worden.

Haftstrafe nach Messerangriff

Knapp ein Jahr nach einem Messerangriff auf einen Polizisten in Hannover verurteilte das Oberlandesgericht Celle die Schülerin zu sechs Jahren Haft, wie eine Gerichtssprecherin am Donnerstag sagte. Mit ihrer Tat habe sie die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) unterstützen wollen, teilte das Gericht nach der nicht öffentlichen Urteilsverkündung mit.

Versuchter Mord

Das Urteil erging demnach unter anderem wegen versuchten Mordes und Unterstützung einer ausländischen terroristischen Vereinigung. Die Verbindung der Angeklagten zum IS war nach Einschätzung des Gerichts unter anderem durch Chats auf ihrem Mobiltelefon belegt.

Messer in Hals gerammt

Am 26. Februar 2016 hatte Safia S., damals 15 Jahre alt, am Hauptbahnhof in Hannover einem Bundespolizisten ein Messer in den Hals gerammt. Der Beamte und sein Kollege liefen in schuss- und stichsicheren Schutzwesten Streife. Das 34 Jahre alte Opfer wurde schwer verletzt, überlebte den Angriff aber. Der Kollege des Verletzten überwältigte Safia S.

Sechs Jahre Haft gefordert

Die Bundesanwaltschaft hatte wegen versuchten Mordes, gefährlicher Körperverletzung sowie Unterstützung der Terrormiliz IS sechs Jahre Haft für die Jugendliche gefordert. Die Tat war aus Sicht der Anklage eine Märtyreroperation für den IS - Ermittler werteten den Angriff als die erste von der Terrorgruppe in Deutschland in Auftrag gegebene Tat.

Verteidigung geht in Revision

Die Verteidigung hatte auf eine milde Strafe plädiert, ohne ein konkretes Strafmaß zu nennen. Safia S. habe sich lediglich der gefährlichen Körperverletzung schuldig gemacht. Nach der Urteilsverkündung erklärte Anwalt Mutlu Günal, er werde in Revision gehen. Die Strafe sei zu hoch.

"Polizei hat versagt"

"Das eigentliche Versagen liegt bei der Polizei in Hannover", sagte Günal. Wenn alle aufgepasst hätten, hätte die Tat verhindert werden können. Den Messerangriff auf einen Polizisten wertete er alleine als schwere Körperverletzung. Er sah weder eine Tötungsabsicht noch die Unterstützung der Terrormiliz Islamischer Staat für erwiesen an.

Täterin entschuldigt sich

"Radikale Attentäter haben sich, glaube ich, noch nie bei ihren Opfern entschuldigt", argumentierte Günal mit Blick auf die Entschuldigung, die Safia S. dem Beamten schriftlich und dann auch im Gerichtssaal angeboten hatte. 15-jährige Teenager könnten noch keine gefestigten Einstellungen haben.

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