Bei dem tödlichen Unfall in Bremervörde ist die Angeklagte mit ihrem Wagen ungebremst in eine Eisdiele gekracht.

Bei dem tödlichen Unfall in Bremervörde ist die Angeklagte mit ihrem Wagen ungebremst in eine Eisdiele gekracht.

Foto: Dathe/dpa

Der Norden

Nach tödlichem Eiscafé-Unfall in Bremervörde: Angeklagte bestreitet Epilepsie

Von nord24
26. Januar 2017 // 15:56

Rund anderthalb Jahre ist es her, dass ein Auto ungebremst in ein Eiscafé in Bremervörde fuhr. Damals starben ein zweijähriger Junge und ein 65 Jahre alter Mann. Neun Menschen wurden teils schwer verletzt. Die Fahrerin des Wagens steht seit Donnerstag vor Gericht.

Zwei Menschen sterben, neun Verletzte

Es war ein heißer Sommertag und sie wollten ein Eis essen. Mehrere Menschen trafen sich im Eiscafé "Pinocchio" in Bremervörde, als plötzlich ein Auto frontal und ungebremst in das kleine Lokal fuhr. Ein zweijähriger Junge und ein 65-jähriger Mann verloren ihr Leben, neun Menschen wurden teils schwer verletzt, darunter die Fahrerin des Wagens.

Prozessbeginn am Donnerstag

Wie konnte es zu dem Unglück kommen? Aufklärung soll der Gerichtsprozess bringen, der am Donnerstag vor dem Amtsgericht Bremervörde im Landkreis Rotenburg begann. Angeklagt ist die heute 60 Jahre alte Autofahrerin, die zum Auftakt der Verhandlung gestützt auf eine Krücke in den Gerichtssaal kam.

Staatsanwaltschaft: Fahrlässige Tötung

Die Staatsanwaltschaft wirft der Frau fahrlässige Tötung vor. Sie geht davon aus, dass die Frau kurz vor dem Unfall einen epileptischen Anfall hatte und deshalb die Kontrolle über das Fahrzeug verlor. Laut Anklageschrift hatte sie ihre Medikamente nicht genommen. Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft hätte sie wissen können, dass sie nicht fahrtüchtig war.

Kein epileptischer Anfall?

Die Angeklagte, die äußerst gebrechlich wirkte, bestritt dies am Donnerstag. Sie berichtete laut Prozessbeobachtern zwar von gesundheitlichen Problemen und gelegentlichem Alkoholkonsum, an die Diagnose einer Epilepsie-Erkrankung konnte sie sich aber nicht erinnern. Auch ärztliche Hinweise, dass sie nicht mehr in der Lage sei, Auto zu fahren, seien ihr nicht bekannt.

Erstaunter Anwalt

Rechtsanwalt Andy-Michael Kokoc, der die Eltern des getöteten zweijährigen Jungen als Nebenkläger vertritt, zeigte sich davon überrascht. "Es gibt eindeutige Anzeichen, dass eine Erkrankung vorlag. In der Akte findet sich auch die Vorerkrankung Epilepsie", sagte er. "Es war verwunderlich, dass die Angeklagte davon nichts mehr wissen wollte."

Ärzte sollen befragt werden

Um den Sachverhalt zu klären, stellten die Nebenkläger den Antrag, die behandelnden Ärzte zu befragen. "Es ist ja nicht normal, dass jemand schnurstracks in eine Eisdiele fährt. Eine gut nachvollziehbare Erklärung wäre dieser epileptischer Anfall. Das muss aufgeklärt werden."

Frau entschuldigt sich

Die Frage nach dem Warum konnte die Angeklagte den Angehörigen der Opfer zum Prozessauftakt zwar nicht beantworten, aber sie bot ihnen eine Entschuldigung an. Es tue ihr entsetzlich leid, sagte die weißhaarige Frau, die deutlich älter als 60 Jahre wirkt. Den Hinterbliebenen sprach sie ihr Beileid aus.

Fortsetzung am Dienstag

Das Gericht hat zwei Fortsetzungstermine bestimmt, am kommenden Dienstag soll es weiter gehen. "Es geht um die Aufklärung, ob sie tatsächlich an Epilepsie gelitten hat, ob ihr die Erkrankung bekannt war und ob sie die ihr verordneten Medikamente genommen hat", sagte der Direktor des Amtsgerichts Bremervörde, Helmut Claudé. Aufgrund der gesundheitlichen Probleme der Angeklagten soll jeweils nur einige Stunden verhandelt werden.

Gaffer behindern Retter

Der tödliche Unfall am 5. Juli 2015 hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt - auch weil die Arbeit der Retter massiv behindert wurde. Drei mutmaßliche Gaffer sollen Polizei und Sanitäter gestört haben, bei einer Rangelei wurden zwei Polizisten leicht verletzt. Die drei Männer müssen sich wegen Widerstands gegen Beamte, Körperverletzung und versuchter Nötigung vor Gericht verantworten - die Hauptverhandlung beginnt am 7. März.

Immer informiert via Messenger
Wie soll das Waranen-Pärchen aus dem Klimahaus heißen?
883 abgegebene Stimmen
Folge den Pinguins via Messenger