Kleiner Junge mit Medikament

Flohmärkte könnten leicht dazu führen, dass Eltern, anstatt mit ihren Kindern zum Arzt zu gehen, selbst eine Diagnose stellten und eigenmächtig Medikamente verordneten, meint ein Kinderarzt.

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Der Norden

Niedersachsens Ärzte sind gegen Flohmärkte für Medikamente

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Von nord24
20. Dezember 2022 // 16:00

Gängige Arzneimittel besonders für Kinder sind knapp. Ärztepräsident Reinhardt schlug Tauschbörsen für Medikamente vor - und erntet Kritik von Kollegen.

Gefährliche Tauschbörsen

Niedersachsens Ärzteverbände lehnen den Vorschlag von Ärztepräsident Klaus Reinhardt, Flohmärkte für knappe Medikamente zu organisieren, ab. Das sei unrealistisch und nicht zu Ende gedacht, sagte Tilman Kaethner, Vorsitzender des Landesverbands der Kinder- und Jugendärzte. Im großen Stil solche Tauschbörsen einzurichten, halte er sogar für gefährlich. Auch die Ärztekammer in Niedersachsen äußerte Kritik an dem Vorschlag.

Vorrätige Arzneien abgeben

Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, hatte in einem Zeitungsinterview vorgeschlagen, angesichts der Knappheit von Arzneimitteln vor allem für Kinder, "Flohmärkte für Medikamente in der Nachbarschaft" zu veranstalten. "Jetzt hilft nur Solidarität. Wer gesund ist, muss vorrätige Arznei an Kranke abgeben", sagte Reinhardt. Zur Not könnten auch viele Medikamente, deren Haltbarkeitsdatum bereits einige Monate abgelaufen sei, noch gefahrlos verwendet werden.

Klare Indikationsstellung nötig

Die niedersächsische Ärztekammer-Präsidentin Martina Wenker betonte, jede medikamentöse Therapie bedürfe einer klaren Indikationsstellung. Es gebe schließlich nicht ohne Grund Heilberufe, sagte sie. Diese dienten dazu, die Dosierung von Medikamenten, die Indikationsstellung und auch mögliche Kontraindikationen genau festzulegen. Die Idee eines Medikamenten-Flohmarktes stehe dazu im krassen Widerspruch und sei "absurd".

Selbst Diagnose stellen

Kinderarzt Kaethner mahnte, Flohmärkte könnten leicht dazu führen, dass Eltern, anstatt mit ihren Kindern zum Arzt zu gehen, selbst eine Diagnose stellten und eigenmächtig Medikamente verordneten. Gerade bei Antibiotika und anderen rezeptpflichtigen Medikamenten könne das die Gesundheit gefährden.

Hygiene nicht gewährleistet

Schwierig sei es zudem, wenn Säfte weitergereicht würden, die schon angebrochen seien, weil dann die Hygiene nicht gewährleistet sei, betonte der in Nordenham praktizierende Mediziner. Das Ablaufdatum der Medikamente sieht der Kinderarzt hingegen locker. (dpa)

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