Haben Spenderkinder ein Recht darauf, den Namen ihres Erzeugers zu erfahren? Eine junge Frau pocht darauf.

Haben Spenderkinder ein Recht darauf, den Namen ihres Erzeugers zu erfahren? Eine junge Frau pocht darauf.

Foto: Gentsch/dpa

Justiz

Thema Samenspende: Kind klagt auf Herausgabe des Namens seines Erzeugers

Von nord24
17. Oktober 2016 // 07:30

Sie wurde vor 21 Jahren geboren - mithilfe einer anonymen Samenspende. Nun will eine Frau am Amtsgericht Hannover den Namen ihres Vaters einklagen. Voraussichtlich wird sie Erfolg haben. Sehe ich meinem Vater ähnlich? Hat er dieselben Interessen wie ich? Solche oder ähnliche Fragen mag sich eine 21-jährige Frau, die mittels anonymer Samenspende gezeugt wurde, gestellt haben. Sie wollte Antworten, einen Namen. Die Reproduktionsklinik verweigerte jedoch die Auskunft, obwohl die Rechtssprechung inzwischen eindeutig ist. So urteilte der Bundesgerichtshof (BGH) Anfang 2015, dass Kinder grundsätzlich ein Recht darauf haben, den Namen ihres biologischen Vaters zu erfahren. In der Praxis aber verweigern immer noch Kliniken und Ärzte die Auskunft.

Junge Frau möchte wissen, wer ihr genetischer Vater ist

Die junge Frau klagt deshalb am Amtsgericht Hannover auf Bekanntgabe der Identität ihres genetischen Vaters. Das Urteil wird am Montag (17. Oktober) erwartet - und selbst der Rechtsanwalt der Klinik, Hans-Dieter Kimmel, geht davon aus, dass die Frau mit ihrer Klage Erfolg hat.

Spenderkind könnte möglicherweise Schadenersatzansprüche stellen

Trotz des erwartbaren Ausgangs habe es die Klinik auf den Prozess ankommen lassen. "Der Samenspender war davon ausgegangen, dass sein Name geheim gehalten wird", begründet Anwalt Hans-Dieter Kimmel. Sollte nun die junge Frau Unterhalts- oder Erbansprüche an den Mann stellen, könnte er in der Folge womöglich an die Klinik Schadenersatzansprüche stellen. Um dagegen gewappnet zu sein, könnte auch ein verlorener Prozess helfen.

Verein: Spenderkinder haben ein Recht auf Kenntnis ihrer genetischen Herkunft

Dabei ist nach Auskunft des Vereins Spenderkinder die Furcht vor Unterhaltsansprüchen völlig unbegründet. "Keinem uns bekannten Spenderkind geht es um finanzielle Forderungen gegenüber dem Spender", betont Anne vom Verein Spenderkinder, die nicht mit ihrem Nachnamen genannt werden möchte. Im Gegenteil: Zum Schutz der Spender fordere der Verein sogar den Ausschluss von Erbansprüchen und Unterhaltsforderungen des Kindes. Aber: "Alle Menschen in Deutschland - auch Spenderkinder - haben ein Recht auf Kenntnis ihrer genetischen Herkunft." (dpa)

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