Nach seiner vorzeitigen Haftentlassung will Uli Hoeneß angeblich bis zum Sommer über seine Rückkehr an die Spitze Bayern Münchens entscheiden.

Nach seiner vorzeitigen Haftentlassung will Uli Hoeneß angeblich bis zum Sommer über seine Rückkehr an die Spitze Bayern Münchens entscheiden.

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Justiz

Hoeneß: Haftentlassung steht in wenigen Tagen an

Von Lili Maffiotte
22. Februar 2016 // 08:36

Die Steueraffäre von Uli Hoeneß hat für viel Wirbel gesorgt. In wenigen Tagen wird der Ex-Präsident des FC Bayern aus dem Gefängnis entlassen. Zu dreieinhalb Jahren Gefängnis wurde er verurteilt, aber schon nach der Hälfte der Zeit ein freier Mann - wie kann das sein? Genießt Uli Hoeneß einen Promi-Bonus? Nach dem Gesetz nicht. Denn die vorzeitige Haftentlassung ist im Strafgesetzbuch eindeutig geregelt.

Gesetzlich festgelegt

In Paragraf 57, Absatz 2, heißt es: "Schon nach Verbüßung der Hälfte einer (...) Freiheitsstrafe (...) kann das Gericht die Vollstreckung des Restes zur Bewährung aussetzen, wenn die verurteilte Person erstmals eine Freiheitsstrafe verbüßt und diese zwei Jahre nicht übersteigt oder die Gesamtwürdigung von Tat, Persönlichkeit der verurteilten Person und ihrer Entwicklung während des Strafvollzugs ergibt, dass besondere Umstände vorliegen (...)." Hoeneß ist zwar Ersttäter und erfüllt damit die wichtigste Voraussetzung für die vorzeitige Entlassung. Allerdings wurde er zu mehr als zwei Jahren Haft verurteilt. Entscheidend ist in dem langen Satz aber das Wort "oder". Die zuständige Strafvollstreckungskammer am Landgericht Augsburg ging davon aus, dass die dort beschriebenen "besonderen Umstände" im Fall von Hoeneß zutreffen.

Eine Chronologie zur Akte Hoeneß

  • 2001 bis 2006: Hoeneß spekuliert im großen Stil an der Börse mittels eines geheimen Kontos in der Schweiz.
  • Januar 2013: Hoeneß zeigt sich beim Finanzamt selbst an.
  • 20. März 2013: Hoeneß bekommt in seinem Haus am Tegernsee Besuch von den Ermittlern. Gegen ihn liegt ein Haftbefehl vor. Dieser wird gegen Kaution außer Vollzug gesetzt.
  • 20. April 2013: Der "Focus" macht den Fall öffentlich und berichtet unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft und Hoeneß selbst.
  • 21. April 2013: Hoeneß schließt einen Rücktritt als Präsident des FC Bayern München aus. Die Kritik an ihm nimmt zu.
  • 6. Mai 2013: Hoeneß bleibt nach einem 8:0-Votum der Mitglieder Vorsitzender des Aufsichtsrats der FC Bayern München AG.
  • 30. Juli 2013: Die Staatsanwaltschaft München erhebt Anklage wegen Steuerhinterziehung.
  • 13. November 2013: Hoeneß wird auf der Jahreshauptversammlung des FC Bayern gefeiert.
  • 10. März 2014: Begleitet von großem Medieninteresse beginnt in München der Prozess. Hoeneß gesteht, 18,5 Millionen Euro an Steuern hinterzogen zu haben.
  • 11. März 2014: Die Summe der hinterzogenen Steuern wird noch höher - Grundlage sind Berechnungen einer Steuerfahnderin.
  • 13. März 2014: Das Landgericht München spricht Hoeneß wegen Hinterziehung von mindestens 28,5 Millionen Euro Steuern schuldig. Er wird zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.
  • 14. März 2014: Uli Hoeneß akzeptiert seine Haftstrafe und tritt mit sofortiger Wirkung von seinen Ämtern beim FC Bayern München zurück.
  • 2. Juni 2014: Hoeneß tritt seine Haft in Landsberg am Lech an.
  • 20. September 2014: Erster Ausgang: Für einige Stunden kann Hoeneß das Gefängnis verlassen, um sich mit seiner Familie zu treffen.
  • 24. Dezember 2014: Zu Weihnachten erhält Hoeneß Urlaub und darf zwei Nächte außerhalb der Gefängnismauern schlafen.
  • 1. Januar 2015: Hoeneß wird Freigänger. Er muss jetzt nur noch zum Übernachten in die JVA, tagsüber arbeitet er in der FC-Bayern-Jugendabteilung.
  • 24. Februar 2015: SAT.1 beginnt mit den Dreharbeiten zu einer Satire, die an den Fall Hoeneß angelehnt ist. Im Mai beginnt auch das ZDF mit den Dreharbeiten zu einem Doku-Drama mit dem Titel "Uli Hoeneß - Der Patriarch".
  • 3. November 2015: Der Anwalt von Hoeneß bestätigt, dass sein Mandant einen Antrag auf vorzeitige Haftentlassung gestellt hat. Eine Freilassung ist frühestens zur Hälfte der Haftstrafe Ende Februar 2016 möglich.
  • 21. Dezember 2015: Hoeneß ruft beim Radiosender Antenne Bayern an und spendet bei einer weihnachtlichen Spendenaktion 10 000 Euro.
  • 18. Januar 2016: Die für das Landsberger Gefängnis zuständige Strafvollstreckungskammer des Landgerichts Augsburg entscheidet, dass die Haftstrafe zum 29. Februar auf Bewährung ausgesetzt wird.
  • 22. Januar 2016: Die Münchner Staatsanwaltschaft verzichtet auf eine Beschwerde dagegen, lässt aber durchblicken, dass sie gegen die sogenannte Halbstrafenregelung bei Hoeneß ist.

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