Kinostart - Joy - Alles außer gewöhnlich

Joy Mangano (Jennifer Lawrence, links) verguckt sich in den Südamerikaner Tony Miranne (Edgar Ramirez). Der möchte ein zweiter Tom Jones werden, endet aber als ihr geschiedener Ehemann im Keller-Apartment der Familie. Foto 20th Century Fox

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Kino
Kultur

Schräge US-Komödie "Joy – alles außer gewöhnlich“ im Kino

Von Sebastian Loskant
30. Dezember 2015 // 12:00

Dank ihrer Erfindung des selbst wringenden Wischmopps avancierte Joy Mangano in den 1990er Jahren in den USA zur nationalen Berühmtheit. Die millionenschwere, heute 59-jährige Italo-Amerikanerin gastiert regelmäßig als Moderatorin im Shopping-Fernsehkanal HSN und hat sich ihr eigenes Unternehmen „Ingenious Designs“ geschaffen. Daneben zog sie als Geschiedene drei Kinder groß. Dieser Frau setzt die musikalisch aufgepeppte Komödie „Joy – alles außer gewöhnlich“ ein liebevoll-skurriles Kinodenkmal.

Für "Golden Globe" nominiert

Bei dem Film, dessen Spannungsbogen nur gelegentlich etwas durchhängt, führte David O. Russells Regie. Als Co-Produzentin agierte: die unermüdliche Mangano. Zwei „Golden Globe“-Nominierungen für die beste Komödie und für die beste Hauptdarstellerin gab es dafür bereits.

Hollywoods Liebling

Ein charismatisches Starensemble erzählt die märchenhafte Biografie, die sich hier über vier Jahrzehnte erstreckt. In der Titelrolle zeigt Hollywoods Liebling Jennifer Lawrence (25) etwas von der verletzlichen Gradlinigkeit, für die sie schon 2010 in „Winter’s Bone“ gefeiert wurde.

Abgebrannter Vater

Ältere Leinwand-Größen bilden Manganos Patchwork-Familie: Robert De Niro spielt den abgebrannten Vater und Garagenbesitzer Rudy. Der verliebt sich in Trudy – von Isabella Rossellini als mit Schmuck behängte Witwe und Geldgeberin mit funkelnder Ironie verkörpert.  

Festival der Katastrophen

Das Drehbuch macht aus den widrigen Lebensumständen der Heldin ein schwarzhumoriges, auf mehreren Zeit- und Realitätsebenen spielendes und vor allem im Kostümbereich hingebungsvoll ausgestattetes Festival der Katastrophen. Verrat, Vertrauensmissbrauch, Verlust von Unschuld und verletzte Liebe formen aber nur Joys Charakter und Zähigkeit.

Love-Story

Zu ihren Plagen gehören: eine Mutter (Virginia Madsen), die ihre Tage Soap-Opera-süchtig im Schlafzimmer vor dem Bildschirm verbringt. Eine Love-Story mit einem Südamerikaner (Édgar Ramirez), der ein zweiter Tom Jones werden will, doch als ihr geschiedener Ehemann im Keller-Apartment der Familie endet. Und der ihm feindlich gesinnte Rudy, der dort ebenfalls untergebracht wird.

Kein Prinz nötig

Doch die gebeutelte Erfinderin erhält viel weibliche Unterstützung: von ihrer Freundin, ihrer Tochter – und ihrer Großmutter (Diane Ladd), die überdies als Erzählerin fungiert. Denn eigentlich hatte sie sich ja alles ganz anders gedacht: Schon als kleines Mädchen bastelt Joy gern. Sie träumt davon, mit ihren Händen Dinge und sich so ein eigenes Reich zu schaffen. Einen Prinzen braucht es für sie nicht, um darin einmal als Königin zu herrschen.

Mutmacher-Geschichte

Dass es genau dazu kommt und die elegante Matriarchin hinterm Chefinnen-Schreibtisch ihre Menschlichkeit behält – das ist der amerikanische Traum reloaded. Eine Mutmacher-Geschichte im Sinne der Emanzipation, die zeigen will, dass es auch ohne Quote geht, wenn „frau“ nur will.   www.fox.de/joy-2015 www.youtube.com/watch?v=u_qPcIZscek www.youtube.com/watch?v=RhDr3EmLP4A www.youtube.com/watch?v=1NorUC5rLns www.youtube.com/watch?v=6l9S9pZxVco

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