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Kurios

Georgette Tsinguirides - Ein Ballettwunder

Von Lili Maffiotte
3. Dezember 2015 // 15:40

Georgette Tsinguirides' erster Lohn beträgt 2520 Reichsmark. Als "Chortänzerin Anwärterin" tritt die Deutsch-Griechin am 1. Dezember 1945 ihren Dienst bei den Württembergischen Staatstheatern an. Heute, sage und schreibe 70 Jahre später, steht die Tochter eines Einwanderers immer noch auf der Gehaltsliste - inzwischen als Choreologin und Ballettmeisterin. 70 Jahre beim selben Arbeitgeber - klingt nach einem Jahrhundertrekord. "Es geht immer weiter", sagt das 87 Jahre alte Phänomen selbst.

Jeden Tag Ballettsaal

Tsinguirides wird nicht müde. Erst neulich begleitete sie das renommierte Stuttgarter Ensemble nach Korea - mit 87 Jahren. Fixpunkt Cranko. Geht es um das Einstudieren von Werken der Choreographie-Legende, des legendären Begründers des Stuttgarter Ballettwunders John Cranko (1927-1973), ist das Auge von Georgette Tsinguirides nach wie vor gefragt. Für sie bedeutet es genau das, was sie so liebt: jeden Tag Ballettsaal, jeden Tag voller Elan. Und immer mit der ihr eigenen Genauigkeit.

Berufung und Verpflichtung

Das Erbe John Crankos am Stuttgarter Ballett ist auf ewig mit Tsinguirides' Namen verbunden. Die Deutsch-Griechin garantiert die werkgetreue Aufführung der Ballette des Meisters. Mit Generationen von Tänzern studierte sie Crankos Werke ein. Es sei wohl "eine Art Berufung, eine Verpflichtung", sagte die gebürtige Stuttgarterin mal.

Ein Vorbild für alle

Stuttgarts Ballett-Intendant Reid Anderson (66) arbeitet seit mehr als 45 Jahren mit Georgette Tsinguirides. "Sie war damals schon ein Phänomen und ist es heute noch!", sagt der Kanadier. "Mit ihrer Leidenschaft, Disziplin und Hingabe ist sie ein Vorbild für mich und meine Tänzer!" Sie habe John Crankos Stücke Generationen von Tänzern beigebracht - "nicht nur die Schritte, sondern die Intention dahinter, das Gefühl und den Geist Crankos".

Ausbildung mit 7 Jahren

Nachdem Georgette Tsinguirides früh ihre Mutter verliert, wächst sie unter der strengen Obhut ihrer Großmutter Maria Weickh auf, einer einstigen Hofdame bei Charlotte von Württemberg. Mit sieben beginnt sie eine Ausbildung an der Ballettschule des Stuttgarter Theaters. Im November 1945 erhält sie ihr erstes Engagement, später wird sie Solistin.  

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