Kein Schauspiel, sondern Realität. Mehr als ein Dutzend Gläubige nehmen an dem Ritual auf den Philippinen teil.

Kein Schauspiel, sondern Realität. Mehr als ein Dutzend Gläubige nehmen an dem Ritual auf den Philippinen teil.

Foto: Malasig/dpa

Kurios

Sie lassen sich für ihren Glauben ans Kreuz nageln

Von nord24
25. März 2016 // 14:55

Wenn Ruben Enaje die langen Nägel betrachtet, die am Karfreitag in seine Hände und Füße geschlagen werden, schließt er kurz die Augen. "Man schreit vor Schmerz", sagt der Philippiner, der sich heute zum 31. Mal wie Jesus an ein Kreuz nageln lässt. "Ich unterdrücke diese Schreie nicht, das löst die Spannung."

Dutzende Gläubige lassen sich ans Kreuz nageln

Wie der 56-Jährige, Großvater mit fünf Enkeln, nehmen jedes Jahr mehr als ein Dutzend Gläubige in dem tief katholischen Land in Südostasien an diesem Ritual teil. Für sie ist es eine Frage von Buße und Sühne, aber die Kirche ist eigentlich dagegen. Das Spektakel zieht jedes Jahr auch Tausende Schaulustige an.

Enaje betet für die Männer, die Nägel in seine Hände schlagen

"Ich hoffe, dass es für sie nicht nur ein Spektakel ist, dass sie daran denken, wie Jesus uns von unseren Sünden befreit hat", sagt Enaje. "Ich hoffe, dass sie beten." Enaje betet ständig, wie er im Hof seines Hauses in San Pedro Cutud, 60 Kilometer nördlich der Hauptstadt Manila, erzählt. Er bete vor der Kreuzigung um Standfestigkeit, um Segen für die Männer, die die Nägel mit dem Hammer in seine Hände und Füße treiben, und für die Zuschauer. "Und ich bitte um Arbeit und Gesundheit", sagt er.

Er überlebte einen Sturz aus dem dritten Stock

Enaje ist Schildermaler. Vor 30 Jahren fiel er einmal von einem Gerüst im dritten Stock und blieb wie durch ein Wunder unverletzt. Danach ließ er sich zum ersten Mal ans Kreuz nageln - aus Dank, wie er sagt. Seitdem hat er es getan, um Hilfe für seine kranke Frau und Tochter zu erbitten. Beide wurden gesund.

Seine Tochter ist dankbar für seinen Einsatz

Seine Familie steht hinter ihm. "Jedes Mal, wenn er aufhören wollte, ist wieder etwas Schlimmes passiert", sagt seine Tochter EJ (30). "Es ist schlimm für ihn, aber er tut es für uns. Ich bin geheilt, weil er sich ans Kreuz nageln ließ." Dabei kommen ihr die Tränen.

Es wird jedes Jahr schlimmer

Früher hat Enaje hingeschaut, wenn die Nägel in sein Fleisch eindrangen. Inzwischen schließt er die Augen. "Es wird jedes Jahr schlimmer, weil die Nägel immer an derselben Stelle eingetrieben werden", sagt er. Am meisten leidet er aber beim Rausziehen. "Wenn die Nägel sich verbogen haben, reißen sie Fleisch heraus", sagt er.

Oben am Kreuz ist es windig und friedlich

Wenn das Kreuz aufgerichtet wird, kommt aber der positive Adrenalinschub, sagt Enaje. "Ich fühle eine große Präsenz, die mich vor Schmerz und Hitze schützt", sagt er. Das Ritual findet in der Mittagszeit unter gleißender Sonne statt. "Da oben am Kreuz ist es dann windig und friedlich. Wenn die Nägel später raus sind und die Wunden versorgt, fühle ich mich leicht und erneuert."

Die Kirche findet das Ritual nicht so gut

Die Kirche unterstütze solche Rituale nicht, sagt Pater Jerome Secillano von der katholischen Bischofskonferenz auf den Philippinen. "Egal, wie die Menschen sich anstrengen, nichts kann der Erlösungstat von Christus nahekommen", meint er. Verurteilen wolle er Leute wie Enaje aber nicht. Das habe viel mit Kultur und populären Vorstellungen zu tun. "Die Kirche respektiert diese Form der Glaubensbekundung, lehrt aber gleichzeitig, welche Rituale in der heiligen Osterwoche eigentlich angebracht sind."

Kein Schauspiel, sondern Realität. Mehr als ein Dutzend Gläubige nehmen an dem Ritual auf den Philippinen teil.

Diese Nägel lässt sich Ruben Enaje durch die Hände und Füße schlagen.

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Kein Schauspiel, sondern Realität. Mehr als ein Dutzend Gläubige nehmen an dem Ritual auf den Philippinen teil.

So sehen seine Wunden aus.

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Kein Schauspiel, sondern Realität. Mehr als ein Dutzend Gläubige nehmen an dem Ritual auf den Philippinen teil.

Wenn das Kreuz aufgerichtet wird, kommt aber der positive Adrenalinschub, sagt Enaje.

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