Man kann sie und ihre weiße Stretch-Limousine buchen: Patrick (links) und Axel Zdrojewski.  Foto: Heske

Man kann sie und ihre weiße Stretch-Limousine buchen: Patrick (links) und Axel Zdrojewski. Foto: Heske

Foto: NZ-Archiv

Cuxland
Kurios

In der Stretch-Limousine vorfahren wie ein Broadway-Star

Von Christian Heske
15. Mai 2016 // 16:00

Sich einmal wie ein Popstar oder ein Hollywood-Schauspieler fühlen und mit einem überkandidelt langen Luxusgefährt vorfahren? Die Brüder Patrick und Axel Zdrojewski aus Langen machen es möglich. Seit einigen Monaten kurven die beiden Studenten mit einer schneeweißen Stretch-Limousine über die Straßen Bremerhavens und des Landkreises. An Bord haben sie in ihrer Nobelkarosse jedoch nicht Stars und Sternchen, sondern Geburtstagskinder, Hochzeitspaare oder Grünkohltourer. Auch als Party-Shuttle ist der weiße Lincoln buchbar. Die Idee zu dem Limousinen-Service hatte eigentlich die Mutter des Brüderpaares. „Wir wollten zum Geburtstag von Patrick eine Stretch-Limousine mieten, aber mit der An- und Abfahrt wäre das ziemlich teuer geworden“, erzählt der 22-jährige Axel Zdrojewski. „Darauf hat unsere Mutter gefragt, warum wir nicht selbst so einen Wagen kaufen“, ergänzt sein 25-jähriger Bruder.

Bei der Arbeit im Hafen schon häufiger Stretch-Limousinen gesehen

Patrick studiert Jura in Bremen, sein Bruder dort Bauingenieurswesen. Beide Brüder sind neben ihrem Studium auch als Aushilfsfahrer im Bremerhavener Hafen tätig. „Dort haben wir häufiger schon Stretch-Limousinen gesehen“, berichtet Axel Zdrojewski. Mit Unterstützung des Vaters machten sich die beiden Studenten daran, das ungewöhnliche Vorhaben eines eigenen Limousinen-Service in die Tat umzusetzen. Die erste entscheidende Frage: Woher bekommt man so eine Spezialkarosse? Beim Autohändler um die Ecke jedenfalls nicht. „Wir haben zunächst in Europa ein gutes Jahr gesucht“, berichtet Patrick Zdrojewski. Doch entweder seien die gebrauchten Fahrzeuge in einem schlechten Zustand gewesen, oder die Käufer hätten 80 000 bis 100 000 Euro für ein Exemplar auf den Tisch legen sollen. „Für Einsteiger fast unbezahlbar“, sagt Patrick Zdrojewski.

Lincoln Towncar Executive aus den USA importiert

Mit Hilfe eines Bekannten, der sich auf Autoimporte spezialisiert hat, gelang zu einem vertretbaren Preis der Import eines weißen Lincoln Towncar Executive aus den USA. Der Grundstein für den Limousinenservice White Dream war gelegt. Der 8,60 Meter lange Wagen, in den bis zu acht Fahrgäste einsteigen dürfen, verfügt über eine längs eingebaute Sitzbank mit gegenüberliegender Bar. Weitere Gimmicks sind Video-Schirme, ein Wagenhimmel mit LED-Beleuchtung und eine kleine Laser-Anlage im Heck für zusätzliche Lichteffekte.

Die Fahrer benötigen Personenbeförderungsscheine

Doch mit dem Import des Autos waren nicht alle Hürden genommen. Beide Brüder und ihre Vater mussten Personenbeförderungsscheine machen. Der Vater springt ein, sobald die Brüder Urlaub machen. „Außerdem dauerte es ein paar Monate, bis wir eine Mietwagenkonzession hatten“, erzählt Patrick Zdrojewski. Parallel dazu musste das US-Fahrzeug für eine Zulassung in Deutschland umgerüstet werden. Der Wagen erhielt stärkere Bremsen, andere Scheinwerfer und Blinker sowie eine Nebelschlussleuchte. Unter der Motorhaube des Lincoln blubbert eine V8-Maschine mit 4,6 Litern Hubraum – genug Kraft für das Auto, das voll besetzt rund 3,5 Tonnen auf die Waage bringt. Der Motor ist jedoch nichts für Leute, die angesichts von Tankstellenquittungen schnell die Nerven verlieren. „20 Liter auf hundert Kilometer nimmt er schon mal“, sagt Patrick Zdrojewski.

Wartung übernimmt ein Freund in Hamburg

Doch nicht nur der Spritverbrauch der überdehnten Limousine fällt aus dem Rahmen. „Die Betriebskosten des Autos sind nicht ganz ohne“, gesteht Patrick Zdrojewski. „Verschleißteile, Steuer, Versicherungen und jährliche Tüv-Prüfungen“, zählt er als Kostentreiber auf. Die Wartung übernimmt ein Freund aus Hamburg, der selbst acht Stretch-Limousinen betreibt.

Das Befördern einer Party-Gesellschaft fordert Disziplin vom Fahrer

Im Einsatz ist die Stretch-Limousine vorzugsweise in Bremerhaven und im Umkreis. „Obwohl wir arbeiten, wenn andere feiern, macht es Spaß, die Leute mit dem Auto zu überraschen“, sagt Patrick Zdrojewski. Das Befördern einer Party-Gesellschaft fordert Disziplin vom Fahrer. Und Erfahrung mit dem Straßenkreuzer ist auch erforderlich. „Man muss das Rangieren üben, denn die Leute wollen ja vor der Tür abgeholt werden“, sagt Axel Zdrojewski. Norddeutsche Wohnstraßen sind schließlich nicht der Broadway.

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