Auch vor dem Gemeindehaus am Amtsdamm lauern Pokémons: Pastorin Ute von Stuckrad-Barre ist auf Monsterjagd.

Auch vor dem Gemeindehaus am Amtsdamm lauern Pokémons: Pastorin Ute von Stuckrad-Barre ist auf Monsterjagd.

Foto: Grotheer

Cuxland
Freizeit

Pastorin auf Pokémon-Jagd

Von nord24
20. November 2016 // 11:00

Sie heißen Schiggy, Pikachu oder Taubsi und tauchen plötzlich auf Gehwegen, vor Gebäuden, in Hecken oder Parks auf. In Hagen hat eine sogenannte Kampfarena, in der man gegen ein sogenanntes Pokémon antritt, ihren Platz direkt vor der Martin-Luther-Kirche. Natürlich ist das Ganze nur virtuell: Bekannt sind die kleinen Monster als sogenannte Pokémons, Fantasiewesen, die 1996 erstmals die Welt als Game-Boy-Spiel eroberten und 2016 mit der App-Version „Pokémon Go“ für das wohl beliebteste Spiel des Jahres sorgten. Bei dieser Spielvariante werden Realität und Fiktion vermischt, die kleinen Monster sind auf dem Smartphone in der realen Umgebung zu sehen. Die Standorte sind vom Betreiber festgelegt.

Anfangs skeptisch

Für Pastorin Ute von Stuckrad-Barre ist die Arena vor der Kirche mittlerweile kein Problem mehr, auch wenn sie anfangs skeptisch war. „Ich habe durch Zufall davon erfahren“, erzählt sie. Sie habe sich gewundert, warum so viele junge Leute ohne ersichtliches Ziel vor dem Schaukasten der Kirche standen und hektisch auf ihr Smartphone tippten. „Auf Nachfrage hat man mir das Spiel erklärt“, erzählt die Hagenerin. Die Pastorin sieht es mittlerweile so: „Viele Kämpfe wurden vor einer Kirchentür ausgetragen. Sie ist sozusagen die Schaltstelle, an der die Kirche auf die Welt trifft. Auch Luther hat seine Thesen nicht ohne Grund an eine Kirchentür geschlagen“, sieht sie einen Zusammenhang zwischen Tradition und Moderne.

Taubsi versteckt sich in der ersten Reihe der Kirche

Zwischenzeitlich ist Ute von Stuckrad-Barre selber zur Spielerin geworden und hat die Vorteile erkannt: „Man muss rausgehen, sich bewegen und kann Teams bilden. Das empfinde ich als kommunikativ und als eine neue Variante für den Familienspaziergang“, erzählt sie, während sie in Begleitung ihres 13-jährigen Sohnes Philipp direkt vor dem Gemeindehaus einen Pokémon namens Taubsi gefangen hat. „Hier ist ein sogenannter Pokéstop, bei dem man Bälle sammeln kann“, kennt sich Ute von Stuckrad-Barre schon gut mit dem Spiel aus.

Pokémon-Jagd mit Hilfe eines Freifunk-Netzes

Ein bisschen vertan habe sich der Betreiber allerdings mit den Satellitendaten (GPS). Der Stopp ist als Gemeindehaus angegeben, liegt allerdings einige Meter entfernt. Die Jagd entlang des Amtsdammes ist mit Hilfe des Freifunk-Netzes, in das sich Smartphone-Benutzer kostenlos einwählen können, ohne zusätzliche Kosten machbar. Auf Initiative des Hagener Bürgermarktes ist eine Strecke mit freiem WLAN entstanden, indem in Abständen Router bei Geschäfts- und Privatleuten positioniert wurden. „Das ist wichtig, damit das Spielen keine Frage des Geldes wird“, so die Pastorin. Auch die Kirche ist beteiligt, den Router für das Gemeindehaus spendete der Bürgermarkt. Vom Gemeindehaus geht es weiter in Richtung Kirche. Selbst im Gotteshaus hat sich ein virtuelles Monster versteckt. „Ein Taubsi sitzt in der der ersten Reihe“, zeigt Ute von Stuckrad-Barre auf ihr Smartphone und fängt das kleine Wesen durch Abwerfen mit einem Ball direkt vor dem Altar. Sie hofft allerdings, dass niemand während des Gottesdienstes auf Monsterjagd geht. „Wenn ich ein Pokémon bestellen könnte, sollte es nach dem Vater Unser kommen“, sagt die Pastorin mit einem Schmunzeln.

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