Die angeklagte Ex-Geschäftsführerin der Pflegeeinrichtung, Gülsen Sariergin steht heute in Bremen vor Gericht.

Die angeklagte Ex-Geschäftsführerin der Pflegeeinrichtung, Gülsen Sariergin steht heute in Bremen vor Gericht.

Foto: Carmen Jaspersen/dpa

Cuxland
Justiz

Schwangere Sariergin gibt Pflege-Betrug zu

Von Inga Hansen
10. November 2016 // 15:57

Sieben Jahre lang sind Krankenkassen und Sozialhilfeträger um Gelder für Pflegeleistungen betrogen worden. Mehr als 800.000 Euro flossen so in die Kasse von Einrichtungen der Nordsee-Pflege. Die angeklagte Chefin Gülsen Sariergin aus Schiffdorf hat jetzt vor Gericht die Praktiken gestanden. "Es werden mir in drei Anklagen über 1000 Fälle vorgeworfen, das trifft überwiegend zu", sagte die frühere Geschäftsführerin von Bremerhavener und Pflegediensteinrichtungen im Landkreis Cuxhaven am Donnerstag vor dem Bremer Landgericht.

Sariergin: Ich trage die Verantwortung

"Ich stehe absolut dazu, was geschehen ist. Ich trage die Verantwortung für meine Mitarbeiter." Das Geständnis ist Teil einer Verfahrenseinigung: Danach wird die 37 Jahre alte gebürtige Bremerhavenerin eine Freiheitsstrafe zwischen viereinhalb und fünfeinhalb Jahren wegen gewerbsmäßigen Betrugs erhalten. Außerdem muss sie eine Geldstrafe von mindestens 240.000 Euro bis maximal 432.000 Euro zahlen.

Erst Geburt, dann Haftstrafe

Teil der Absprache ist, dass sie die Haft später antritt. Der Grund: Sie ist schwanger. Das Kind soll Silvester zur Welt kommen. Die Staatsanwältin lässt prüfen, ob sie die Haft deshalb erst ein halbes Jahr später antreten kann. Also zum 1. Juli 2017. Voraussetzung ist aber, dass sie wirklich alle Karten auf den Tisch legt.

Geschäftsführung niedergelegt

Insgesamt liegen drei Anklageschriften vor, die bis zu 70 Seiten umfassen, sagte der Vorsitzende Richter. Die 37-Jährige sitzt seit Anfang September in Untersuchungshaft. Das Unternehmen mit Sitz in Bremerhaven hatte sich in der vergangenen Woche zu dem Prozessauftakt geäußert: Sowohl die Unternehmensleitung als auch die Angeklagte begrüßten demzufolge, dass das Gericht das Verfahren nun vorantreibe, um die belastende Situation der Unsicherheit rasch zu beenden, sagte der neue Geschäftsführer. Die 37-Jährige hatte die Geschäftsführung im September niedergelegt.

Drei weitere Verhandlungstage angesetzt

Für den Prozess sind drei weitere Verhandlungstage angesetzt. Dabei wird die Angeklagte auch Auskunft darüber geben müssen, wofür die auf diese Weise erhaltenen Gelder verwendet wurden.

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