Peter Duryn, Leiter des Niedersächsischen Internatsgymnasiums in Bad Bederkesa, ist gespannt, was unter der Farbschicht zutage tritt. Erste Stellen sind schon freigelegt an der Wand in der Eingangshalle.

Peter Duryn, Leiter des Niedersächsischen Internatsgymnasiums in Bad Bederkesa, ist gespannt, was unter der Farbschicht zutage tritt. Erste Stellen sind schon freigelegt an der Wand in der Eingangshalle.

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Cuxland

Wandmalereien im Cuxland: Wertvolle Motive auf und unter dem Putz

Von Andreas Schoener
25. Oktober 2016 // 17:00

Experten rechnen damit, dass sich unter der aktuellen Farbschicht im Eingangsbereich des Niedersächsischen Internatsgymnasiums (NIG) in Bad Bederkesa wertvolle Motive aus der Zeit des Historismus befinden. Dr. Dietrich Diederichs-Gottschalk, studierter Kunsthistoriker und ehemals Pastor in Sandstedt, datiert die freigelegten Stellen im 1876 errichteten Gebäude auf einen Entstehungszeitraum zwischen 1890 und 1910.  Die Landesdenkmalpflegerin ist ebenfalls mit der Angelegenheit befasst. Ihre Auswertungen dauern an. Wie Diederichs-Gottschalk weiter erklärte, handelt es sich beim Historismus um ein im 19. Jahrhundert verbreitetes und teilweise noch ins 20. Jahrhundert nachwirkendes Phänomen, bei dem man – vor allem in der Architektur – auf ältere Stilrichtungen zurückgriff und diese teilweise kombinierte. Diese Überbleibsel seien sicherlich wertvoll, da die meisten Malereien aus der Zeit des Historismus  mittlerweile zerstört worden seien.

Zeichnungen im ehemaligen Kapellenraum der Burg zu Hagen

Doch es gibt auch andere wertvolle Wandmalereien im Cuxland. Da sind zum Beispiel die Fragmente einer Wandgestaltung im ehemaligen Kapellenraum der Burg zu Hagen. Sie stammen nach Angaben von Diederichs-Gottschalk aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts und imitieren das Lebens- und Wohngefühl der damaligen Zeit durch entsprechende Zeichnungen auf dem Putz. Die Experten sprechen von Vorhangmalerei. Schulleiter Peter Duryn über die wertvollen Funde im NIG:

"Loxstedter Totentanz"

Auch in den Kirchen des Cuxlandes findet der interessierte Besucher interessante Wand- und Deckenmalereien. Da ist zum Beispiel der Loxstedter Totentanz, ein Deckengemälde aus dem 15. Jahrhundert in der St.-Marien-Kirche zu Loxstedt. Die Kalkmalereien wurden während der Reformation teilweise zerstört oder übermalt, aber 1910 bei Renovierungen wieder entdeckt. Der Totentanz ist eine Allegorie des Todes: Ein grinsendes Skelett nimmt die Menschen aller Stände in seinen schaurigen Reigen auf, fordert sie zum Tanz auf.

Anna-Selbdritt in Sandstedter Kirche

Sehenswert ist ebenfalls das Innere des St.-Johannis-Kirche in Sandstedt: Wie Kirchenvorstandsvorsitzende Karla Mombeck erklärt, befindet sich beispielsweise auf der Ostwand auf einer Thronbank sitzend ein Bildnis von  Anna-Selbdritt, die Mutter Marias. Auf ihrem Schoß sitzt die Jungfrau Maria, die ihrem Sohn Jesus die Brust gibt. Flankiert werden sie von Maria Kleophas (rechts) mit Johannes dem Täufer als Kind und (fragmentarisch) Maria Salome mit ihrem Kind, dem Apostel Johannnes. Weitere Figuren schlossen sich an. Im Hintergrund stehen die Häupter der drei (legendarischen) Großväter Jesu – Joachim, Kleophas und Salomas. Die Wände wurden zwischen 1420 und 1450 flächendeckend bemalt. Heute sind nur noch Fragmente erhalten.

Peter Duryn, Leiter des Niedersächsischen Internatsgymnasiums in Bad Bederkesa, ist gespannt, was unter der Farbschicht zutage tritt. Erste Stellen sind schon freigelegt an der Wand in der Eingangshalle.

Vorhangmalerei in der Burg zu Hagen - sie stammt aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts.

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Peter Duryn, Leiter des Niedersächsischen Internatsgymnasiums in Bad Bederkesa, ist gespannt, was unter der Farbschicht zutage tritt. Erste Stellen sind schon freigelegt an der Wand in der Eingangshalle.

Über Totentänze, wie sie auch an der Decke in der Loxstedter St. Marienkirche zu sehen sind, referierte vor wenigen Wochen der Journalist Holger Wetjen vor vielen Zuhörern im Gemeindehaus in Loxstedt.

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Peter Duryn, Leiter des Niedersächsischen Internatsgymnasiums in Bad Bederkesa, ist gespannt, was unter der Farbschicht zutage tritt. Erste Stellen sind schon freigelegt an der Wand in der Eingangshalle.

Nur ein Fragment: An der Ostwand in der Kirche von St. Johannis in Sandstedt sieht man auf einer Thronbank sitzend Anna-Selbdritt, die Mutter Marias.

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