Die Redakteure des Landkreises Cuxhaven wünschen frohe Weihnachten. Aber vorher haben sie ihre Erinnerungen an das Fest aufgeschrieben.

Die Redakteure des Landkreises Cuxhaven wünschen frohe Weihnachten. Aber vorher haben sie ihre Erinnerungen an das Fest aufgeschrieben.

Foto: Robert Schlesinger/dpa

Cuxland

Weihnachten aus Kindersicht: Redakteure erinnern sich

Von Lili Maffiotte
23. Dezember 2016 // 14:36

Weihnachten in unserer Kindheit: Top-modisch gekleidet, die schönsten Haarschnitte und natürlich die tollsten Geschenke – so sah sie aus die Weihnachtszeit unserer Landkreis-Redakteure, na ja, fast! Die eine oder andere „Sünde“ ist dann doch nicht zu übersehen. Der Blick in die Familienalben sorgt nicht nur für so manchen Fotoschatz, sondern gibt einen Einblick, wie früher Weihnachten gefeiert wurde. Und so manches Ritual hat sich bis heute gehalten.

Jens Gehrke: Erst Bescherung, dann Raclette

385_0008_4427465_140Weihnacht_GehrkePorträtfoto Jens Gehrke 1985: Mein zweites Weihnachten, gerade bin ich ein Jahr alt geworden. Meine Eltern bereiten die Weihnachtsstube vor, schmücken die Nordmanntanne mit Kugeln und Lametta und stellen die Weihnachtskassette an. O du Fröhliche! Vater gibt um15 Uhr die Weihnachtsstube frei, Kinder, Eltern und Großeltern treten ein. Meine Schwester spielt Flöte und dann kommt die Bescherung – für einen Einjährigen der Höhepunkt des Tages. Die Freude über das Fisher-Price-Feuerwehr-Auto ist riesig. Nur widerwillig wende ich mich für das Foto – im neuen Pullover vom „Haus des Kindes“ in Geestemünde – von dem Fahrzeug ab. In der Kiste steckt kopfüber ein Stofftier-Schlumpf. Später gibt’s Raclette. Am Ablauf ändert sich in den Folgejahren nicht viel, nur der Kirchenbesuch kommt dazu und Lametta wird verbannt. Heute feiern wir Weihnachten mit unseren Kindern im Prinzip genauso. Wobei Würstchen mit Kartoffelsalat das doch etwas deftige Raclette abgelöst haben.

Bärbel Litfin: Erst Gerüchte, dann Bestätigung

385_0008_4427467_140Weihnacht_Litfin385_0008_2697364_140Litfin_fertig Was habe ich mich auf den Weihnachtsmann gefreut. Lied und Gedicht reichten – und schon gab er mir und meinen beiden Schwestern die liebevollen Geschenke. Woher der Opa im roten Mantel unsere Wünsche wusste, habe ich bewundert. Sonst wäre der nette Herr wohl kaum Weihnachtsmann geworden. Aber dann tauchten fiese Gerüchte auf: Den Weihnachtsmann gibt es nicht. Solche Gemeinheiten behaupteten ältere Kinder meiner 1. Klasse. Vater, Opa oder Onkel bringen mit rotem Mantel und Rauschebart-Maske die Geschenke. Aber zu mir kommt doch der „richtige“ Weihnachtsmann? Meine Mutti versicherte es und ich war glücklich. Dennoch nagten in einer kritischen Sechsjährigen wie mir Zweifel. Also guckte und hörte ich genau hin. Der Weihnachtsmann sprach wie Onkel Herbert. Und er hatte die gleichen Hände. Und Schuhe. Und Uhr. Ich brauchte Gewissheit. Geknickt schlich ich durch alle Räume – und fand den roten Mantel und die Rauschebart-Maske. Danach wollte nie erwachsen werden.

Heike Leuschner: Erst Oma, dann Weihnachtsmann

140Weihnachten_Leuschner Leise rieselte der Schnee – und das nicht nur im Jahre 1976 beim Weihnachtstheater im Kindergarten auf meinem Kopf (Zweite von links). Tatsächlich kann ich mich an viele frostigweiße Weihnachten in meiner erzgebirgischen Heimat erinnern. Leider gibt es davon kaum Beweisfotos. Nicht einen einzigen vorzeigbaren Beleg habe ich vom Besuch des Weihnachtsmannes, der mir lieb aber auch ein wenig ungeheuerlich erschien. Um so mehr habe ich Jahre später gestaunt, als ich erfuhr, dass sich unter dem – oft braunen – Mantel stets meine über alles geliebte Oma verbarg. Die leidenschaftliche Bäckerin hat mir das Fest aber nicht nur mit Präsenten, sondern auch mit selbst gebackenen Plätzchen und Dresdner Christstollen versüßt. Mein großartigstes Geschenk habe ich übrigens wenige Tage nach meinem Weihnachtsauftritt als Schneeflocke erhalten – ein Puppenhaus mit Licht in allen Räumen und sogar einer Klingel.

Kristin Seelbach: Erst Partykeller, dann Wohnzimmer

140Weihnachten_Seelbach Wenn alles leuchtet und glitzert und Schnee liegt – dann ist Weihnachten. Zumindest galt das in meinen Kindertagen in der Heimat. Wir feierten früher gemeinsam mit Großeltern, Onkel, Tanten und Cousinen in unserem Partykeller – aus Platzgründen. Schon am Nachmittag gab es erste Geschenke. Höhepunkt war aber die Bescherung am Abend im engsten Familienkreis. Den Weihnachtsbaum schmückten meine Eltern, für uns Kinder war das Wohnzimmer tabu. Damit wir keinen verfrühten Blick erhaschen konnten. Erst wenn es dunkel war, läutete meine Mama eine kleine Glocke. Mit großen Augen durften wir das Wohnzimmer betreten und Baum und Geschenke bewundern. Manche davon habe ich noch heute. Den Puppenwagen, den ich (auf dem Foto links) 1989, also mit vier Jahren, geschenkt bekommen habe zum Beispiel. Er wartet auf dem elterlichen Dachboden auf seinen nächsten Einsatz.

Christian Döscher: Erst würfeln, dann Geschenke

385_0008_4427461_140Weihnacht_DoescherChristian Döscher Mit dem Pulli könnte ich heute noch groß rauskommen, ich bin übrigens der kleinere. Stolz zeigen mein Bruder Martin und ich 1969 einen Teil unserer Geschenke. Geschenke, die am Vorabend der Weihnachtsmann gebracht hat, erinnern kann ich mich daran nicht. Eher schon an Auftritte bei meinen eigenen Töchtern. So hab ich mich mal gewundert, warum einer der Rauschebärte die vorher aufgeschriebenen guten Ratschläge („Auch mal Kartoffeln und nicht nur Süßigkeiten essen!“) völlig ignorierte und so gar nichts vom Zettel zum Besten gab. Er hatte schlicht seine Brille vergessen. Heiligabend wird heute bei uns noch nahezu wie früher gefeiert – die Kinder legen auch als Jugendliche noch größten Wert darauf. Erst wird geklingelt, die Weihnachtsgeschichte gelesen, es wird gesungen, dann werden die Geschenke ausgewürfelt, bei einer 6 darf man etwas auswählen, bei einer 1 gibt es eine Süßigkeit. Kartoffeln gab es ja schon vorher.

Andreas Schoener: Erst lang, dann kurz

385_0008_4427468_140Weihnacht_Schoener381_0008_696339_140Schoener1 Weihnachtsgeschenke auszupacken war für mich immer schon eine helle Freude. Auch wenn es Phasen gegeben hat, in denen ich aufgrund meiner langen Haare (im Foto ganz links) nicht recht sehen konnte, was ich da so in den Händen hielt. In meiner Familie, allesamt katholisch aus Überzeugung, galt ich Ende der 70er Jahre als „Revolutionär“, weil ich dem Frisör von einem Tag auf den nächsten Lebewohl gesagt habe. Weihnachten 1980 – es war die Zeit der Rebellion gegen vermeintlich festgefahrene Strukturen, es war die Zeit der ersten Liebe, es war die Zeit des Aufbruchs – eine schöne Zeit. Mein Vater und mein Bruder ignorierten damals meine „Matte“. Männer müssen schließlich zusammmenhalten. Nur meine Mutter ließ nicht locker. Sie flüsterte mir zu: „Wenn Du heute Nacht eingeschlafen bist, schneide ich Dir die Haare ab.“ Daraus wurde nix. Fortan habe ich meine Zimmertür abgeschlossen.

Tobia Fischer: Erst Kleidchen, dann Puppe

140Weihnacht_Fischer381_0008_933236_140Fischer_Portraet Heiligabend hieß in der Kindheit auch immer warten. Bereits einen Tag zuvor schlossen meine Eltern das Wohnzimmer ab. Es durfte erst wieder betreten werden, wenn ein Glöckchen die Ankunft des Christkindes verkündete. So lange mussten wir Kinder in unseren Zimmern ausharren, ohne uns lautstark zu streiten – was nicht immer klappte. Auf dem Foto, das Weihnachten 1965 entstanden sein muss, bin ich zwei Jahre alt. Was ich damals als Geschenk erhielt, sieht man auf dem Bildausschnitt nicht. Es war ein Puppen-Stubenwagen mit einer Schlummerle, einer Puppe mit Schlafaugen, die damals millionenfach verkauft wurde und die ich lange Zeit innig liebte. Selbstverständlich trugen wir Kinder an Heiligabend stets Festtagskleidung. Die Jungs weiße Hemden unter den neuen Pullovern und ich – wie auch auch später meine jüngere Schwester – eigens für den Anlass geschneiderte Kleidchen.

Christoph Reiprich: Erst Mutter, dann Vater

140Weihnachten_ReiprichChristoph Reiprich Acht Monate nach meiner Geburt sitze ich in einem gelben Spielzeug-Auto – mein erstes Weihnachtsgeschenk, das ich je bekommen habe. 28 Jahre später habe ich daran natürlich keine Erinnerungen mehr. Meine Mutter (rechts auf dem Foto) hat diesen Tag aber noch ganz genau vor Augen. „Nach deiner komplizierten Geburt, die Du beinahe nicht überlebt hast, war es für mich ein ganz besonderes Weihnachtsfest“, erzählt sie mir. Mittlerweile hat der Heilige Abend in unserer Familie einen nicht mehr ganz so hohen Stellenwert – was sicher auch damit zusammenhängt, dass meine Eltern getrennt leben. Dementsprechend besuche ich auch heute wieder sowohl die Mutter als auch den Vater und treffe mich anschließenden mit einigen Kumpels in einer Bar. Nach dem einen oder anderen Bierchen ist das Weihnachtsfest auch schon wieder vorbei. In einem Auto darf ich dann erst einmal nicht mehr sitzen.

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