Der Betroffene hört mit der Hörhilfe nicht ad hoc so wie früher. Das Gehirn muss sich erst daran gewöhnen, die hohen Töne nicht mehr zu hören. Wenn jetzt die Hörhilfe die hohen Töne wieder verstärkt, empfindet es das Hirn als störend.

Der Betroffene hört mit der Hörhilfe nicht ad hoc so wie früher. Das Gehirn muss sich erst daran gewöhnen, die hohen Töne nicht mehr zu hören. Wenn jetzt die Hörhilfe die hohen Töne wieder verstärkt, empfindet es das Hirn als störend.

Foto: Colourbox.de

Lotse

Erste Anzeichen für Schwerhörigkeit

29. April 2021 // 11:10

Probleme beim Hören sollten Menschen nicht herunterspielen. Schämen müssen sie sich dafür schon gar nicht. Auch nicht in jungen Jahren. Denn es sind nicht nur die älteren Semester, die im Wartezimmer des Hals-Nasen-Ohrenarztes zu sehen sind. Und dennoch: Viele Betroffene wollen keine Hilfe, sie verweigern sich – und nehmen damit gravierende Folgen in Kauf.

Jeder erlebt irgendwann eine Form der Höreinschränkung. Doch die Betroffenen werden jünger. Oft geht es nicht erst mit 40 los, manchmal schon in den Zwanzigern. „Es gibt sicher niemanden, der mit 90 Jahren noch normal hört“, sagt Prof. Christian Betz, Direktor der Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Der Grund: Die Lebensdauer der Innenohrhaarzellen ist begrenzt, sie können sich nicht mehr regenerieren.

Radio und Fernseher immer lauter

Der Betroffene selbst spürt den Hörverlust zwar. „Es ist aber nicht so, dass man plötzlich nichts mehr hört oder bestimmte Geräusche nicht mehr da sind“, sagt Betz. Sondern: „Es wird schwieriger, diese voneinander zu unterscheiden oder einzelnen Schallquellen zuzuteilen.“ So kann man zum Beispiel in einer Gruppe nicht mehr gut den Worten einer einzelnen Person folgen.

Das äußert sich auch im Haushalt – manchmal zum Leidwesen anderer. So werde beispielsweise das Telefon oder die Türklingel überhört sowie Fernseher und Radio lauter gestellt, ergänzt Stefan Zimmer, Vorsitzender des Bundesverbands der Hörgeräte-Industrie (BVHI).

Gespräche in Gruppen und am Telefon empfinden Betroffene häufig als anstrengend. Sie seien häufiger erschöpft, litten unter Verspannungen, schliefen in der Regel schlechter und mieden soziale Kontakte, so Zimmer. „Alarmierend wird es, wenn akustische Warnsignale wie zum Beispiel im Straßenverkehr nicht mehr wahrgenommen werden.“

Frühes Handeln ist gefragt

Dann gilt es zu handeln, denn: „Wird eine leichte Hörminderung früh behandelt, kann ein Fortschreiten verhindert werden“, sagt Zimmer. Ohne Hilfe dagegen verschlechtert sich das Hören weiter. Soziale Isolation und Depressionen sind mögliche Folgen. Auch die kognitiven Fähigkeiten könnten abbauen. „Eine Demenz kann die Folge sein“, sagt Mediziner Betz.

Trotzdem weigern sich viele, Hilfe anzunehmen. „Weil es ein schleichender Prozess ist, ist die Dunkelziffer an nicht adäquat versorgten Menschen sehr hoch“, sagt Betz. Werden die Betroffenen darauf angesprochen, spielen viele ihre Symptome herunter. (Mayr, dpa)

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