Alfred Prey Manager Fischtown Pinguins

Alfred Prey, Manager der Fischtown Pinguins, im Gespräch.

Foto: Yvonne Bösel/Studio 23

Lifestyle

„Ich bin ein assimilierter Norddeutscher“

Von Rita Rendelsmann
15. Oktober 2021 // 12:30

„Eishockey ist wie ein Virus, hochgradig ansteckend und wenn du ihn einmal in dir hast, wirst du ihn nie wieder los.“ Alfred Prey wurde schon als Kind in der Oberpfalz infiziert. „Wir spielten als kleine Buben schon auf dem Dorfweiher mit Freunden Eishockey – aber eben nur „Weiherhockey“ – zu mehr hat es nie gereicht.“

Die Sucht-Symptome des Managers der Fischtown Pinguins brachen 1992 verstärkt aus, als der ehemalige Marine-Ortungs-Offizier von seiner Station in Nordholz dem damaligen REV und heutigen Fischtown Pinguins kam. Wo er, seit nunmehr 29 Jahren auf mehreren Positionen tätig, bis heute seiner Sucht huldigt. Augenscheinlich die einzige Droge, der der stets korrekte Alfred Prey frönt. Oder? Die Wahl seines Getränks ist ein erster Hinweis: Wasser – „Vollsprudel“.

Fernweh

„Ich hatte schon immer ein wenig Fernweh in mir. Mein Vater, ein Dorfschneider, war davon wenig begeistert. Damals gab es noch die DDR und die Wehrpflicht. Mein Heimatdorf lag nahe der Grenze zur DDR und Tschechien und ich hatte nur die Wahl zwischen Porzellanfabrik oder Glashandwerk. Also verpflichtete ich mich für vier Jahre bei der Marine, fuhr zur See und kam schließlich zum Marinefliegergeschwader 3 nach Nordholz.“ Der 67-Jährige hält kurz inne und ergänzt: „Eigentlich hatte ich geplant, danach zurückzukehren, aber mein Vorgesetzter meinte – du kannst nicht nach Hause gehen, du kommst mit auf die Fregatte Lübeck nach Amerika.“ Also blieb Alfred Prey – bis heute.

Immer ans Wasser

„Ich kann mir nicht mehr vorstellen, woanders zu leben. Wenn meine Frau und ich von Reisen zurückkommen, müssen wir als Erstes immer zum Wasser und schauen, ob es noch da ist.“ Alfred Prey schmunzelt verschmitzt und stellt gleich klar: „Ich habe immer noch meinen Dialekt und ich werde auch niemals versuchen, Plattdeutsch zu sprechen oder im Matrosenhemd rumlaufen. Trotzdem bin ich mittlerweile ein assimilierter Norddeutscher.“

Das typische Schifferklavier spielte dagegen sein Vater, seine Schwester lernte Klavier und Alfred Prey blies die Trompete. „Ich habe auch ein Flügelhorn zuhause und manchmal probiere ich es nochmal. Aber dann greift meine Frau ein und sagt – Alfred, leg‘s weg, sonst verscherzen wir es uns mit den Nachbarn.“

Opern im Stadttheater

Kein Veto legt seine Monika dagegen ein, wenn die beiden Plätze in der ersten Reihe bei Opern oder Sinfoniekonzerten im Stadttheater ergattern können. „Ich sitze gerne vorne, damit ich in den Orchestergraben schauen kann.“ Er verrät, dass er Dvorak, Schubert, Tschaikowski und tschechische Blasmusik besonders mag. „Bei Opern bin ich mehr für klassische Inszenierungen mit einem opulenten Bühnenbild. Ein schönes Dram von Hauptmann sehe ich mir auch gerne an. Aber auch da bin ich eher klassisch unterwegs. Den Biberpelz stelle ich mir auch am liebsten mit Inge Meysel vor.“ Jetzt lacht Alfred Prey gelöst auf, als er sich die Schauspielerin in der Rolle der resoluten Mutter Wolffen vorstellt.

Sein Ein und Alles

Er überrascht noch mehr mit seinem Feinsinn für kulturelle Metropolen. „Lissabon ist eine meiner Lieblingsstädte, Portugal mein liebstes Urlaubsland. Wenn du im Sommer die Avenida Libertad entlang schlenderst, ist die Zeit irgendwie stehen geblieben. Alles hat einen morbiden Charme und eine Leichtigkeit. Im Zentrum wohnen noch Menschen und erfüllen alles mit Leben. Das liebe ich.“

Neben Lissabon und dem Eishockey sind die drei Enkelkinder das Ein und Alles des zweifachen Vaters. „Ich hätte nie gedacht, dass ich so eine enge Bindung zu Ihnen aufbauen könnte. Aber sie sind mein ganzer Stolz“, berichtet Alfred Prey mit leuchtenden Augen. „Wenn ich nach einem Spiel nach Hause fahre und der 8-Jährige die Übertragung im Web gesehen hat, ruft er mich häufig an.

Alle drei sind wie wir vom Eishockey infiziert. Wenn die beiden Jungs aus Potsdam zu Besuch sind, spielen sie oft den ganzen Tag auf einem auf der Straße mit Kreide gemalten Eishockey-Feld. Ich habe einen alten Pokal und mit ihren Freunden aus der Nachbarschaft tragen sie dann richtige Turniere aus.“

Tipps von Talentscouts

Dieses Höchstmaß an Identifikation mit dem Eishockey im Allgemeinen und den Fischtown Pinguins haben auch die Spieler, die zum Großteil aus dem europäischen Ausland oder von Übersee kommen. „Wir sind gut vernetzt, halten unsere Augen immer offen und arbeiten mit Talentscouts zusammen, die wir schon lange kennen. Daher bekommen wir dann auch mal einen Tipp, wenn ein Spieler nach Deutschland kommen will. Und da in Dänemark dienstags und freitags gespielt wird, fahren wir manchmal schnell rüber, um uns da Spiele anzuschauen. Wenn uns jemand auffällt, hat natürlich der Trainer das letzte Wort, ob ein Kandidat von der Spielanlage ins Team passt. Ich brauche den persönlichen Kontakt und habe ein ganz gutes Gespür, ob jemand menschlich zu uns passt. Bisher habe ich ganz selten ins Klo gegriffen. Aber auch das kommt vor!

Wohlfühleffekt

Man muss klar sagen, was die Spieler erwartet. Bremerhaven ist keine Metropole und die Menschen schätzen Ehrlichkeit. Aufgesetztes Gehabe passt hier einfach nicht her. Der Wohlfühleffekt bei den Spielern ist das Geheimnis unseres Erfolges. Nur, wer sich wohlfühlt, kann auch Leistung bringen. Denn sind wir doch mal ehrlich, Spieler wie ein Mike Moore oder ein Jan Urbas könnten ganz woanders spielen, wenn es ihnen nur um Geld ginge. Aber sie sind hier, weil sie sich wohlfühlen und wir hier Fans haben, die immer hinter uns stehen. Sie sind der siebte Mann auf dem Eis.“

Euphorie des Publikums

Alfred Prey berichtet davon, wie der schwedische Meister zum Champions League Spiel anreiste und eine Überraschung erlebte: „Die waren beeindruckt von der Publikumsbindung. Als wir in Unterzahl spielten, haben uns die Fans getragen. Mit denen im Rücken kannst du Berge versetzen. Deren Euphorie überträgt sich auf die Spieler. Das ist, als wenn du jedem Einzelnen intravenös Adrenalin spritzt.“

Jetzt wissen wir endlich, wonach ein Alfred Prey süchtig ist.

In der Bar des Vier-Sterne-Superior Hotels Haverkamp

Alfred Prey Manager der Fischtown Pinguins

„Die Fans sind unser siebter Mann auf dem Eis“. Alfred Prey, Manager der Fischtown Pinguins

Foto: Yvonne Bösel/Studio 23

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