Da keine alltägliche Bewegung nur auf ein Gelenk beschränkt ist, ist es sinnvoll, beim Sport möglichst viele Muskelgruppen zu beanspruchen.

Da keine alltägliche Bewegung nur auf ein Gelenk beschränkt ist, ist es sinnvoll, beim Sport möglichst viele Muskelgruppen zu beanspruchen.

Foto: Unsplash/Benjamin Klave

Gesundheit
Anzeige

Sport mit Alltagsbewegungen

16. Oktober 2021 // 10:00

Der Fitnesstrend Functional Training kam vor etwa 15 Jahren aus den USA nach Deutschland. Der Ursprung liegt, wie bei so vielen Fitnesstrends, in der Rehabilitation von Verletzungen. Mittlerweile erfreut sich das Training großer Beliebtheit, denn hiermit werden der komplette Körper sowie Bewegungsabläufe trainiert.

Treppensteigen, Gartenarbeit, Fahrradfahren, Fenster putzen – bei solchen und ähnlichen Tätigkeiten betreibt man eigentlich Functional Fitness. Denn: Es werden dabei keine einzelnen Muskeln, sondern eher mehrere Muskelgruppen und Gelenke gleichzeitig angesprochen. Und zwar genau die, die man im Alltag oder bei der Arbeit immer wieder braucht.

„Functional Fitness ist ein Ganzkörper-Training, bei dem es um die Stabilisation der Gelenke, des gesamten Rumpfes und die Verbesserung der Körperwahrnehmung geht“, erklärt Aline Stenzel, Fitnessökonomin bei der AOK Bremen/Bremerhaven. Damit unterscheidet sich Functional Fitness vom Krafttraining mit Geräten, wo es häufig um den Aufbau einzelner Muskeln geht. Statt mit Beinpresse und Co. zu arbeiten, nutzt man beim Functional Training im Grunde das eigene Körpergewicht als „Gegner“. Das bedeute, dass man bei den Übungen selbst für die Körperstabilität sorgen müsse, statt sich auf ein Gerät zu verlassen, sagt Stenzel.

Flexible Übungen

Funktionell bedeutet „zweckmäßig“. Da keine alltägliche Bewegung nur auf ein Gelenk beschränkt ist, ist es sinnvoll, beim Sport möglichst viele Muskelgruppen zu beanspruchen und damit auch das Zusammenspiel von Muskeln zu verbessern. Im Functional Fitness finden sich Grundbewegungen wieder, die in vielen Sportarten vorkommen: hierzu gehören beispielsweise Laufen, Springen, Hüpfen und Drehen. Aber auch Bewegungen des täglichen Lebens wie Aufstehen, Aufrichten, Heben, Gehen und Tragen sind Teil des Trainings.

„Das Ganze gepaart mit einer gehörigen Portion Intensität macht es möglich, innerhalb einer Stunde ein höchst effektives Training für Kraft und Ausdauer zu absolvieren“, sagt Aline Stenzel. „Da alle Übungen flexibel gestaltbar sind, kann das Training exakt auf das individuelle Leistungsniveau jedes Teilnehmers angepasst werden.“

Fokus auf Gelenke

Neben Muskelgruppen liegt der Fokus beim Functional Fitness auf den Gelenken. Einzeln betrachtet, haben dabei alle Gelenke eine spezifische Hauptfunktion: entweder Stabilität oder Mobilität. Auffällig dabei ist, dass Mobilität und Stabilität sich abwechseln. Das Fußgelenk braucht Mobilität, das Knie Stabilität, die Hüfte Mobilität, die Lendenwirbelsäule Stabilität, die Brustwirbelsäule Mobilität, das Schulterblatt Stabilität und das Schultergelenk Mobilität (Quelle: „Michael Boyle: Fortschritte im Functional Training: Neue Trainingstechniken für Trainer und Athleten“, Riva Verlag, 2012).

Wenn ein Gelenk, das eine Mobilitätsfunktion hat, zu steif ist, wird das benachbarte Gelenk gezwungen, diese Einschränkung bei den Bewegungen auszugleichen. Dieses Gelenk arbeitet dann nicht in seiner physiologisch vorgesehenen Weise, was unter anderem zu Schmerzen führen kann. Jedes Gelenk ist dementsprechend anfällig für bestimmte, leicht vorhersehbare Funktionsstörungen und muss daher auf spezifische Weise trainiert werden (Quelle: „AOK-Functional Fitness“, AOK-Verlag, 2019).

Einstieg für Anfänger

Functional Training ist in der Regel schwieriger umzusetzen als ein gerätegestütztes Krafttraining im Studio. Trainingseinsteiger sollten bei der Übungsausführung intensiv von geschultem Fachpersonal begleitet werden, um Trainingsfehler zu vermeiden. Für Anfänger ist ein gemeinsames Training im Kurs sinnvoll. Hier wird an grundlegenden (Alltags-) Bewegungen gearbeitet sowie die Ausdauer, Mobilität und Koordination geschult. Vor allem soll aber die funktionelle Kraft im Sinne von natürlichen, auf den Alltag anwendbaren Bewegungen aufgebaut werden. Dazu kann man sich verschiedenster Übungen mit dem eigenen Körpergewicht oder diversen Hilfsmitteln wie Fitnessbändern, Hanteln, Stangen, Medizin- oder Gymnastikbällen bedienen.

„Abgerundet wird das Workout von einer aktiven Erholungsphase und einem anschließenden Cooldown“, erläutert Stenzel. „Durch die individuelle Ausrichtung der Übungen kann man Über- und Unterforderung vermeiden und dennoch gemeinsam in der Gruppe trainieren und sich gegenseitig motivieren“, so die Fitnessökonomin.

AOK-Gesundheitskurse

Die AOK bietet ihren Versicherten ein umfassendes und abwechslungsreiches Kursangebot. Zur Auswahl stehen Kurse zur Stressbewältigung, Entspannung, Ernährung und Bewegung wie zum Beispiel auch Functional Fitness. Mit dem persönlichen AOK-Gesundheitsgutschein (aok.de/hb/gesundheitskurse) kann man zweimal im Jahr kostenfrei an einem der Kurse teilnehmen.

Weitere Informationen:

Fitnessband-Übungen: Fit dank Widerstand: aok.de/pk/magazin/sport/fitness/fitnessband-uebungen-fit-dank-widerstand

Youtube > Suchbegriffe: AOK Functional Fitness

AOK-Expertenforum „Fitness & Bewegung“: aok.de/forum

Sportmedizinische Untersuchung: Wer regelmäßig Sport treibt oder damit beginnen möchte, kann bei einer sportmedizinischen Untersuchung seinen Fitness-Zustand prüfen lassen. Die AOK Bremen/Bremerhaven übernimmt im Rahmen des Programms 750 PLUS (aok.de/bremen/750plus) einmal im Jahr 80 Prozent der Rechnung für eine sportmedizinische Untersuchung bei einem Vertragsarzt.

Trainingseinsteiger sollten bei der Übungsausführung von geschultem Fachpersonal begleitet werden, um Trainingsfehler zu vermeiden.

Trainingseinsteiger sollten bei der Übungsausführung von geschultem Fachpersonal begleitet werden, um Trainingsfehler zu vermeiden.

Foto: Unsplash/Rinke Dohmen

Beim Functional Training wird mit dem eigenen Körper-gewicht gearbeitet, unter anderem mit Hilfe von Hanteln, Stangen oder auch Medizin- und Gymnastikbällen.

Beim Functional Training wird mit dem eigenen Körper-
gewicht gearbeitet, unter anderem mit Hilfe von Hanteln, Stangen oder auch Medizin- und Gymnastikbällen.

Foto: Unsplash/Karsten Winegeart

Immer informiert via Messenger
Angela Merkels ist nach 16 Jahren nicht mehr Kanzlerin. Was bleibt am meisten in Erinnerung?
241 abgegebene Stimmen
Folge den Pinguins via Messenger