Der Forschungseisbrecher "Polarstern" im Eis.

Die „Polarstern“ war Teil der MOSAiC-Expedition, die bisher größte Arktis-Expedition der Welt.

Foto: AWI/Mario Hoppmann

Bremerhaven
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Bremerhaven

40. Geburtstag des Forschungseisbrechers „Polarstern“

9. Dezember 2022 // 09:13

Die „Polarstern“ ist Eisbrecher, Forschungsschiff und Versorger. Seit 40 Jahren können sich die Forschenden auf das Schiff verlassen.

Marmeladeneimer oder solides Schiff?

Die Erfolgsgeschichte des berühmten Forschungseisbrechers „Polarstern“ begann mit einem Vergleich: „Wollen wir einen Marmeladeneimer oder ein solides, herzeigbares Schiff für die deutsche Antarktisforschung?“ Mit dieser Frage an den damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) hatte sein Parteigenosse, der Bremerhavener Bundestagsabgeordnete Horst Grunenberg, die Zukunft der „Polarstern“ gesichert.

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40. Geburtstag der FS „Polarstern“

Heute ist der Forschungseisbrecher ein Flaggschiff der Meeresforschung und feiert seinen 40. Geburtstag. Weltberühmt wurde das Schiff mit dem Heimathafen Bremerhaven im Zuge der MOSAiC-Expedition, als sich der Eisbrecher ab September 2019 ein Jahr lang eingefroren im Eis durch das Nordpolarmeer treiben ließ.

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Größte Arktis-Expedition der Welt

19 Nationen waren an dieser bisher größten Arktis-Expedition der Welt beteiligt – wissenschaftlich wie finanziell. 500 Forscher und Besatzungsmitglieder wechselten sich während der Expedition an Bord ab. Rund 140 Millionen Euro kostete die MOSAiC-Expedition, von der sich die Wissenschaftler fundamentale Erkenntnisse über den Klimawandel erhoffen.

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220 Millionen Mark für das Forschungsschiff

Aber zurück zur Geburtsstunde der „Polarstern“ am 9. Dezember 1982: Ohne die berufliche Erfahrung und politische Überzeugungskraft von Horst Grunenberg hätte das Schiff mit dieser Leistungsstärke und Ausstattung nie gegeben. Der Bremerhavener SPD-Mann, ein gelernter Schiffbauer, überzeugte Bundeskanzler Helmut Schmidt, dass ein solides Forschungsschiff mehr Geld kosten würde. Am Ende waren es samt wissenschaftlicher Erstausstattung 220 Millionen Mark – der Eintrittspreis in die Antarktis. Urspünglich waren im Haushalt des Bundesforschungsministers für den Bau des neuen Schiffes nur 50 Millionen Mark vorgesehen.

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Hunderttausende unerforschte Quadratkilometer Eis

Es war ein kleiner Krebs, der in den 1970er Jahren das Interesse an den unwirtlichen Breiten im Süden der Erde geweckt hatte: Krill. Während die traditionellen Fanggebiete der deutschen Fischer im Nordatlantik Stück für Stück in nationale Wirtschaftszonen aufgeteilt wurden, stand das Südpolarmeer allen offen. Konnte der Krill also den Kabeljau ersetzen, den Deutschland vor Island und Norwegen nicht mehr fangen durfte? Und was ließe sich wohl noch so alles finden unter Hunderttausenden unerforschter Quadratkilometer Eis und Schnee?

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Geburtsstunde des Alfred-Wegener-Instituts

Wenn Deutschland hier mitreden wollte, musste es jedoch erst mal seinen Fuß in die Antarktis setzen – in Form einer Forschungsstation. Das war die Geburtsstunde des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) und seiner ersten Neumayer-Station. „Welches Schiff dort zum Einsatz kommen sollte, darüber ist lange hin und her diskutiert worden“, erinnerte sich der langjährige Fahrtleiter Prof. Dr. Dieter Fütterer. Die einen wollten einen Fischdampfer zur Erforschung der Krillschwärme bauen, die anderen einen Frachter zur Versorgung der geplanten Station, wieder andere ein richtiges Forschungsschiff. Fütterer: „Bei derart vielen unterschiedlichen Vorstellungen war es reine Glückssache, dass am Ende so ein gutes Schiff dabei herausgekommen ist.“

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„Polarstern“ unterwegs im Dienst der Wissenschaft

Forschungsminister Heinz Riesenhuber stellte die „Polarstern“ am 9. Dezember 1982 offiziell in Dienst. Anschließend legte er am Alten Hafen den Grundstein für das erste AWI-Gebäude.

An ihrem „Geburtstag“ ist die „Polarstern“ unterwegs im Dienst der Wissenschaft: Am 20. November sind die Forscher mit dem Schiff zur Expedition „PS133-2 „Island Impact“ ausgelaufen. In den Schelfgewässern der Islands of South Georgia sowie weiter stromabwärts im antarktischen Zirkumpolarstrom werden Quellen von Eisen, Nährstoffen, Spurenelementen und verschiedenen Kohlenstoffverbindungen untersucht. (nz)

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