WhatsApp hat in vielen Ländern längst die SMS ersetzt. In Brasilien müssen die Menschen derzeit auf den Nachrichtendienst verzichten.

WhatsApp hat in vielen Ländern längst die SMS ersetzt. In Brasilien müssen die Menschen derzeit auf den Nachrichtendienst verzichten.

Foto: Tongo/dpa

Netzwelt

Brasilien blockiert WhatsApp für 100 Millionen Nutzer

Von nord24
3. Mai 2016 // 12:38

Der in Brasilien von rund 100 Millionen Menschen genutzte Kurzmitteilungsdienst WhatsApp ist auf Anordnung eines Richters für drei Tage blockiert worden. Die Facebook-Tochter bezeichnete den Schritt als völlig unverständlich und überzogen.

Der Grund: WhatsApp soll Chat-Protokolle für Kriminalfälle aushändigen

Die Richterentscheidung war den fünf führenden Telekom-Anbietern des fünftgrößten Landes der Welt übermittelt worden. Damit soll WhatsApp gezwungen werden, Chat-Protokolle in Kriminalfällen an die Ermittler auszuhändigen. Die Blockade soll bis Donnerstagnachmittag dauern.

Auch Facebooks Vizepräsident in Lateinamerika wurde in Brasilien schon festgenommen

Der drastische Schritt wurde von dem Richter Marcel Montalvão im Bundesstaat Sergipe angeordnet, der auch die kurzzeitige Festnahme des Vizepräsidenten von Facebook für Lateinamerika, Diego Dzodan, Anfang März verfügt hatte. Dzodan wurde damals vorgeworfen, er habe sich einer richterlichen Anordnung widersetzt, Gesprächsprotokolle mutmaßlicher Drogenhändler an die Ermittler weiterzugeben. Worum es in dem aktuellen Fall genau geht, wurde zunächst nicht bekannt.

WhatsApp hat SMS-Nachrichten fast komplett abgelöst

Seit Montagnachmittag funktionierte der Dienst in Brasilien nicht mehr, einzelne Ausnahmen gab es zeitweise mit WLAN-Verbindungen. WhatsApp hat in Brasilien die SMS-Nachrichten weitgehend abgelöst, mit einer Internetverbindung können über den Dienst kostenlos Nachrichten, Fotos und Videos verschickt werden.

Kopfschütteln bei WhatsApp

WhatsApp reagierte mit Unverständnis - im Rahmen der Möglichkeiten habe man immer mit der brasilianischen Justiz kooperiert. Der Dienst stellte jüngst komplett auf Ende-zu-Ende-Verschlüsselung um, bei der auch die WhatsApp-Ingenieure keinen Zugriff auf die Inhalte der Unterhaltungen haben. "Diese Entscheidung bestraft mehr als 100 Millionen Brasilianer, die unseren Service zur Kommunikation brauchen", kritisierte der Dienst. Mitgründer und Chef Jan Koum betonte zugleich, man werde nicht nachgeben und die Sicherheit der Milliarde WhatsApp-Nutzer weltweit gefährden. (dpa)

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