Der Papst hat gestern die griechische Insel Lesbos besucht und sich zum Flüchtlingsdrama geäußert.

Der Papst hat gestern die griechische Insel Lesbos besucht und sich zum Flüchtlingsdrama geäußert.

Foto: Panagiotou/dpa

Politik

Flüchtlingskrise: Papst appelliert auf Lesbos an Gewissen der Welt

Von nord24
16. April 2016 // 16:51

  Dramatischer Appell: Papst Franziskus und orthodoxe Würdenträger haben von der griechischen Insel Lesbos aus die Welt zur Solidarität mit Flüchtlingen aufgerufen. "Wir hoffen, dass die Welt die Bilder dieser tragischen und verzweifelten Not sieht und auf eine Weise reagiert, die unserer gemeinsamen Menschlichkeit angemessen ist", sagte das katholische Kirchenoberhaupt gestern bei einer Ansprache vor Insassen des Flüchtlingslagers Moria auf Lesbos. Tausende warten dort hinter meterhohem Stacheldraht auf ihre Rückführung in die Türkei - so wie es der umstrittene EU-Flüchtlingspakt vorsieht.

Tiefe Besorgnis

In einer gemeinsamen Erklärung drückten Franziskus und die orthodoxen Kirchenführer Bartholomaios I. und Heronymus II. ihre tiefe Besorgnis über die tragische Situation der Flüchtlinge, Migranten und Asylsuchenden aus. "Die Welt kann die kolossale humanitäre Krise nicht ignorieren, die durch die Verbreitung von Gewalt und bewaffneten Konflikten entsteht", heißt es darin. "Aus Lesbos appellieren wir an die internationale Gemeinschaft, mutig auf diese massive humanitäre Krise und ihre Gründe zu reagieren - durch diplomatische, politische und wohltätige Initiativen." Solange es erforderlich sei, müssten alle Länder Menschen in Not vorübergehend Asyl gewähren. "Europa steht heute eine der schlimmsten humanitären Krisen seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs gegenüber."

Papst: Europa ist die Heimat der Menschenrechte

Ausdrücklich wandte sich der Papst bei einem Treffen mit Inselbewohnern und der christlichen Gemeinschaft an die Verantwortlichen in Europa. "Europa ist die Heimat der Menschenrechte, und wer auch immer seinen Fuß auf europäischen Boden setzt, sollte das spüren, sollte diese Rechte respektieren und dafür kämpfen." Migranten seien keine Nummer in der Statistik, sondern in allererster Linie Menschen mit Gesichtern, Namen und ihrer jeweiligen Lebensgeschichte.

Flüchtlinge fliegen mit nach Rom

Überraschend nahm er nach seiner mehrstündigen Visite drei muslimische Familien aus Syrien mit nach Rom. Die zwölf Flüchtlinge, darunter sechs Kinder, sollen nach Vatikanangaben vorerst im Kirchenstaat untergebracht werden. Kommentatoren werteten den Schritt als Kritik an einer Politik der Abgrenzung und der geschlossenen Grenzen in Europa. "Wir sind alle Flüchtlinge", sagte der Papst bei einer Gedenkzeremonie im Hafen des Hauptortes Mytilini, Er übergab gemeinsam mit Bartholomaios und Hieronymus drei Kränze in Erinnerung an die getöteten Bootsflüchtlinge dem Meer.    

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