Armin Laschet lacht, während Bundespräsident Steinmeier (nicht im Bild) vor die Mikrofone tritt.

Armin Laschet lacht, während Bundespräsident Steinmeier (nicht im Bild) vor die Mikrofone tritt.

Foto: Marius Becker/dpa

Politik

Laschet im Krisengebiet: Ein Fettnapf zu viel?

Von Anne-Beatrice Clasmann
18. Juli 2021 // 16:55

Patzige Interview-Antworten, eine verrutschte Maske - es gibt Pannen im Leben eines Kanzlerkandidaten, die einen Tag lang für Aufregung sorgen und dann wieder vergessen sind. Der Ausrutscher vom Samstag, als Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet bei einem Besuch in Erftstadt im unpassenden Moment lacht, könnte so ein Fall sein. Vielleicht wird dem CDU-Vorsitzenden die dadurch ausgelöste Diskussion darüber, ob er das Format hat, die nächste Bundesregierung zu führen, aber auch langfristig schaden. Sie trifft ihn in einem ungünstigen Moment. Denn in den Wählerumfragen ging es für die Union zuletzt wieder etwas bergauf.

Laschet und der Termin mit Bundespräsident Steinmeier in Erftstadt

Was ist eigentlich passiert? Am vergangenen Donnerstag telefoniert der NRW-Regierungschef mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Sie sprechen über die schwierige Lage im Katastrophengebiet im Westen Deutschland, wo zu diesem Zeitpunkt schon Dutzende Menschen tot aus den Wassermassen geborgen worden sind. Laschet lädt Steinmeier ein, die Region zu besuchen. Ein Termin am Samstag in Erftstadt wird vereinbart.

Steinmeier tritt vor die Mikrofone, im Hintergrund lacht Laschet

Im Ortsteil Blessem ist es zu gewaltigen Erdrutschen gekommen. Drei Wohnhäuser und ein Teil der historischen Burg sind eingestürzt. Das Ausmaß der Verwüstung ist schockierend. Menschen sind in schrecklicher Ungewissheit über das Schicksal vermisster Verwandter oder müssen mit dem Schlimmsten rechnen. Laschet und Steinmeier sprechen mit Einsatzkräften. Dann tritt der Bundespräsident vor die Mikrofone der wartenden Journalisten. Er spricht den Betroffenen sein Mitgefühl aus. Im Hintergrund ertönen immer wieder Martinshörner. Fahrzeuge der Feuerwehr rauschen vorbei. Steinmeier sagt: „Wir trauern mit denen, die ihre Freunde, Bekannten, Familienangehörige verloren haben - ihr Schicksal zerreißt uns das Herz“. Kurz darauf sieht man Laschet, der etwa zehn Meter hinter Steinmeier mit einem Landrat und anderen in einer kleinen Gruppe zusammensteht. Er lacht.

SPD-Vize Kevin Kühnert ätzt gegen Laschet

Kameraleute fangen den Moment ein. Als das Video auch in sozialen Medien verbreitet wird, reagieren viele Menschen empört. „Eine Frage des Charakters“, ätzt SPD-Vize Kevin Kühnert bei Twitter. Der Pianist Igor Levit schreibt, ihm fielen zwei Kanzlerkandidaten ein, „denen solch würdeloses Verhalten nicht passiert wäre“.

Der CDU-Vorsitzende entschuldigt sich

Laschet teilt später mit, er bedauere „den Eindruck, der durch eine Gesprächssituation entstanden sei“. Und räumt ein: „Dies war unpassend und es tut mir leid.“ Der CDU-Vorsitzende betont: „Uns liegt das Schicksal der Betroffenen am Herzen, von dem wir in vielen Gesprächen gehört haben.“

Der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete Ruprecht Polenz verteidigt den Kanzlerkandidaten

Es gibt auch Menschen, die Laschet, der als Wahlkämpfer und Chef der Landesregierung im Katastrophengebiet unter enormem Druck steht, gegen Kritik verteidigen. Einer von ihnen ist der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete Ruprecht Polenz. Er schreibt bei Twitter: „Laschet hat einen Fehler gemacht. Er hat sich entschuldigt. Jetzt wird kritisiert, er entschuldige sich nur für „den Eindruck“. Der Eindruck, der entstanden ist: Laschet lacht über das Leid (so in zig Kommentaren zu lesen). Dieser Eindruck konnte entstehen - er war aber falsch.“ Andere finden, ein Lachverbot dürfe es nirgendwo geben, auch nicht bei traurigen Anlässen. (dpa/mb)

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