Die Dockmeister  Holger Brüning  (links) und Reiner Riggers studieren den Plan des nächsten Schiffes, das ins Dock soll.  Foto Scheer

Die Dockmeister Holger Brüning (links) und Reiner Riggers studieren den Plan des nächsten Schiffes, das ins Dock soll. Foto Scheer

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Schiffe & Häfen

Die Dockmeister der Lloyd Werft

Von Christoph Barth
5. Februar 2016 // 08:00

Der Westwind fegt mit unbarmherziger Wucht über den Werfthafen. „Bei so‘m Sturm wird das mit dem Docken schwierig“, sagt Reiner Riggers. Der Dockmeister der Lloyd Werft drückt seinen Helm fester in die Stirn, damit er nicht davonfliegt. Zum Glück muss heute kein Schiff rein oder raus. Im Dock 1 liegt die „Mito Strait“, ein kleines Containerschiff. Riggers steigt die steile Betontreppe hinab. Mit jeder Stufe scheint das Schiff zu wachsen, bis es turmhoch in den grauen Himmel ragt. Der Rumpf ist mit Flecken alter und neuer Farbe übersät; von einem Steiger aus trägt ein Maler die nächste Schicht auf.

Das Schiff muss stehenbleiben

Spätestens alle fünf Jahre muss ein Schiff wie die „Mito Strait“ ins Dock. Dann schlägt die Stunde von Reiner Riggers und Holger Brüning. Sie sind die Dockmeister der Lloyd Werft, verantwortlich dafür, dass die Schiffe schnurgerade ins Dock hineinkommen, zentimetergenau abgesetzt werden – und vor allem stehenbleiben, sobald das Wasser wieder abgelassen wird. Entscheidend ist dabei die exakte Positionierung der Lager - zusammengeschraubte Stapel aus Stahlkästen und Holzbohlen, auf denen das Schiff abgestellt wird. Aus dem Gewicht, der Form des Rumpfes und der genauen Position von Loten, Leckschrauben und Seekästen errechnen die Dockmeister vor jeder Dockung einen Lagerbauplan: Wo genau müssen die Kiellager stehen, um das Schiff zu tragen, ohne wichtige Bauteile zu verdecken? Wo müssen die seitlichen Kimmlager den Rumpf stützen? Docken ist immer Chefsache. Beide Dockmeister und ein knappes Dutzend Mann sind nötig, um ein Schiff exakt auszurichten und auf den Lagern abzusetzen.  Am Ende aber stand noch jedes Schiff kerzengerade im Dock. „Umgekippt“, sagt Riggers, „ist uns noch keins. Und das möchte ich auch nicht erleben.“  

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