Glasfaser: Abflug in die digitale Freiheit

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Glasfaser: Abflug in die digitale Freiheit

8. Dezember 2020 // 13:37

Wie sieht technischer Fortschritt im Alltag aus? Und in welchen Bereichen profitiert man von einer stabilen Glasfaserleitung? hallonachbar.de zu Besuch bei Familie Lanfermann in Cloppenburg.

Es ist ein sonniger Herbstabend, als Heike Lanfermann zum ersten Mal in diesem Jahr gewhamt wird. Mit ihrem fünfjährigen Sohn Tamo steht sie in der Küche und backt zusammen mit ihm einen Kuchen. Bei Familienvater Dirk kommen frühweihnachtliche Gefühle auf: Er nimmt das iPad und tippt bei Spotify auf den Wham!-Song „Last Christmas“. Seiner Frau Heike entfährt ein spontanes „Yeaaah!“ Im Englischen würde der lachende Ehegatte jetzt sagen: „Honey, you’ve just been whammed.“

Serien streamen und online spielen

Ohne stabile Internetverbindung hätte der Gag wahrscheinlich nur halb so gut funktioniert. Die Lanfermanns wohnen seit 2015 in der Siedlung Blumenviertel, einem der vielen Neubaugebiete in Cloppenburg, und sind wie viele Familien in der Gegend bereits weitgehend digitalisiert. Tamo streamt auf dem Tablet gerne „Pokémon“ oder andere Serien bei Disney+, während seine Eltern die neuesten Angebote bei Netflix, Amazon Prime oder Sky schauen. Auch Live-Fußball per DAZN darf nicht fehlen, vor allem, da Werder Bremen in diesem Jahr mit Ach und Krach doch noch den Abstieg in die Zweite Bundesliga abwenden konnte und Dirk als langjähriger Fan „jedes Mal mitfiebert und mitleidet“, wie er sagt.

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Glasfaser: 300 Megabit pro Sekunde

Die Internetverbindung bekommt Familie Lanfermann im gewünschten Tarif per Glasfaserleitung, die mit 300 Megabit pro Sekunde für Hochgeschwindigkeit sorgt. Es gibt aber noch mehr im Haus, das Bandbreitenhunger mitbringt: etwa die digitale Wassersteuerung für den Garten, die WLAN-Nutzung der Smartphones oder demnächst weitere Smart-Home-Komponenten, die verschiedene Anwendungen wie Jalousien, Fußbodenheizung und Beleuchtung miteinander koppeln werden. Damit alles ineinandergreift und funktioniert, ist aber eine gewisse Bandbreite notwendig: „Der Unterschied zwischen einer Kupferleitung und Glasfaser ist eigentlich ganz einfach zu erklären: Bei Glasfaser werde ich nicht mehr ausgebremst. Unsere Wunschbandbreite nutzen wir mittlerweile für alle möglichen Sachen“, sagt Dirk Lanfermann.

Entspannt von zu Hause arbeiten per Breitbandverbindung

Dazu gehört für Familie Lanfermann auch das Thema mobiles Arbeiten – und das nicht erst, seit Corona in diesem Jahr für neue Arbeitssituationen in deutschen Wohnzimmern gesorgt hat. Heike ist Ingenieurin und Projekt­leiterin für Hoch- und Tiefbau bei Airbus in Bremen, Ehemann Dirk ist studierter Elektro­ingenieur, arbeitet bei einem Cloppenburger Industriedienstleister, der unter anderem Gasförderanlagen betreut. Beide sind Anhänger des „papierlosen Büros“ und arbeiten per Laptop flexibel an verschiedenen Orten. „Wenn ich von zu Hause aus etwa Zugriff auf die Software-Datenbanken meines Arbeitgebers haben will, dann bin ich auf eine schnelle Glasfaserverbindung angewiesen. Mit einem älteren Anschluss wäre das nicht möglich“, so Dirk Lanfermann.

Warum Glasfaser? Kupferleitungen sind störanfällig

Was einfach und unkompliziert klingt, ist in Wahrheit hochkomplexe Technologie. Während alte und bestehende DSL-Leitungen die Daten per Kupferkabel transportieren, sorgen die Glasfaseranschlüsse für rapiden Transfer, der nahezu Lichtgeschwindigkeit erreicht. Hört sich nach Science-Fiction an – Michael Heidkamp aus dem EWE-Vorstand bringt es auf den Punkt: „Kupfer ist eine bewährte Technik, bremst aber das Internet. Je länger das Kupferkabel, desto geringer die Bandbreite, die bei den Kunden ankommt. Die alte Technik ist auch nicht zuverlässig und zudem störanfällig, etwa im Sommer, wenn es viele Gewitter gibt. Das kann bei Glasfaser so nicht passieren, weil die Leitungen viel länger durchgeschaltet sind. Was noch viel wichtiger ist: Glasfaser ermöglicht Datenübertragungen quasi ohne Geschwindigkeitsbegrenzungen. 1.000 Megabit pro Sekunde sind für den Endkunden kein Problem mehr.“

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Digitalisierung im Alltag

Dahinter steckt nicht einfach nur ein neues Produkt, das Telekommunikationsanbieter unters Volk bringen wollen, sondern weitaus mehr. Deutschland digitalisiert sich, durch die Corona-Pandemie sogar deutlich schneller als bislang gedacht. Die Defizite liegen aber auf der Hand, wie man am Beispiel Homeschooling erkennen kann. Vielen Schulen in der Region mangelt es noch an entsprechender Hardware und der notwendigen Infrastruktur, um Kinder sowie Jugendliche digital fit zu bekommen. Viele Eltern zeigen dann gerne auf Bildungssysteme in Skandinavien, beispielsweise nach Norwegen oder Finnland, wo die Digitalisierung bereits viel selbstverständlicher in den Alltag integriert ist.

Glasfasernetz wird weiter in der Region ausgebaut

Damit sich diese Vorzeigeverhältnisse auch rasch im Nordwesten Deutschlands etablieren, hat EWE das Thema nach ganz oben auf die Agenda gesetzt. Um zukünftig noch mehr Haushalte an das Glasfasernetz anschließen zu können, wurde in diesem Jahr mit der Telekom Deutschland das Unternehmen Glasfaser NordWest gegründet. Das übernimmt den eigenfinanzierten Glasfaserausbau und wird in den kommenden zehn Jahren bis zu zwei Milliarden Euro in den Glasfaserausbau im Nordwesten investieren können.

Förderverfahren für ländliche Regionen

Dennoch ist Geduld gefragt, denn der Ausbau erfolgt schrittweise und ist nicht allerorts möglich. Bei sehr ländlichen und entlegenen Gebieten wird stets geprüft, ob der Aufwand wirklich lohnt, dort eine Tiefbaukolonne zu beauftragen, um kilometerlange Leitungen zu legen. Hier kommen dann nur noch Förderverfahren der Kommunen in Betracht. Allerdings kann auch nicht überall gleichzeitig ausgebaut werden, das würde den Ausbau insgesamt nur ausbremsen. Der digitale Wandel wird mehr und mehr kommen, eines aber bleibt: der schöne Moment, wenn man jedes Jahr wieder zum ersten Mal den Song „Last Christmas“ hört.

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