Ein Mann niest. Beim Niesen fliegen viele Tröpfchen durch die Luft. Auf diese Weise kann sich auch das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 verbreiten.

Ein Mann niest. Beim Niesen fliegen viele Tröpfchen durch die Luft. Auf diese Weise kann sich auch das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 verbreiten.

Foto: dpa

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Superspreader: Wie sie Corona verbreiten

Von Gisela Gross
9. Juni 2020 // 16:27

Es geschah Anfang März, als das neue Coronavirus zwar schon im Gespräch, der Alltag aber noch frei von Beschränkungen war. Fast 80 Mitglieder der Berliner Domkantorei probten in einem Saal. In den nächsten Wochen hatten knapp 60 Teilnehmer Corona-Symptome und wurden positiv auf das Virus getestet. Wahrscheinlich hat eine Sängerin als Superverbreiter die anderen angesteckt. Ähnlich läuft es in vielen Hotspots ab - auch in der Region.

Ein Muster dieser Pandemie

Was aller Wahrscheinlichkeit auch bei der Chorprobe passierte, hat sich als eines der Muster der Corona-Pandemie herauskristallisiert: ein Anlass, Dutzende Ansteckungen, womöglich Hunderte Folgefälle. Bekannt wurden in Deutschland so unter anderem die „Kappensitzung“ in Gangelt in NRW und Starkbierfeste in Bayern. International ähnelt sich das Bild: Vom Après-Ski in Tirol bis hin zu einem Clubbesuch in Südkorea, auf den rund 200 Infektionen zurückgehen sollen. Hierzulande sind Großveranstaltungen zwar noch immer verboten. Mit den Lockerungen in vielen Bereichen könnten sich dem Virus allerdings neue Chancen bieten.

Die „Superverbreiter"

Fachleute sprechen von sogenannten Superspreadern, wenn jemand bei einem Anlass viel mehr Menschen ansteckt als zu erwarten wäre. Auf Deutsch könnte man sie Superverbreiter nennen. Bei Sars-CoV-2 nehme man an, dass ein Infizierter ohne Gegenmaßnahmen durchschnittlich drei andere Menschen anstecken würde, sagt der Infektiologe Bernd Salzberger vom Universitätsklinikum Regensburg. Wissenschaftler nehmen allerdings bei Sars-CoV-2 inzwischen eine deutliche Ungleichverteilung an: Dass wenige Leute ganz viele andere Menschen anstecken, die meisten Infizierten hingegen niemanden oder nur wenige Menschen, wie der Virologe Christian Drosten kürzlich im NDR-Podcast zusammenfasste. Je nach Schätzung machten maximal 20 Prozent der Infizierten 80 Prozent der Ausbreitung aus.

Die Theorie mit den Aerosolen

Wer zum hochansteckenden Zeitpunkt zu Hause sitzt - bei Corona ist das nach derzeitigem Kenntnisstand wohl oft der Tag vor Symptombeginn -, wird eher kein Massenverbreiter. Neben einem Anlass gelten auch die Zahl der Kontakte und das Verhalten als entscheidend: „Singen und lautes Sprechen sind die besten Wege, um ein Aerosol zu erzeugen“, sagt Salzberger. Aerosole sind feinste Tröpfchenkerne, die im Gegensatz zu größeren Tröpfchen längere Zeit in der Raumluft schweben können. Vermutet wird derzeit, dass ein guter Teil der Corona-Ansteckungen darauf zurückgeht - gerade in Situationen wie Chorproben und Gottesdiensten, bei denen Teilnehmer nicht nur einige Minuten zusammen verbringen.

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