Viktor Skripnik, der Trainer von Werder Bremen, steht unter Druck

Viktor Skripnik, der Trainer von Werder Bremen, steht unter Druck

Foto: Jaspersen/dpa

Sport
Werder Bremen

Viktor Skripnik hat seine Lockerheit verloren

Von Torsten Melchers
29. Februar 2016 // 18:54

Was ist bloß mit Viktor Skripnik passiert? Als er seinen Dienst als Bundesligatrainer von Werder Bremen antrat, war er unbekümmert. Eine grün-weiße Seele mit putzigem Deutsch. Seine Lockerheit übertrug sich auf die Mannschaft, die er vom letzten Platz noch fast in den Europapokal führte. Aber in dieser Saison? Skripnik ist nicht mehr locker – und das Auswirkungen auf sein Team. 

Skripnik lieferte immer aufrichtige Antworten

In seinem ersten Jahr war der Werder-Trainer sehr aufrichtig. Wenn er nach einem bestimmten Spieler gefragt wurde, hat er darauf geantwortet, selbst, wenn das für den betreffenden Profi nicht besonders schmeichelhaft war. Und nach dem 2:3 gegen Stuttgart wunderte er sich, dass sich die Spieler auf der Ersatzbank nicht ausreichend über Werder-Tore gefreut hätten. Aus Skripniks Sicht waren solche Anmerkungen nie als grundsätzliche Kritik gemeint, sondern eine ehrliche Betrachtung des Augenblicks. Diese fehlende Diplomatie ist Skripnik von der Geschäftsführung damals sicher angekreidet worden.

Skripnik nimmt sich in der Öffentlichkeit zurück

Das führte dazu, dass der Trainer sich in der Öffentlichkeit zurücknahm. Mittlerweile spricht er nur noch in Worthülsen. „Wir achten nur auf uns“, sagt er vor jedem Spiel. „Wir müssen nach vorne schauen.“ Das mag diplomatischer sein als früher, aber es ist nicht mehr authentisch. Da spricht nicht mehr der echte Skripnik. In der Bundesliga müssen die Fußballer in jeder Partie und in jedem Training alles geben. Drei oder fünf Prozent weniger machen oft den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage aus. Wenn das auch für Trainer gilt, hat Werder ein Problem, denn Skripnik fehlen nun ebenfalls drei oder fünf Prozent seiner eigentlichen Stärke.

Experimente des Trainers gehen schief

Und mit jedem verlorenen Punkt wächst die Verunsicherung. Dann probiert er verrückte Sachen und schickt zum Beispiel im wichtigen Abstiegsspiel in Ingolstadt den jungen Lukas Fröde auf den Rasen statt einiger erfahrener Recken. Es war nicht das einzige Experiment, das schiefging. Skripnik wechselt mittlerweile fast wöchentlich die Taktik, und auch personell ist keine Handschrift zu erkennen. Skripnik wirkt allmählich verzweifelt, denn er ist nicht nur Trainer, sondern gleichzeitig auch glühender Fan von Werder Bremen. Er sehnt sich so sehr die guten alten Zeiten herbei, an denen er selbst mitgewirkt hat, dass er Niederlagen nur schwer ertragen kann. Und eigentlich ist seine Mannschaft auch gut genug, im Mittelfeld der Liga zu landen.

Rückendeckung von Werder Bremens Vereinsspitze

Der Verein stärkt dem Trainer den Rücken. Nicht nur wegen seiner grün-weißen Vergangenheit und wegen genereller Zweifel, ob ein Trainerwechsel was bringt, sondern auch, weil Skripnik die Mannschaft nach wie vor erreicht. Die Pokalspiele und das 3:1 auf Schalke haben das gezeigt. Thomas Eichin wäre aber ein schlechter Manager, wenn er nicht trotzdem schon den Markt sondiert. Bis auf weiteres spielt Skripnik also auf Bewährung.

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