Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge (rechts) tröstet vermeintlich aus spontaner Betroffenheit heraus Hoffenheims Mäzen Dietmar Hop.

Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge (rechts) tröstet vermeintlich aus spontaner Betroffenheit heraus Hoffenheims Mäzen Dietmar Hop.

Foto: Revierfoto/dpa

Sport

ZDF-Doku wirft neues Licht auf „Skandalspiel“ um Dietmar Hopp

28. März 2021 // 17:45

Der coronabedingte Ausschluss der Fans aus den Stadien hat den Konflikt zwischen Ultras, Dietmar Hopp und dem Deutschen Fußball-Bund nur aufgeschoben,keinesfalls gelöst, wie eine am Samstagabend ausgestrahlte ZDF-Dokumentation verdeutlicht.

Bemerkenswerte Einblicke

Warum der langjährige Mäzen von Bundesligist 1899 Hoffenheim seit Jahren so attackiert wird, warum ihn Fans auf Bannern zur Zielscheibe machen und beleidigen, warum dahinter viel mehr steckt - dazu offenbarte „Der Prozess: Wie Dietmar Hopp zur Hassfigur der Ultras wurde“ bemerkenswerte und brisante Einblicke. Die Frage des Umgangs mit den Ultras sorgte gar für ein Zerwürfnis auf höchster Ebene im Deutschen Fußball-Bund.

Sky-Moderator vorher informiert

Der 80-jährige Hopp selbst wollte sich nach Angaben des ZDF nicht äußern, das tat dafür sein Anwalt Christoph Schickhardt. Hopps Freund Uli Hoeneß gab zu, dass er von den Ultras bereits im Vorfeld des „Skandalspiels“ Hoffenheim gegen Bayern informiert worden sei. Die Bayern-verantwortlichen, Hopp, die Schiedsrichter des DFB und sogar Sky-Kommentator Kai Dittmann sind vorher instruiert worden, zeigt die Dokumentation auf. Die vermeintlich spontane Reaktion, die von der „Bild“ sogar zur „Geste des Jahres“ gekürt wurde, erscheint damit in anderem Licht. Die Vorgehensweise des Fast-Spielabbruchs sei eigentlich nur für Rassismus gedacht, räumen Verantwortliche ein. Das Spiel war im Februar 2020 zwar beim Stand von 0:6 noch zu Ende gespielt worden, Spieler beider Mannschaften hatten sich den Ball aber nur noch hin und her geschoben, während die Funktionäre an der Seite Beifall klatschten.

Kritische Fragen an Ultras

Die ganze Liga habe Bescheid gewusst, sagt einer von zwei Vertretern der Bayern-Fangruppierung „Schickeria“, die sich in dem Film äußern. Die obszöne Wortwahl („Hurensohn“) sei nicht der normale Sprachgebrauch, doch mit normaler Sprache „hätten wir niemals im Leben Gehör gefunden“, sagt einer der Fans. Das DFB-Sportgericht hatte im Februar 2020 Fans des BVB für zwei Jahre für Gastspiele bei den Kraichgauern ausgeschlossen und damit eine Bewährung widerrufen. Diese Kollektivstrafe sei ein „Tabubruch“, der alle Fans angehe. Die beleidigende Wortwahl sei aus Solidarität mit den Dortmundern gewählt, finden die Fan-Vertreter. Auch sie müssen sich kritische Fragen von Moderator Jochen Breyer gefallen lassen. (mit dpa)

Im März 2020 überschlugen sich Medien und Verantwortliche noch mit zum Teil einseitiger Verurteilung der Fans. Bei NORD|ERLESEN sah der Autor dieses Textes das da bereits etwas anders und stellte fünf Thesen auf: Was steckt eigentlich hinter dem Protest und was sollte passieren, um die Lage zu beruhigen?

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