Ein leeres Verwaltungsgebäude in der nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl aufgegebenen Kleinstadt Prypjat.

Ein leeres Verwaltungsgebäude in der nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl aufgegebenen Kleinstadt Prypjat.

Foto: Stein/dpa

Terrorismus

30 Jahre Super-GAU: Das sind die Folgen der Tschernobyl-Katastrophe

Von nord24
25. April 2016 // 21:30

Eines der schlimmsten und traurigsten Unglücke der Menschheitsgeschichte jährt sich zum 30. Mal: die Tschernobyl-Katastrophe. Es war Sonnabend, 26. April 1986, als nachts um 1:23 Uhr Ortszeit im sowjetischen Atomkraftwerk Tschernobyl ein Experiment außer Kontrolle geriet - Reaktor vier explodierte. Der Super-GAU, der größte anzunehmende Unfall, war eingetreten. 

Tschernobyl läutete Ende der UdSSR ein

Ähnlich katastrophal war nur noch 25 Jahre später die Kernschmelze im Kraftwerk Fukushima in Japan. Aber die Katastrophe von Tschernobyl, an deren Folgen die Menschen vor Ort noch immer zu leiden haben, läutete auch das Ende der bis dahin als stabil geltenden Sowjetunion ein. Tagelang verschwieg die sowjetische Führung unter Generalsekretär Michail Gorbatschow das Unglück.

Radioaktive Wolke breitete sich über Europa aus

Doch nicht nur der Norden der Ukraine, auf deren heutigem Territorium das Unglück geschah, wurde 1986 verstrahlt. Die radioaktive Wolke traf vor allem das benachbarte Weißrussland, den Westen Russlands, dann verteilte sie sich Richtung Skandinavien und Westeuropa. Die Katastrophe und ihre Folgen im Überblick:
  • 28. April 1986: In Polen und Skandinavien wird enorm hohe Radioaktivität gemessen, die später in geringerem Ausmaß in Teilen Deutschlands und anderen Ländern Europas auftritt. Die sowjetische Nachrichtenagentur Tass gibt am Abend bekannt, dass sich im Atomkraftwerk Tschernobyl ein Unglück ereignet hatte.
  • 29. April 1986: Die Stadt Prypjat mit 50 000 Einwohnern unmittelbar am AKW-Gelände wird geräumt. Bis heute ist sie eine Geisterstadt.
  • 4. Mai 1986: Behörden beginnen mit der Räumung aller Orte in einer 30-Kilometer-Sperrzone. Insgesamt müssen 400 000 Menschen ihre Heimat verlassen.
  • 6. Mai 1986: Das Moskauer Parteiorgan "Prawda" nennt erste Einzelheiten zum Unglück. Zugleich kritisiert das Blatt die Reaktion westlicher Staaten. In Deutschland verbieten mehrere Bundesländer den Verkauf von Freilandgemüse und untersagen die Benutzung von Sportplätzen.
  • 14. Mai 1986: Kremlchef Michail Gorbatschow informiert mit einer Fernsehansprache zu Tschernobyl die Öffentlichkeit.
  • 29. September 1986: In Tschernobyl geht Reaktorblock 1 wieder in Betrieb, die Blöcke 2 und 3 folgen im November.
  • 15. November 1986: Nach fünf Monaten Bauzeit ist der Betonsarkophag als Schutzmantel um den Unglücksreaktor fertig. Regen, Frost und Sturm setzen dem 65 Meter hohen Provisorium zu. Später bilden sich mehr als 100 Risse, tragende Wände drohen einzustürzen.
  • 15. Dezember 2000: Als letzter Reaktorblock geht Nummer 3 vom Netz. Für die Stilllegung von Tschernobyl bekommt die ukrainische Regierung 3,1 Milliarden DM (knapp 1,6 Milliarden Euro) von der EU.
  • 26. April 2012: Der Bau einer Stahlhülle über dem mehrfach notdürftig sanierten Sarkophag beginnt. Die Kosten werden auf gut 2,1 Milliarden Euro geschätzt. Die 108 Meter hohe Hülle soll im November 2017 fertig sein und die Umgebung 100 Jahre lang vor Strahlung schützen.

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