Rheinland-Pfalz, Mainz: Fußball: Bundesliga, FSV Mainz 05 - Werder Bremen, 13. Spieltag im im Stadion Opel Arena. Bremens Mannschaft jubelt nach dem Treffer zum 0:1 durch Bremens Eren Dinkci (2.v.l).

Eren Dinkci (mit Ball in der Hand) bekommt viele Glückwünsche.

Foto: Torsten Silz/dpa

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Sport

So freut sich Werder Bremen mit Eren Dinkci

Von Björn Knips, deichstube.de
20. Dezember 2020 // 14:23

Mehr erstes Mal geht eigentlich nicht: Eren Dinkci hat bei seiner ersten Kader-Berufung zum ersten Mal gespielt und mit seinem ersten Ballkontakt sein erstes Bundesliga-Tor erzielt. Damit war der 19-Jährige auch noch der Matchwinner beim so wichtigen 1:0-Sieg des SV Werder Bremen beim FSV Mainz 05.

Co-Trainer Tim Borowski und das Bauchgefühl bei Dinkci

Und wem hat er das zu verdanken? Co-Trainer Tim Borowski, der am Samstag bei seinem Chef Florian Kohfeldt mit einem ganz besonderen Bauchgefühl so hartnäckig am Ball geblieben war, bis der Trainer des SV Werder Bremen Eren Dinkci tatsächlich kurz vor Schluss einwechselte – und damit auch den Sieg.

Kohfeldt und das breite Grinsen

„,Boro‘ hat mir den ganzen Tag über gesagt und noch mal beim Rausgehen ins Stadion, es gebe solche Tage – und heute sei so ein Eren-Dinkci-Tag“, berichtete Kohfeldt und gestand mit einem breiten Grinsen im Gesicht: „Dann habe ich auf einen Nationalspieler gehört.“ Borowski hat immerhin 33-mal für Deutschland gespielt, dazu noch 236 Mal in der Bundesliga (für Werder Bremen und den FC Bayern). Immerhin 34 Tore sind ihm dabei gelungen. Und offenbar ist ihm ein Gespür dafür geblieben, wer als nächstes treffen könnte. Oder hat Borowski etwa häufiger solche Eingebungen, die sich dann gar nicht bewahrheiteten? „Aus dem Innenleben des Trainer-Teams berichte ich nur, wenn sich die Geschichten positiv entwickeln“, antwortete Kohfeldt mit einem noch breiteren Grinsen im Gesicht.

Dinkci als Ersatz für Bittencourt im Kader

Die Dinkci-Geschichte war auch einfach nur zu schön. Das Stürmer-Talent hatte es allerdings lediglich in den Kader geschafft, weil Leonardo Bittencourt nach einer Sprunggelenksverletzung im Abschlusstraining nicht mehr einsatzfähig war. Dazu fehlten ohnehin schon Niclas Füllkrug, Davie Selke und Milot Rashica verletzungsbedingt, da wurde dringend ein Stürmer gebraucht. Und Eren Dinkci hat für die U23 in dieser Regionalliga-Saison bis zur Corona-Pause in acht Partien immerhin sieben Treffer erzielt. Auch im Training bei den Profis konnte er immer mal wieder positiv auf sich aufmerksam machen.

Der Knipser vom SC Borgfeld

Er ist ein Knipser. Deswegen hat ihn Werder Bremen vor knapp zwei Jahren verpflichtet – „von einem kleineren Bremer Verein, der für eine gute Jugendarbeit steht“, lobte Kohfeldt den SC Borgfeld, der schon Dortmunds Nationalspieler Julian Brandt hervorgebracht hat. Dinkci unterschrieb im Januar bei Werder einen Vertrag bis 2022, ließ sich aber zunächst noch wieder an seinen alten Klub ausleihen, um die Saison mit seinen Freunden in der U19 zu beenden. Das passt zu seiner Art.

Viel Lob für den ruhigen Dinkci

„Er ist ein sehr ruhiger, zurückhaltender Typ, spricht nicht so viel. Er ist sehr, sehr fleißig. Er überhöht sich überhaupt nicht“, sagte Kohfeldt über Eren Dinkci, der neben dem SC Borgfeld auch die SV Hemelingen und den ATSV Sebaldsbrück in seiner Vita stehen hat. Und diese Klubs können ihren Jungs nun sagen, dass es auch über sie möglich ist, in die Bundesliga zu gelangen. Es muss eben nicht immer das Nachwuchsleistungszentrum eines Profi-Klubs sein.

22 Tore in 20 Spielen der U19-Bundesliga

In seinem ersten Werder-Jahr schoss Dinkci mal eben so 22 Tore in 20 Spielen der U19-Bundesliga. In der U23 machte der türkische U19-Nationalspieler (ein Einsatz) in der Regionalliga Nord gleich so weiter. „Er hat Eigenschaften, die sind schwer zu lernen: Geschwindigkeit, Tiefe, den Riecher“, berichtete Kohfeldt und lobte: „Das Tor hat er schon richtig gut gemacht. Die Bewegung, da zu sein, das war kein Glück, das war sehr gut gemacht.“ Bei einer Flanke von Tahith Chong war Dinkci seinem Gegenspieler von Mainz 05 clever entwischt und dann mutig per Kopf im Fünf-Meter-Raum zum Ball gegangen. Fünf Minuten nach seiner Einwechslung, kurz vor Ende der regulären Spielzeit. Eine Erlösung für den SV Werder Bremen, der damit seine Sieglos-Serie von neun Partie ohne Dreier und vier Niederlagen am Stück beenden konnte.

Kohfeldt will keinen Hype um Dinkci

Doch bei aller Freude über das Tor und vor allem den Matchwinner mahnte Kohfeldt: „Ich will keinen Hype, ich weiß, was das für diese Jungs bedeuten kann.“ Der Coach erinnerte an Johannes Eggestein und Josh Sargent, der vor fast genau zwei Jahren ebenfalls in seinem ersten Spiel mit seinem ersten Ballkontakt getroffen hatte. Die Erwartungshaltung sei bei diesen jungen Spielern plötzlich enorm gewesen. Aber ohne die nötige Geduld gehe es nicht. Auch nicht bei Eren Dinkci. Der 19-Jährige habe schließlich noch so manches Thema zu bearbeiten. Zum Beispiel die Passsicherheit oder das Verhalten im Raum – und beim Oberkörper und den Beinen dürfe gerne noch „ein bisschen Stabilität dazukommen“, meinte Kohfeldt und empfahl dem Talent damit indirekt den regelmäßigen Besuch des Kraftraums.

Werder will das Talent schützen

Der gebürtige Bremer wird sich das gewiss nicht zweimal sagen lassen. Öffentlich reden darf er noch nicht, Werder Bremen will ihn schützen. Das hat bei den jungen Spielern inzwischen Tradition. Wie es mit Dinkci bei den Profis weitergeht, lässt Kohfeldt bewusst etwas offen. „Ich verhindere nichts“, sagte er, verwies aber auch darauf, dass es für Dinkci schwer werden könnte, wenn das namhafte Trio Füllkrug, Rashica, Selke im Januar wieder zurückkehre. Das gehöre zu der Entwicklung eines Talents dazu. Da müsse auch ein Dinkci durch, aber der Anfang sei schon mal sehr vielversprechend gewesen: „Eren hat heute gezeigt, dass er ein Bundesliga-Tor machen kann. Das ist schon mal eine sehr gute Eigenschaft, wenn man die besitzt.“ (kni/mb)

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