Mann an Rednerpult

Klaus Filbry, Geschäftsführer von Werder Bremen, hat eine Menge Arbeit vor sich. Die Finanzlage bei den Grün-Weißen ist nicht einfach.

Foto: Sina Schuldt/dpa

Werder Bremen

Werder Bremen benötigt dringend fremdes Geld

Von Björn Knips und Carsten Sander, deichstube.de
8. Oktober 2020 // 10:20

Werder Bremen braucht nach dem geplatzten Transfer von Milot Rashica dringender denn je fremdes Geld. Bislang ist nur etwa ein Drittel der 30 Millionen Euro, die dem Klub wegen der Corona-Krise fehlen, aufgefangen worden.

Werder Bremen fehlen 20 Millionen Euro

Und zwar durch die Reduzierung des Gehaltsetats mittels Spielerabgängen und Gehaltsverzicht der verbliebenen Profis. Heißt: 20 Millionen fehlen weiterhin. Ein Rashica-Verkauf hätte einen Großteil davon abdecken können, doch daraus wurde nichts. Jetzt geht es nur über Kredite. Doch auch das gestaltet sich schwieriger als gedacht. Der beantragte KfW-Kredit ist noch nicht bewilligt, ein Plan B muss also her. Und der muss so gut sein, dass er weiter anwachsende Fehlbeträge gleich mit ausgleicht. Denn laut Klaus Filbry, Geschäftsführer des SV Werder Bremen, drohen in der laufenden Saison weit größere Mindereinnahmen als bislang kalkuliert.

Zuschauer-Rückkehr ab Januar wohl eher unrealistisch

„Unsere Erwartungen gingen dahin, dass wir ab Januar wieder vor Zuschauern spielen dürfen. Doch das ist Stand jetzt eher unrealistisch“, sagt Filbry und spricht von einem „Drohpotenzial von weiteren zehn bis 15 Millionen Euro“, wenn die Stadiontore auch in der Rückrunde geschlossen bleiben. Was angesichts aktuell steigender Corona-Zahlen zu befürchten ist.

„Die Lage ist für jeden Klub bedrohlich“

Wohin das alles führt? „Die Lage ist für jeden Klub bedrohlich“, erklärt Filbry, kassiert die Aussage die laufende Saison betreffend aber auch gleich wieder ein. Die Spielzeit sei durch Kredite abgesichert. Wobei: Fix ist noch nichts. Der bei der staatlich gestützten Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gestellte Kreditantrag – angeblich in einer Höhe von 15 Millionen Euro – ist noch nicht durchgewunken.

KfW-Kredit wackelt noch

Und vielleicht wird er das auch nie, weil Kredite für Bundesliga-Klubs politisch eventuell nicht gewollt sind. Werder Bremen benötigt aber zeitnah Geld. Laut Filbry wird deshalb „sehr zielstrebig an einem alternativen Kreditplan ohne KfW-Beteiligung, aber zu ähnlichen Bedingungen, gearbeitet – „weil wir nicht wissen, ob der KfW-Kredit bewilligt wird oder nicht. Greift aber eines der beiden Modelle, sind wir für die Saison durchfinanziert.“

Ablösesumme für Davie Selke wird im Sommer 2021 fällig

Aber was heißt das schon? Die Bremer Probleme enden gewiss nicht mit der Saison. Im Sommer werden – den Klassenerhalt vorausgesetzt – elf Millionen Euro für Davie Selke fällig. Dann wiederholt sich, was vor wenigen Tagen schon passierte. Leistungsträger Davy Klaassen musste verkauft werden, um die Ablöse-Altlasten Ömer Toprak und Leonardo Bittencourt abzutragen.

Rashica dürfte an Marktwert deutlich verloren haben

Dass Milot Rashica am Saisonende noch der Spieler sein wird, der das Geld bringt, muss mehr als bezweifelt werden. Rashica ist im Winter-Transferfenster „natürlich ein Verkaufskandidat“ (Zitat Filbry), um die fehlenden 20 Millionen Euro mit Verspätung einzubringen. Aber diese Summe gibt der Marktwert des 24-Jährigen längst nicht mehr her. Mindestens ein weiterer Leistungsträger müsste also von Werder Bremen verkauft werden. Es ist folglich an wenigen Fingern abzuzählen, dass die gerade zu Ende gegangene Transferperiode in punkto Enttäuschungspotenzial in Zukunft noch überboten werden könnte.

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