Bremens Trainer Florian Kohfeldt gibt ein Interview am Spielfeldrand vor Spielbeginn

Florian Kohfeldt präsentiert sich selbstbewusst.

Foto: Torsten Silz/dpa

Werder Bremen

Werder geht angriffslustig ins Berlin-Spiel

Von Björn Knips, deichstube.de
1. Januar 2021 // 18:54

Werder Bremen gibt sich vor dem Duell mit dem 1. FC Union Berlin angriffslustig und will zum Jahresbeginn einen Heimsieg einfahren.

Bremens „Co-Retter“ kommt

Der SV Werder Bremen hat es auch der Schützenhilfe des 1. FC Union Berlin zu verdanken, dass im Weserstadion am Samstag ein Erstliga-Spiel steigt. Mit viel Dankbarkeit und Demut haben die Grün-Weißen im Sommer auf ihr eigenes Überleben im Abstiegskampf reagiert, doch passend zum Jahreswechsel und zum Duell mit „Co-Retter“ Union am Samstag (15.30 Uhr, Weserstadion) gibt es nun einen kleinen, aber feinen Stimmungswandel. Werder macht sich nach den zwei Pflichtspielsiegen kurz vor Weihnachten nicht mehr so klein, wie es manchmal noch in den ersten Monaten der Saison gewirkt hatte und blickt optimistischer, angriffslustiger nach vorne.

Kohfeldt fordert selbstbewusst einen Sieg

Mit dem Tabellensechsten aus Köpenick sieht Trainer Florian Kohfeldt sein Team hinsichtlich der individuellen Qualität „auf Augenhöhe“ und fordert durchaus selbstbewusst einen Sieg: „Das ist ein sehr, sehr wichtiges Spiel, mit dem wir uns sehr stabil in der Tabelle platzieren können. Wir wollen unbedingt gewinnen.“ Kurz vor Weihnachten hatte Kohfeldt eher noch nach unten geschaut, den Abstand von vier Punkten zum Relegationsplatz und vor allem von acht Zählern auf den ersten Abstiegsrang hervorgehoben. Nun spricht er davon, dass Werder Bremen als Tabellen-13. mit dem Durchbrechen der Sieglos-Serie von neun Partien durch das 1:0 in Mainz den Sprung ins untere Mittelfeld geschafft habe und weiter nach oben strebe. Und das nach dem zusätzlichen Erfolgserlebnis im Pokal gegen Hannover „mit einer etwas breiteren Brust“, so Kohfeldt, ohne dabei aber dem Team gegen Union Berlin auch nur eine Spur von Nachlässigkeit durchgehen zu lassen: „Ich war diese Woche sehr wachsam. Das Training am Mittwoch hat mir nicht gefallen, das habe ich auch sehr deutlich angesprochen. Wir dürfen uns nicht den geringsten Abfall von Spannung erlauben.“

Union Berlin kommt ohne Max Kruse

Gerade Union Berlin würde so etwas gnadenlos bestrafen. Auch ohne Topscorer Max Kruse. Wobei Kohfeldt der verletzungsbedingte Ausfall seines Ex-Spielers alles andere als ungelegen kommt: „Es ist schon okay für uns, dass er nicht dabei ist...“ Union spiele insgesamt eine sehr gute Saison, würde stabil punkten (übrigens auch ohne Kruse – fünf Zähler in drei Partien) und hätte dabei klare Stärken und Schwächen. Letztere nannte Kohfeldt freilich nicht, sondern warnte lieber vor den gefährlichen Standards der Berliner und dem guten Umschaltspiel. „Wir müssen sehr aufmerksam sein.“ Das traut er seiner teilweise noch sehr jungen und unerfahrenen Mannschaft absolut zu. Anders als die bisherigen Gegner aus dem oberen Tabellendrittel wie Bayern, Leipzig, Dortmund oder Wolfsburg stellte der Coach den 1. FC Union Berlin schon als etwas kleineres Kaliber dar – und zudem als einholbar. „Wir wollen den Abstand reduzieren“, betonte Kohfeldt. Aktuell trennen Werder Bremen und die Berliner noch beachtliche sieben Zähler.

„Die Latte nicht so niedrig legen“

Dieses Ziel, Vereine wie Union nicht aus den Augen verlieren zu wollen, passte zum Eindruck des Stimmungswandels bei Werder Bremen. Genauso wie Kohfeldts ausdrücklicher Hinweis: „Ich bin überhaupt kein Freund davon, sich zu klein zu machen. So sind wir vor drei Jahren auch angetreten, indem wir gesagt haben, wir wollen etwas erreichen und die Latte nicht so niedrig legen, damit man sie bloß nicht reißt. Der Meinung bin ich auch weiterhin.“ Nur hatte es sich zuletzt eher danach angehört, als sei die kleinstmögliche Hürde – also der Klassenerhalt – aufgestellt worden. Was angesichts der Transferpolitik mit dem Verzicht auf viele erfahrene Kräfte sowie dem ersatzlos gebliebenen Verlust von Leistungsträger Davy Klaassen nicht total abwegig war. Wahrscheinlich sogar realistisch. Aber eben auch ziemlich ernüchternd.

Werder will sich in der Liga stabil halten

Die Außendarstellung hat sich nun nach 14 Punkten aus 13 Spielen und einigen soliden Auftritten der neuen Mannschaft geändert. Angesprochen auf die Werder-Visionen, die er nach der Vertragsverlängerung von Frank Baumann gemeinsam mit dem Sportchef im Kopf habe, meinte Kohfeldt: „Wir müssen eine Mannschaft aufbauen, in der wir junge Spieler oder auch andere Spieler weiterentwickeln, um Werte für Werder Bremen zu schaffen. Dabei müssen wir uns stabil in der Liga halten. Das sind Ziele, die zwar bei Weitem nicht so sexy klingen wie ,Wir wollen nach Europa‘, aber von den Rahmenbedingungen her sind diese Ziele genauso ambitioniert, wie sich vor drei Jahren hier hinzusetzen und zu sagen, Europa sei das Ziel.“

Erinnerungen an die 100 Kisten Bier

Der Mittelweg ist nun offenbar die Lösung und würde durch einen Sieg gegen Union Berlin auch sportlich wahrscheinlicher. Mutlos hatte Kohfeldts Team nur selten agiert, aber offenbar verordnet der Coach sich und seinen Spielern nun noch etwas mehr Wagemut statt Demut. Das Thema Dankbarkeit hakte derweil Sportchef Baumann ab. Natürlich wisse jeder bei Werder Bremen ganz genau, dass der 3:0-Sieg von Union Berlin gegen Fortuna Düsseldorf am letzten Spieltag den Bremern die Rettung über die Relegation überhaupt erst ermöglicht hatte. „Im Sommer haben ja schon unsere Fans die eine oder andere Kiste Bier vor Ort übergeben“, erinnerte Baumann an eine denkwürdige Aktion mit 100 Kisten Bier und ganz viel zusätzlichem Spendengeld. Nun gehe es aber wieder um Fußball. Und dabei hat Baumann nicht vergessen, dass der letzte Besuch der Unioner im Weserstadion vor elf Monaten mit einer 0:2-Pleite „sehr weh getan hat“. (kni/mb)

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