Der Weichen für den Weg von Johannes Eggestein sind noch nicht gestellt.

Der Weichen für den Weg von Johannes Eggestein sind noch nicht gestellt.

Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Werder Bremen
Sport

So steht‘s um Jojo Eggestein und Niklas Schmidt

Von Carsten Sander, deichstube.de
22. Juli 2021 // 10:09

Ohne Vorinformationen über Johannes Eggestein und Niklas Schmidt ist Markus Anfang nicht zu Werder Bremen gekommen. Er wusste sogar sehr viel über die Profis, die beide aus der Werder-Jugend stammen und nun, mit 23 Jahren, am Scheideweg ihrer Karrieren stehen.

Viele offene Fragen rund um die beiden einstigen Top-Talente

Geht es bei Werder Bremen, also in der 2. Liga für sie weiter? Oder müssen sie den Verein wechseln, um regelmäßig spielen zu können? Geht es rauf oder runter? Trainer Anfang bestimmt mit, wohin der Weg der einstigen Top-Talente führt. Dass beide ihm das erste Mal auffielen, liegt schon Jahre zurück.

Anfang kennt Eggestein und Schmidt schon aus deren Nachwuchszeiten

Es war 2017, als Anfang bei Bayer Leverkusen die U17 des Klubs anvertraut wurde. B-Jugend-Bundesliga Staffel West. Eigentlich weit weg von Bremen. Aber klar, Anfang hatte seine Augen auch bei anderen Klubs, anderen U17-Teams. Erst recht bei der DFB-Auswahl. Dort vertreten: Johannes Eggestein und Niklas Schmidt, die Bremer, beide Jahrgang 1998, Schmidt nur zwei Monate älter als Eggestein. Gemeinsam gehörten sie 2015 zum deutschen Aufgebot für U17-WM in Chile sowie die EM in Bulgarien. Es waren Turniere, die Anfang intensiv verfolgte. „Den 98er-Jahrgang habe ich damals sehr eng begleitet“, sagt der Werder-Coach. Er weiß also, woher Eggestein und Schmidt kommen. Er weiß, wo sie aktuell stehen, weil er sie in der Vorbereitung beobachten konnte. Was er aber noch nicht genau weiß, ist, was aus dem einen wie dem anderen werden soll. Schmidt scheint aktuell bei Werder Bremen bessere Karten zu haben als Eggestein. Das öffentliche Interesse ist allerdings genau anders herum sortiert. Coach Anfang ist jedenfalls irritiert – um nicht zu sagen: genervt – wie groß die Aufregung um Johannes Eggestein derzeit ist.

In Interviews kommen immer wieder Fragen zu Eggesteins Zukunft

„Gefühlt werde ich in jedem Interview auf ihn angesprochen. Es ist schon beeindruckend, wie oft die Frage gestellt wird“, sagt er. Dass er und Sportchef Frank Baumann das selbst provoziert haben, weil sie für Eggestein keine Position im Werder-System sehen - geschenkt. Es ist selbstverständlich von Interesse, wie Werder Bremen mit dem Spieler umzugehen gedenkt, der einst das Interesse europäischer Top-Klubs auf sich gezogen hatte, der als Leihspieler beim Linzer ASK in Österreich verlässlich abgeliefert hat (20 Tore in 39 nationalen und internationalen Pflichtspielen), für den es aber beim Bremer Neuaufbau keinen Platz im Team eines Zweitligisten geben soll. Markus Anfang über Johannes Eggestein: „Ich weiß, dass er so etwas wie das Aushängeschild der Werder-Jugend darstellt. Vielleicht tut man dem Spieler aber keinen Gefallen damit, wenn die Öffentlichkeit ihn immer so besonders ins Schaufenster stellt. Ich werde dauernd vor allem nach ihm gefragt, das halte ich für übertrieben.“

Mal auf der Außenbahn oder aber als hängende Spitze

Der Trainer hat jedenfalls nicht vor, Johannes Eggestein anders zu behandeln als andere Spieler. Das 4-3-3 ist als System vorgegeben, als einzige zentrale Spitze hat Anfang ihn nicht eingeplant. Stattdessen hat er den einstigen U17-Torjäger in der Vorbereitung auf der Außenbahn ausprobiert oder als hängende Spitze. Insgesamt sind es bei drei Angreifern und zwei nach vorne ausgerichteten Mittelfeldspielern fünf offensive Positionen, die Anfang anbieten kann. „Jojo muss jetzt für sich entscheiden, ob er sich da sieht und wie er sich da sieht. Ich kann kein System bauen, um einem Spieler gerecht zu werden“, erklärt der 47-Jährige. Soll wohl heißen: Wenn es Eggestein nicht passt, kann er gehen.

Niklas Schmidt überrascht in der Vorbereitung

Während der Neuanfang für Johannes Eggestein schon ein Jahr vor Vertragsablauf zum Endpunkt in Bremen werden könnte, eröffnet sich für Niklas Schmidt eine ganz neue Chance. Beim Vorbereitungsstart hatte Baumann noch gesagt, dass der Mittelfeldspieler keine Zukunft bei Werder haben würde. Doch am Ende der Vorbereitung sieht die Sache anders aus. Anfang ist jedenfalls positiv überrascht: „Niklas hat gezeigt, dass er in der Lage ist, einem Spiel seinen Stempel aufzudrücken und dass er auch bereit ist, defensiv zu arbeiten. Das waren die größten Erkenntnisse, die ich aus der Vorbereitung von ihm mitnehme. Er hat auf sich aufmerksam gemacht.“

Erfolgreich an der eigenen Fitness gearbeitet

Das ist mehr Lob, als Niklas Schmidt hätte erwarten können. Offenbar hat es sich für ihn gelohnt, gezielt an der eigenen Fitness zu arbeiten und einstige Gewichtsprobleme durch eine – laut „kicker“ – vegane Ernährung ersetzt zu haben. Einige Kilos sind weg, alte Qualitäten sind aber geblieben und werden im aktuellen Kader zu einem „ganz großen Vorteil“, so Anfang: „Er schießt wahnsinnig gute Standards. Wir haben im Moment Schwierigkeiten, was Standardschützen betritt. Niklas ist einer, der eine Waffe hat, die nicht so viele in der Mannschaft haben.“ Zusammengenommen klingt das alles sehr danach, dass Niklas Schmidt für die Saison eingeplant wird. „Aktuell ist er dabei, und ich habe ihn gerne in der Mannschaft“, erklärt Anfang zwar, schränkt jedoch auch ein: „Ich weiß nicht, wie sich die Kaderstruktur noch verändert und ob ich ihm die Spielzeit, die er braucht, geben kann.“ (csa/mb))

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