Florian Kohfeldt steht noch bei Werder auf der Gehaltsliste.

Florian Kohfeldt steht noch bei Werder auf der Gehaltsliste.

Foto: Carmen Jaspersen/dpa

Werder Bremen
Sport

Was passiert jetzt mit Florian Kohfeldt?

Von Björn Knips, deichstube,.de
16. Juni 2021 // 09:46

Fast genau einen Monat ist es her, als eine besondere Beziehung in die Brüche ging: Der SV Werder Bremen trennte sich von Florian Kohfeldt, stellte den Chefcoach vor dem letzten Spieltag von seinen Aufgaben frei. Der Abstieg wurde damit allerdings nicht verhindert – und richtig weg ist Kohfeldt auch nicht.

Kohfeldts Vertrag bei Werder Bremen läuft noch bis 2023

Der 38-Jährige steht weiterhin auf der Gehaltsliste des SV Werder Bremen. Daran wird sich so schnell auch nichts ändern. Eine Auflösung des bis zum 30. Juni 2023 datierten Vertrags ist nach Informationen der Deichstube kein Thema. Werder wartet auf eine glückliche Fügung in Form eines neuen Jobs für Kohfeldt bei einem anderen Club – nicht unbedingt mehr in diesem Sommer, aber gerne im Herbst oder spätestens im Winter. Dabei geht es wie so oft im Fußball ums Geld. Eigentlich kann es sich Werder gar nicht leisten, neben dem neuen Trainer Markus Anfang auch noch den alten zu bezahlen. Aber eine andere Lösung gibt es aktuell nicht. Und was macht Florian Kohfeldt? Wie denkt er darüber? Was hat er vor?

Der Ex-Coach ist für Journalisten nicht erreichbar

Der Anschluss ist frei, doch niemand nimmt den Anruf entgegen. Es klingelt durch. Kohfeldt ist anders als früher nicht erreichbar. Werder-Sportchef Frank Baumann berichtet auf Nachfrage, dass der Ex-Trainer nach seiner Entlassung erstmal in den Urlaub gefahren ist, dann wieder in Bremen war, aber die nächste Reise schon geplant wurde. Kohfeldt, so heißt es, wolle Abstand gewinnen und öffentlich nicht groß in Erscheinung treten – schon gar nicht mit Interviews. Das Aus als Werder-Coach hat ihn getroffen. Schließlich ist er seit über 20 Jahren im Club, die letzten dreieinhalb als Chefcoach. Er hatte sich vom Torwart der dritten Mannschaft nach ganz oben gearbeitet – mit Werder Bremen fast sogar die Rückkehr ins europäische Geschäft erreicht. Dann folgte der Absturz. Hinter ihm liegen zwei ganz schwierige Jahre mit knallhartem Abstiegskampf. Einmal ging es gut, einmal nicht. Gründe dafür gibt es viele, einen Alleinschuldigen nicht.

Die Aktie Kohfeldt ist gesunken

Florian Kohfeldt, der im Frühjahr 2019 vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) als Trainer des Jahres 2018 ausgezeichnet worden war, hat zuletzt gewiss an Reputation und Popularität eingebüßt. Fußball ist eben ein Ergebnissport. Trotzdem wurde er bereits bei diversen Clubs als neuer Coach gehandelt. Erst im Frühjahr bei Borussia Mönchengladbach. Damals sah es mit Werder noch nach einem sicheren Klassenerhalt aus. Die Borussia holte letztlich Adi Hütter von Eintracht Frankfurt. Und schon war Kohfeldt dort ein Thema – später auch bei Bayer Leverkusen, Hertha BSC, dem VfL Wolfsburg und wie fast in jedem Jahr bei der TSG 1899 Hoffenheim. Die Aktie Kohfeldt ist zwar gesunken, aber ihr Kurs in der Branche offenbar noch hoch genug. In Marc Kosicke hat Kohfeldt zudem einen umtriebigen Berater, der schon die Karrieren von Jürgen Klopp und Julian Nagelsmann erfolgreich begleitet hat. Gerade eben erst brachte der 50-Jährige den in der vergangenen Saison auf Schalke gescheiterten David Wagner beim Schweizer Meister Young Boys Bern unter.

Wechsel ins Ausland denkbar

Ein Wechsel ins Ausland ist auch bei Kohfeldt nicht abwegig. Bei einem Spitzenclub zum Beispiel in der Schweiz, Österreich oder den Niederlanden könnte der 38-Jährige endlich wieder seinen Offensiv-Fußball spielen lassen. Doch inzwischen sind fast alle Türen zu – in der Bundesliga sowieso. Das soll einerseits an den Clubs gelegen haben, denen Kohfeldts Rauswurf kurz vor dem Abstieg noch zu frisch erschien, um mit ihm eine Euphorie im eigenen Verein zu entfachen. Andererseits habe es auch Florian Kohfeldt vorgezogen, sich nicht gleich in die nächste Aufgabe zu stürzen und dafür lieber die zurückliegenden Monate genauer zu analysieren und sich zu reflektieren.

Werder muss vorerst zwei Trainer bezahlen

Werder Bremen rechnet jedenfalls schon damit, in den nächsten Monaten zwei Trainer zu bezahlen. Dabei hilft indirekt sogar der Abstieg. Denn wie bei den Spielern muss nun auch Kohfeldt auf 40 bis 60 Prozent seines Gehalts verzichten. Aus den knapp zwei Millionen Euro sollen somit etwas weniger als eine Million pro Saison werden. Für einen Zweitliga-Coach wäre das allerdings immer noch sehr viel – für einen freigestellten sowieso. Zum Vergleich: Markus Anfang bekommt bei Werder geschätzte 500.000 Euro im Jahr – plus Prämien. Sollte ihm der Aufstieg gelingen, dürfte sein Gehalt enorm steigen. Im Fußball-Oberhaus wird vor allem dank wesentlich höherer TV-Einnahmen eben ganz anders bezahlt. (kni/mb)

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