Nordenhamer hat seine liebe Not mit der Notrufnummer

Der Esenshammer Richard Menzel ist der Ansicht, dass die Großleitstelle Oldenburger Land seinen Gesundheitszustand falsch eingeschätzt hat. Der Geschäftsführer Frank Leenderts hält die Kritik des 64-Jährigen für unberechtigt.

Wesermarsch

Nordenhamer hat seine liebe Not mit der Notrufnummer

Von Timo Kühnemuth
5. April 2018 // 20:30

Alles begann am Donnerstag, 22. März: Richard Menzel (64) litt abends plötzlich unter Übelkeit. Die ganze Nacht über musste er sich übergeben, zudem litt er unter starkem Durchfall.

Zunächst die Notdienst-Nummer gewählt

Am Freitagmorgen, 6 Uhr, ging es dem Esenshammer, der eine künstliche Herzklappe hat, so schlecht, dass er seine Schwester bat, die Notdienstnummer 116117 zu wählen. Weil sie niemanden erreichte, wählte sie die Notrufnummer 112. Doch ein Mitarbeiter der Großleitstelle Oldenburger Land sagte ihr, dass dies kein Fall für den Rettungsdienst sei.

Arzt schickt ihn ins Krankenhaus

Eine fatale Fehleinschätzung, meint Richard Menzel. Nachdem die Großleitstelle die Schwester von Richard Menzel abgewiesen hatte, rief sie ein zweites Mal beim ärztlichen Bereitschaftsdienst an – diesmal mit Erfolg. Ein Allgemeinmediziner aus der Region ging an den Apparat. Er riet Richard Menzel, umgehend ein Krankenhaus aufzusuchen.

Diagnose: Akute Lebensmittelvergiftung

Das tat der 64-Jährige dann auch. Drei Tage lag er in der Helios-Klinik Wesermarsch. Er erhielt mehrere Infusionen, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Eine Laboruntersuchung ergab, dass er unter einer akuten Lebensmittelvergiftung litt.

"Die Situation falsch eingeschätzt"

Richard Menzel möchte nicht falsch verstanden werden: Es geht ihm nicht darum, irgendjemanden anzuklagen. „Ich möchte nur dafür sorgen, dass die Großleitstelle für Fälle wie meinen sensibilisiert wird“, sagt er. Seiner Ansicht nach hat der Disponent, der mit seiner Schwester gesprochen hat, die Situation falsch eingeschätzt.

Disponenten stellen gezielt Fragen

Frank Leenderts ist der Geschäftsführer der Großleitstelle Oldenburger Land. Er ist der Meinung, dass sich der Mitarbeiter korrekt verhalten hat. „Unsere Disponenten arbeiten bei solchen Telefonaten einen vorgeschriebenen Fragenkatalog ab. Es handelt sich um acht bis zehn medizinisch evaluierte Fragen“, sagt er.

"Wir waren nicht zuständig"

Der Rettungsdienst rücke aus, wenn sich der Betroffene in einem lebensbedrohlichen Zustand befindet. Das sei hier nicht der Fall gewesen. „Deshalb lag die Zuständigkeit nicht bei uns, deshalb hat der Disponent die Empfehlung gegeben, den ärztlichen Bereitschaftsdienst zu konsultieren“, sagt Frank Leenderts.

Künstliche Herzklappe "nicht relevant"

Dass Richard Menzel eine künstliche Herzklappe hat, sei in diesem Fall nicht relevant gewesen, weil die beschriebenen Symptome ausschließlich auf Probleme mit dem Magen hindeuteten – und nicht auf Komplikationen mit dem Herzen.