Eine Vorreiterrolle in Sachen Wasserstoffnutzung – das können sich Claas Schott (links) und Michael Labetzke sehr gut für die Seestadt vorstellen.

Eine Vorreiterrolle in Sachen Wasserstoffnutzung – das können sich Claas Schott (links) und Michael Labetzke sehr gut für die Seestadt vorstellen.

Foto: van Veenendaal

Wirtschaft
Wissenschaft

Mit Wasserstoff auf dem Weg zur klimafreundlichen Stadt

Von Susanne van Veenendaal
13. November 2016 // 09:00

Claas Schott und Michael Labetzke haben sich ein Ziel gesetzt: Sie möchten Bremerhaven gerne zum Vorreiter in Sachen Wasserstofftechnik machen. Um das Thema voranzutreiben und ihm ein solides Handlungsgerüst zu geben, wurde jetzt der Verein „Wasserstoff für die Region Bremerhaven – H2BX“ aus der Taufe gehoben. Elf Gründungsmitglieder sind bereits mit im Boot. Die Begeisterung ist den beiden anzumerken: Könnte die Technologie sich doch nur endlich durchsetzen – für Labetzke und Schott würde man damit gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen: das Klima schützen, Ressourcen schonen, das Speicherproblem der erneuerbaren Energien lösen und außerdem unabhängig von Öl- und Gasimporten werden.

Schott und Labetzke: Ökologie und Ökonomie müssen kein Widerspruch sein

Für die Seestadt bestehe überdies die Chance, einen komplett neuen Wirtschaftszweig etablieren und dementsprechend viele Arbeitsplätze schaffen zu können. Ökologie und Ökonomie müssen schließlich kein Widerspruch sein, finden die beiden Bremerhavener, die bei den Grünen im Arbeitskreis Umwelt aktiv sind. Doch was macht die Wasserstofftechnik für Umweltschützer so attraktiv? Eines der größten Probleme der erneuerbaren Energien ist bekanntlich die ungenügende Speichermöglichkeit. Weht beispielsweise der Wind stark, speisen Windräder oft mehr Strom ins Netz, als genutzt wird. Der Überschuss kann aber nicht „aufbewahrt“ werden.

Brennstoffzelle zum Umwandeln in Strom

An diesem Punkt könnte die Wasserstofftechnik ins Spiel kommen, erläutert Diplom-Ingenieur Schott: „Der Strom aus den erneuerbaren Energien kann genutzt werden, um Wasser durch Elektrolyse in seine Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff zu zerlegen“, erklärt der 44-Jährige. Mithilfe einer Brennstoffzelle könne später aus eben diesem Wasserstoff und dem Sauerstoff aus der Umgebungsluft wieder Strom – beispielsweise für ein Brennstoffzellenfahrzeug – erzeugt werden. „Der Strom muss natürlich nicht als Antrieb genutzt werden“, ergänzt Labetzke. „Ich kann ihn auch verwenden, um meine Geräte zu Hause zu betreiben, oder um über einen Tauchsieder Wasser zu erwärmen“, listet er auf.

Weitere Möglichkeit: Einspeisen ins Gasnetz

Damit nicht genug: Unter Zugabe von Kohlendioxid (CO2) könne der Wasserstoff zudem in Methan, sprich synthetisches Erdgas, umgewandelt werden, das sich in das bestehende Gasnetz einspeisen lässt. „Es hat die gleiche Qualität wie unser jetziges Erdgas“, meint Schott, der vor seiner jetzigen Tätigkeit an der Hochschule rund zehn Jahre lang in der Offshore-Windpark-Planung gearbeitet hat. Die Nutzung des Gasnetzes gehe aber noch einfacher, weiß Labetzke. Und zwar, indem die Vermischung mit CO2 weggelassen wird, und dem vorhandenen, herkömmlichen Erdgas gleich direkt der Wasserstoff zugefügt werde. „Zwischen fünf und zehn Prozent sind kein Problem“, meint der 46-Jährige. „Bei mir zu Hause nutze ich dieses Windgas bereits. Und es ist nicht mit höheren Kosten verbunden.“

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